Ab auf die Insel: Sardinia
Nach teils recht kalten Tagen und Nächten wuchs die Vorfreude auf die deutlich südlicher gelegene Insel Sardinien - verbunden mit der Hoffnung auf endlich wärmere, angenehmere Temperaturen.
Livorno bis Cagliari
Olbia
Noch vor Sonnenaufgang riss uns der Wecker aus dem Schlaf. Die Nacht war nahezu vollkommen still gewesen - nur ein Waldkauz hatte sich
gelegentlich bemerkbar gemacht. Die Abfahrt war zwar erst für 10 Uhr geplant, allerdings sollte das Einchecken spätestens zwei
Stunden vorher erfolgen.
Der Hafen war schnell gefunden - die Zufahrt zur Fähre hingegen weniger. Eine Beamtin winkte uns bereits aus der Ferne energisch weg:
falsche Richtung. Ein Stück zurück entdeckten wir schließlich ein Hinweisschild zum Fährunternehmen - und ein
verschlossenes Tor. Gegenüber bot ein kleiner Parkplatz die Gelegenheit, die Lage in Ruhe zu sondieren.
Volltreffer: Hier waren wir richtig. Nur öffnete das Tor erst um 7 Uhr. Also warten. Nach und nach füllte sich der Bereich, bis
schließlich Einlass gewährt wurde und wir in den Wartebereich geschleust wurden. Dort hieß es erneut: Geduld. Zwei Stunden
lang beobachteten wir, wie die Fähre entladen wurde und ein Sattelauflieger nach dem anderen im Bauch des riesigen Schiffs verschwand.
Dann endlich waren auch wir an der Reihe - Sardinien, wir kommen.
Überraschung an Bord: Statt einer schlichten Fähre erwartete uns eher ein kleines Kreuzfahrtschiff. Theater, mehrere Bars, ein
Pool an Deck und sogar eine Disco - alles vorhanden. Die Nebensaison war dennoch spürbar: vieles geschlossen, hier und da
Renovierungsarbeiten.
Wir ließen uns an einem Tisch mit Stromanschluss nieder und holten den Laptop heraus. 8 Stunden Überfahrt lassen sich auch
protoktiv nutzen.
Am späten Abend liefen wir schließlich in Olbia auf Sardinien ein. Da wir zusammen mit einigen anderen Campern als letztes auf
die Fähre fuhren, waren wir jetzt unter den Ersten, die diese wieder verlassen durften. Wir umrundeten noch die Bucht und schon
standen wir an einer Landspitze auf unserem heutigen Schlafplatz. Wie schön es dort tatsächlich war, zeigte sich allerdings erst
am nächsten Morgen.
Gorropu
Beim Öffnen der Tür verschlug es uns zunächst die Sprache: Eine Blumenwiese erstreckte sich vor uns und ging direkt ins Meer
über. Dort stand auf einer kleinen Insel ein Leuchtturm und die Sonne ging über dem Meer auf. Ein temporärer Vorgarten, wie
man ihn sich schöner kaum vorstellen kann. Und doch - es wurde noch besser: Auf der gegenüberliegenden Seite lag eine flache
Bucht, in der sich tatsächlich Flamingos tummelten.
Vom Meer sollte es heute hinauf in die Berge gehen. Ziel war der Canyon Gala Gorropu. Doch zuvor hielten wir noch in einem winzigen
Örtchen an. Dort gab es Frühstück und da es gerade so gemütlich war, legten wir hier gleich noch einen Bürotag
ein. Dann kauften wir noch ein paar Leckereien und fuhren zum Parkplatz in der Nähe des Canyon. Diesen erreichten wir erst im
Dunkeln.
Am nächsten Morgen sorgten einige frei herumlaufende Schweine für einen unerwarteten Start in den Tag. Kurz darauf begann der
Abstieg: Rund zwei Stunden durch einen wunderschönen Eichenwald, vorbei an steilen Felswänden und mit beeindruckenden Ausblicken
ins Tal. Immer wieder kreuzten sardische Kühe, Schweine und sogar ein Fuchs den Weg.
Unten angekommen, bot sich ein überwältigendes Bild: Gewaltige Granit- und Karstfelsen, ein überraschend wasserreicher
Flusslauf und üppiges Grün. Allerdings sorgte genau dieses Wasser für Verwirrung - laut Internet sollte das Flussbett meist
trocken sein. Schön war es trotzdem. Nur: Wo ging es in die eigentliche Schlucht?
Ein Schild auf der gegenüberliegenden Seite ließ nur eine Lösung zu - irgendwie mussten wir den Fluss überqueren.
Keine leichte Aufgabe bei der Tiefe und Strömung des Wasserlaufs. Nach einigem Suchen fanden wir schließlich eine geeignete
Stelle.
Und dann ging alles sehr schnell und der Ausflug fiel wortwörtlich ins Wasser. Beim Versuch uns gegenseitig über den Wasserlauf
zu helfen, rutschte Andrea auf den glatten und glitschigen Steinen weg und wir plumsten in voller Montur ins Wasser. Mist, alles nass. Und
wenn wir sagen alles, dann meinen wir alles. Sachen, Rucksäcke, Handys und leider auch unsere gute Kamera. Als wir wieder auf
trockenem und festen Boden standen, schauten wir uns an und mussten dennoch über die Situation lachen. Offenbar sind wir ganz
schön tollpatschig. Aber egal, uns war zum Glück nichts passiert und die Sachen werden wieder trocknen. Ein schneller Check der
Handys zeigte, dass diese alles gut überstanden hatten. Die Kamera wurde zur Sicherheit ausgeschaltet und der Akku entfernt. Dann zogen
wir die Jacken aus und legten sie zum Trocknen in die Sonne.
Aber die Schlucht? Frank versuchte es noch einmal zum Eingang zu gelangen und schaffte es nach einigen Versuchen und Klettereien
tatsächlich. Allerdings war es nicht einfach und die Gefahr eines zweiten unfreiwilligen Bades war hoch. Zudem war es nicht gerade
warm, sodass es in den nassen Sachen schnell unangenehm wurde. Also fiel die Entscheidung: Abbruch. Unterwegs trafen wir eine Einheimische,
die uns erklärte, dass es aktuell so viel Regen gegeben hatte, wie in den letzten 30 Jahren nicht. Da hatten wir die Erklärung,
warum das Flussbett nicht trocken war.
Zurück am Genuss-Bus zogen wir uns flink trockene Sachen an und hängten die durchnäßten zum Trocknen auf, dann
schmiedeten wir Pläne für einen zweiten Versuch. Angesichts der Wettervorhersage für die nächsten Tage jedoch, mussten
wir etwas enttäuscht aufgeben. Weiterer Regen und fallende Temperaturen würden den Ausflug erschweren. Daher zogen wir es vor,
unsere Tour über die Insel fortzusetzen.
Arbatax
Unsere Fahrt führte uns wieder vom bergigen Inselinnere hinab zum Meer in die kleine Hafenstadt Arbatax. Unweit der Stadt fanden wir
einen - wegen der Nebensaison - angenehm günstigen Campingplatz mit allen Annehmlichkeiten. Perfekt für zwei ruhige Nächte,
zum Durchatmen, Trocknen und Arbeiten.
Kaum angekommen, wurden die Fahrräder ausgepackt. Obwohl die Stadt in direkter Nähe lag, dauerte die Fahrt eine gute halbe
Stunde - eine Lagune wollte schließlich umrundet werden. Zu Fuß ist es auch entlang des Strands möglich.
Nach einer kleinen Stärkung spazierten wir hinab zu den Felsformationen „Rocce Rosse“. Rote Porphyrfelsen ragen hier aus
türkisblauem Wasser und sind ein beliebtes Ziel für Fotografen.
Am folgenden Tag lockte uns der nahegelegene Strand und so unternahmen wir einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Küste und durch
den Nadelwald und staunten über das karibischblaue Wasser.
Ulassai · Perdasdefogu · Goni
Auf dem Campingplatz in Arbatax hatten wir Kontakt zu einem anderen deutschen Pärchen, das uns den Tipp gab, nach Ulassai zu fahren.
Dort soll es eine sehenswerte Schlucht und einen großen Wasserfall geben. Daraufhin informierten wir uns genauer über den Ort
und fanden zusätzlich noch eine Möglichkeit für eine Höhlentour. Da Ulassai zudem in unsere weitere Route hineinpasste,
fiel uns die Entscheidung nicht schwer.
Gut erholt ging es von der Westküste Sardiniens wieder hinauf in die Berge. Das letzte Stück quälten wir uns über eine
steile Serpentinenstrecke bis zum Parkplatz bei der Grotta Su Marmuri. Die Höhle ist nur mit einer geführten Tour zu besichtigen
und diese sollte erst in etwa einer Stunde starten. Die Zeit überbrückten wir liebend gern mit Espresso und Tee, da das Wetter
uns einmal mehr etwas Regen schickte. Als schließlich die offenbar angemeldete Gruppe eingetroffen war, ging es mitten in den
Bergwald hinein zum Höhleneingang. Dort erläuterte uns der Guide - tatsächlich auf Deutsch - einige Details zur Höhle
bevor er diese für die Gruppe auf Italienisch wiederholte.
Doch als es eigentlich hinab in die Höhle gehen sollte stockte die Tour. Die Beleuchtung wollte nicht anspringen. Als auch nach
mehreren Versuchen nichts passierte, wurde die Tour aus technischen Gründen abgeblasen. Anstandslos wurde uns der Eintrittspreis
erstattet. Schade, die Bilder der Höhle sahen spannend aus.
Zum Glück waren wir ja nicht nur wegen der Höhle hier hinaufgekommen, sondern auch wegen der Schlucht. Der Wanderweg startete
auch gleich an unserem Parkplatz, sodass es gleich losgehen konnte. Das Wetter hatte auch ein Einsehen mit uns und so zeigte sich immer
wieder auch mal die Sonne. Der Canyon gestaltete sich dann wirklich als sehenswert, uns wurde also nicht zu viel versprochen. Über
Stock und Stein stiegen wir immer tiefer in die Schlucht hinab, bis wir plötzlich in einer Sackgasse standen. Komisch laut der App
Komoot müsste der Weg dort weitergehen. Aber wo? Wir standen in einem Talkessel. Hinter uns der Weg, den wir genommen hatten und vor
uns ein riesiger Felsblock, der uns den Weg versperrte.
Bei genauerem Hinsehen entdeckten wir auf der rechten Seite einen schmalen und niedrigen Weg, der unter dem Fels hindurch und aus der
Schlucht herausführt. So standen wir kurz darauf oberhalb der Ortschaft Ulassai.
Die kurze Suche im Ort nach etwas zu Essen blieb - wohl wegen der Nebensaison - ergebnislos. Mit knurendem Magen mussten wir also wieder
zum Parkplatz hinauf. Geschafft und hungrig überlegten wir, ob wir noch einen Abstecher zum Wasserfall machen sollten. Der Hunger
siegte und wir ließen den Wasserfall aus und fuhren stattdessen nach Perdasdefogu. Wer gerne das Guinnessbuch liest und aufmerksam
studiert, hat vielleicht schon von dem Ort gehört. Der Ort hält gleich zwei Rekorde. Zum einen lebt dort die älteste
Familie. Die 9 Geschwister des Melis-Clans bringen es zusammen auf stattlich 819 Jahre. Zum anderen hält die Gemeinde den Rekord mit
der weltweit höchsten Konzentration an Hundertjährigen. Hierzu wurden an den Hauswänden verschiedene Bilder von den
ältesten Bewohner angebracht. Auf einigen stehen neben dem Geburtsjahr auch das Sterbejahr. Bei anderen fehlt die zweite Angabe, was
wohl daran liegt, dass diese noch leben. Und nicht selten müssen die Leute über 100 Jahre alt sein.
Leider konnten wir nicht nach deren Formel für ihre Langlebigkeit fragen. Dafür überraschten wir den Wirt der einzigen
offenen Kneipe im Ort mit unserem Besuch. Vermutlich kommen nur wenige Touristen in das abgelegene Örtchen. Dafür wurden wir
überaus freundlich bedient und erhielten frisch zubereitete Toasts und Panini und zum Abschluss schenkte er uns noch kleine
Biskuits.
Dann war es an der Zeit einen Schlafplatz aufzusuchen. Wir hatten uns hierzu über die App Park4Night bereits den Parkplatz bei einem
UNESCO Weltkulturerbe bei Goni herausgesucht. Der Weg dorthin führte weiter die Berge hinauf, bis wir gefühlt den höchsten
Punkt der Insel erreicht hatten.
Pranu Muteddu
Pranu Muteddu - Ebene der Myrten - war eine bedeutende Kult- und Begräbnisstätte und wird mit der Ozieri-Kultur in Verbindung
gebracht. Heute ist es ein Archäologischer Park, der, wie viele andere Plätze auf Sardinien, zum UNESCO Weltkulturerbe
gehört. Wegen verschiedener Steinreihen wird die Stätte auch gerne sardisches Stonehenge genannt. Bei dieser Stätte finden
sich mehrere Steinreihen, die sauber in Ost-West-Richtung aufgestellt wurden. Zudem gibt es mehrere Einzelgräber, die angesichts ihrer
Ausführung einen Hinweis auf die Bedeutung des dort Bestatteten geben. Zudem findet sich ein sogenannter Domus de Janas. Dies
bezeichnet eine Ansammlung von Felsengräbern, die in die Felswand gegraben wurden.
Das schöne hier ist, dass die einzelnen Stätten und Gräber nicht durch Zäune abgesperrt sind. Man kann diese frei
erkunden und ganz aus der Nähe betrachten. Selbstverständlich sollte man dabei nichts zerstören, Steine verrücken oder
gar Fragmente mitnehmen.
Capo Carbonara
Die Kultur und Geschichte der Insel Sardinien ist spannend und wir hatten auch vor noch mehr davon zu sehen, dennoch sind wir auf einer
Insel und da gehört Sonne, Strand und Meer dazu. Daher sollte es nach dem Besuch von Pranu Muteddu wieder an die Küste
hinabgehen. Zunächst steuerten wir den Küstenort Costa Rei mit seinem kilometerlangen Sandstrand und karibischblauem Wasser an.
Der Strandspaziergang fiel jedoch wegen eines kräftigen und leider auch frischen Windes etwas kürzer aus. Egal, dann machen wir
halt noch etwas Homeoffice in Villasimius und füllen unsere Vorräte auf. Ja, wir kaufen fast jeden zweiten Tag ein. Wir lieben
frische Produkte, Lagerfläche ist knapp und die Kühlbox bietet auch nur beschränkt Platz. Als wir Villasimius erreichten,
wurde uns eines endgültig klar. Hier ist noch tiefste Nebensaison. Homeoffice wird hier schwierig. Die meisten Restaurants, Bars und
Bistros waren geschlossen. Der Rest macht zumeist ab 14 Uhr zu und öffnet erst wieder abends. Was solls, wir fanden eine Bar, die
wenigstens bis 15 Uhr offen war und so schafften wir ein paar Zeilen und konnten bei einem Espresso eine echte sardische Spezialität
kosten: Seada. Hierbei handelt es sich um eine Teigtasche - vergleichbar mit Ravioli - die mit Käse - Pecorino - gefüllt ist und
mit Honig und Zucker gereicht wird.
Als wir dann freundlich hinauskomplementiert wurden, fuhren wir direkt zu unserem anvisierten Stellplatz. Neben einer flachen Bucht und
unweit der Küste konnten wir auf einem riesigen Parkplatz einen Platz aussuchen. Wieder einmal hatten wir durch Park4Night einen super
Spot zum Übernachten gefunden. Aber hier mal der Hinweis: Übernachten, nicht Campen. Also Markise bleibt drin und Tische und
Stühle kommen nicht zum Einsatz. Ach, und der Müll wird natürlich mitgenommen oder ordnungsgemäß entsorgt.
Zum Abschluss des Tages ging es an den menschenleeren Strand, der die Bucht vom Meer trennt. Unsere Hoffnung auf ein paar Flamingos wurde
aber nicht erfüllt.
Unbarmherzig holte uns unser Wecker mitten in der Nacht aus dem Bett. Okay, wir wollten es so. Wenn wir hier schon an der Ostküste
Sardiniens sind, wollten wir einen Sonnenaufgang am Meer erleben. Bei noch sehr frischen Temperaturen suchten wir uns mit einer
Taschenlampe den Weg zum Strand und dort zu einer Ansammlung Felsen. Am Horizont zeichneten sich zwar Wolken ab, aber das erste Morgenrot
war bereits vielversprechend. Und dann war es soweit. Erst nur ein kleiner Strich, dann ganz schnell war der Glutball aufgegangen und warf
einen malerischen Streifen über das Meer.
So schön der Platz auch ist, uns zog es trotzdem weiter. Wir wollten nach Cagliari und damit in eine größere Hafenstadt.
Die Fahrt dorthin ging entlang der sardischen Küste mit Blick auf schöne Sandstrände und türkisblaues Wasser. Dann
erreichten wir Cagliari, auch wenn es dieses Mal keine Veranstaltung gab, gestaltete sich die Fahrt zum Parkplatz kompliziert. Wegen einem
ausgedehnten Einbahnstraßensystem mussten wir ein paar Runden durch teils schmale Gassen drehen, bevor wir den großen und
zentralen Parkplatz erreichten. Dafür standen wir direkt an der Bastione di Santa Croce und gleich oberhalb der Altstadt.
Wir hatten uns dieses Mal kein umfangreiches Programm mit ausgedehntem Spaziergang herausgesucht. Wir wollten einfach durch die Gassen
schlendern. Aber drei Spots wollten wir in jedem Fall sehen. Die Cripta di Santa Restituta mit den in den Fels gehauenen
frühchristlichen Altären unter der Altstadt, den Mercato Civico di San Benedetto, auf dem zahlreichen Ständen frischen Obst,
Gemüse, Fisch und Fleisch anbieten, und das Anfiteatro Romano di Cagliari.
Am Abend fuhren wir noch hinaus zu den Salinen von Cagliari, da es dort wohl unzählige Flamingos geben soll. Und tatsächlich
schon auf der kilometerlangen Fahrt entlang der Becken und schließlich am Parkplatz konnten wir reichlich Flamingos beobachten.
Mit so vielen schönen Eindrücken ging es noch bis nach Pula (Sardinien).
Cagliari bis Carbonia
Nora · Pula
Nach einer ruhigen Nacht am Rande einer fast ausgestorbenen Touristenstadt ging es direkt zur Öffnungszeit zum Parco Archeologico di
Nora. Die sagenumwobene Stadt Nora wurde im 8. Jahrhundert vor Christus durch die Phönizier gegründet. Erst im frühen
Mittelalter wurde die Siedlung endgültig aufgegeben. Heute können die Überreste der Häuser, Thermen und Tempel
besichtigt werden. Besonders beeindruckt haben uns die erstaunlich gut erhaltenen Fußbodenmosaiken, bei denen man fast das
Gefühl hat, die Bewohner seien erst vor kurzem weggezogen.
Neben der Ausgrabungsstätte kann im Rahmen einer Führung - wir hatten sogar das Glück einer Privatführung - der Torre
del Coltellazzo besichtigt werden. Er ist einer von insgesamt 102 sogenannten Sarazenentürmen, die Sardinien vor Piratenangriffen
schützen sollten. Heute wird er neben seiner musealen Nutzung zusätzlich, wegen seiner Lage auf der Landzunge, als Leuchtturm
genutzt.
Die nette Dame, die uns viele interessante Details zur Ausgrabungsstätte und dem System der Türme erläuterte, hatte zum
Schluss noch einige Tipps für unsere weitere Reise parat. Diese veranlassten uns, die Necropoli di Montessu bei Villaperuccio erst
recht anzusteuern. Doch zuvor unternahmen wir noch einen Spaziergang durch die Gassen von Pula, sodass wir erst zum Abend in Villaperuccio
ankamen.
Necropoli di Montessu
Auf dem weitläufigen Gelände des archäologischen Parks „Necropoli di Montessu“ findet man etwa 40 Domus de Janas
- Felsengräber. Die meisten davon sind die typisch kleinen einzelligen Grabhöhlen. Allerdings finden sich hier auch einige
bedeutend größere und mehrzellige Felsenhöhlen. Der gesamte Park erstreckt sich entlang eines Berghangs, wobei einige
Gräber nur auf Trekkingpfaden erreichbar sind. Allerdings lohnen sich auch diese Abstecher, da man so die Vielfalt der Gräber
deutlich besser erfassen kann.
Wenn man, wie wir, alle Gräber erreichen möchte, sollte man mit einer Besuchsdauer von gut zwei Stunden rechnen. Die Zeit ist es
aber wert.
Nachdem wir inzwischen schon wieder sehr viel gesehen hatten, wollten wir endlich mal die Beine hochlegen und uns gehörig ausruhen.
Dazu hatten wir uns den Parkplatz, der auch als Campingplatz dient, eines Höhlensystems auserkoren. Die Beschreibung versprach uns
neben der Höhle mit Tropfsteinen einen Stellplatz mit verschiedenen Tieren, Barbeque-Platz und viel Natur.
Und tatsächlich: Vor Ort erwarteten uns Gehege mit Ziegen, Hühnern, Gänsen, Pfauen sowie ein Esel und ein Pony. Dazu
streunten mehrere Katzen herum - von extrem verschmust bis „ich beobachte euch lieber aus sicherer Entfernung“. Der Platz selbst
war eher einfach gehalten, aber bot viel Raum und vor allem: herrliche Ruhe in der Nacht - abgesehen von den typischen
Tiergeräuschen.
Mit Taschenlampen ausgestattet, wie von anderen Campgästen empfohlen, starteten wir am nächsten Tag unsere Höhlentour. Hier
darf man sich nämlich selbst als Höhlenforscher betätigen und ohne Führung in das Höhlensystem hinabsteigen. Nach
einem kleinen Anstieg standen wir auch schon vor dem gewaltigen Zugang, der sich in einen großen Saal öffnete. An mehreren
Stellen hätte man durch schmale Spalten oder enge Löcher tiefer in das Höhlensystem gelangen können. Zudem gibt es
direkt am Höhleneingang einen steilen Abstieg in einen Tunnel. Es blieb aber bei einem vorsichtigen Versuch hinabzugelangen. Der Boden
war so rutschig, dass wir vermutlich eher auf allen Vieren wieder nach oben gekommen wären… wenn überhaupt. Schade! Dabei
haben andere Besucher ganz begeistert von der Höhle berichtet. Vermutlich ist es ebenfalls dem ungewöhnlichen Wetter in diesem
Jahr geschuldet, dass ein Zugang nur erschwert möglich ist.
Carbonia
Das Wochenende stand dann ganz im Zeichen von Arbeit und Lernen. Andrea hatte sich für eine Schulung entschieden, die alle paar Wochen
per Zoom ihre volle Konzentration erforderte. Frank nutzte die Zeit, um an der Homepage zu arbeiten.
Während wir bei Sonnenschein vor unserem Genuss-Bus saßen und arbeiteten, tauchten immer wieder Bewohner des Ortes auf und
kümmerten sich um die Tiere und die Anlage. Dabei war offenbar jeder für seinen höchst eigenen Part zuständig. Einer
fütterte die Ziegen, ein anderer die Hühner und Gänse. Wieder ein anderer reinigte die Toiletten oder mähte den
Rasen.
Außerdem besuchten einige Familien den „Minizoo“ mit Kindern und nutzten den Spielplatz und einige Kinderspielzeuge, die
es vor Ort gab. So war ein ständiges Kommen und Gehen auf dem Platz und ein jeder grüßte uns freundlich. Besonders erfreute
uns, als einer der „Pfleger“ plötzlich auf uns zukam und uns ein Hühner- und ein Gänseei schenkte. Wow, damit
stand einem leckeren Essen nichts mehr im Wege.
Eine der Gruppen packte tatsächlich Helme aus. Offenbar wollte man eine Höhlentour unternehmen. Frank nutzte die Gelegenheit, um
den Einstieg der Gruppe zu verfolgen. Doch bevor er überhaupt der Gruppe folgen konnte, schlug er sich überrascht an die Stirn.
Waren wir wirklich so blind gewesen? Er stand vor einem Schild, welches auf einen Zugang zur Höhle hinwies. Aber statt nach links oben
wies es nach rechts. Und nur wenige Meter weiter gab es tätsächlich den Zugang zu einem Stollen. Da die Gruppe jedoch nach oben
gelaufen war, folgte Frank dieser erneut und entdeckte ein zweites und drittes Hinweisschild. Diese wiesen auf zwei weitere Eingänge
hin. Da der dritte offenbar der oberste war, wo wir schon waren, folgte Frank dem zweiten Hinweis und erreichte so einen weiteren Zugang.
Wie konnten wir diese Schilder nur übersehen? Egal, jetzt wussten wir Bescheid und so wollten wir am Montag nochmals unser Glück
versuchen.
Nach einem solchen erholsamen und arbeitsreichen Wochenende auf einem Stellplatz mit so vielen Tieren mussten wir Abschied nehmen. Aber
bevor es weitergehen sollte, stand noch eine Höhlentour auf dem Programm. Auch Andrea konnte es kaum fassen, dass wir die Schilder
nicht gesehen hatten. Aber was soll's. Jetzt standen wir vor dem ersten Zugang und waren ganz gespannt, was uns erwarten wird. Im
Schein der Taschenlampen liefen wir den Gang hinein und erreichten wenig später eine erste Höhle mit Tropfsteinen. Von dort
zweigten weitere Gänge ab. Einige sehr niedrig, andere stark abschüssig. Einem weiteren folgten wir noch ein Stück weiter.
Dann wollten wir es wissen. Wir schalteten die Lampen aus und sofort umfing uns absolute Dunkelheit. Nicht der kleinste Lichtschimmer war
erkennbar. Ein Moment, der gleichzeitig faszinierend und leicht beklemmend war.
Da es dort nicht weiterging, kehrten wir zurück und suchten den zweiten Zugang auf. Auch hier konnten wir ein gutes Stück in die
Höhle hineingelangen. Dann verzweigte sich diese aber derart, dass wir es vorzogen, umzukehren. Nicht, dass wir uns verirren. Denn
Handyempfang gibt es da drinnen natürlich nicht.
Aber es ist schon ein Erlebnis, mal ganz allein eine Höhle erkunden zu können, zumal wenn diese weder markierte Wege oder
Absperrungen hat noch beleuchtet wird. Leider mussten wir aber einmal mehr feststellen, wie wenig Verstand offenbar andere Besucher hatten.
Überall waren Tropfsteine abgebrochen worden. Wie hätte die Höhle erst ausgesehen, wenn die Zerstörung nicht
stattgefunden hätte?
Carbonia bis Santa Teresa Gallura
Porto Pino
Wegen eines Tipps eines anderen Reisenden änderten wir unsere Route und fuhren noch einmal in Richtung Süden. Er hatte uns von
dem keinen Küstenort Porto Pino erzählt. Aber nicht der Ort war das Sehenswerte, sondern mehrere flache Buchten voller Flamingos
und die weißen Dünen von Porto Pino.
Von einem offiziellen Stellplatz für Camper, der in der Nebensaison auch noch kostenlos ist, ist es nur ein kurzer Spaziergang bis
zum Strand. Von dort hat man einen ersten Blick auf die Dünen. Allerdings erheben diese sich auf der anderen Seite der Bucht, sodass
ein Strandspaziergang erforderlich ist, diese zu erreichen.
Aber der Weg lohnt sich. Plötzlich taucht man in ein Meer aus Sand ein. Als wir dort waren hatten wir zudem noch die Chance auf
besondere Bilder. Statt klassischem Postkartenwetter präsentierten sich die weißen Dünen vor einem dramatisch dunklen
Himmel voller Regenwolken.
Auch die Flamingo-Bucht ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Neben vielen friedlich fressenden Tieren konnten wir auch
einige im Flug beobachten - ein wirklich faszinierendes Erlebnis.
Dann mussten wir uns aber dringend auf den Rückweg machen, denn die Wolken kamen bedrohlich näher. Am Ende schafften wir es knapp
nicht. Auf die letzten Meter am Strand holte uns ein leichter Regen ein. Zum Glück war es nur ein kurzer Schauer und kaum eine halbe
Stunde später konnten wir wieder los, dieses Mal in Richtung Ort. Wir brauchten dringend noch ein paar Lebensmittel.
Einen Supermarkt fanden wir zwar nicht, dafür aber eine kleine Bar, wo wir leckeres Eis bekamen. Und während wir so unser Eis
schleckten, tauchten weitere Gäste mit einer… sagen wir mal ungewöhnlichen Begleitung auf: einem Erdmännchen. Ja,
wirklich! Die hatten an einer Leine ein Erdmännchen, das uns ganz neugierig beschnupperte und kurzerhand als Aussichtsplattform nutzte
und um in unseren Haaren zu nesteln.
Eine weitere Begegnung - eher belustigender Art - hatten wir mit der dortigen Kolonie Kuhreiher. Diese saßen lärmend in den
Bäumen und gaben dabei einige Laute von sich, die uns wieder und wieder zum Lachen brachten.
Ingurtosu
Nun war es aber an der Zeit, wieder Richtung Norden aufzubrechen. Wir hatten zwar noch ein paar Tage Zeit, aber unsere Fähre nach
Korsika war bereits gebucht. Angesichts der unfassbar vielen Orte und Plätze, die wir gerne sehen wollten - darunter auch zahlreiche
UNESCO-Weltkulturerbestätten - hatten wir uns entscheiden müssen. Wir gestalten die weitere Reise möglichst
abwechslungsreich.
Unsere erste Anlaufstelle war die „Geisterstadt“ Ingurtosu. Wobei - ganz so geisterhaft ist der Ort eigentlich gar nicht, auch
wenn er sehr verschlafen wirkt und einige Ruinen vor sich hin bröckeln. Die eigentliche Geisterstadt befindet sich eher im ehemaligen
Bergbaugebiet. Dort stehen noch heute die Überreste der Industrieanlage und einige weitere Gebäude und können zumindest von
außen bestaunt werden. Während in Ingurtosu die Minenbesitzer, Ingenieure und andere reiche Industrielle ein Luxusleben
führten, lebten und arbeiteten die Bergleute unter ärmlichsten und gefährlichen Bedingungen im direkten Umfeld der Mine.
Und wenn wir schon mal hier sind, können wir auch einem Tipp eines Freundes folgen. Unweit von Ingurtosu liegen die Dune di Piscinas
samt Strand. Die Fahrt dorthin war allerdings abenteuerlich. Schon kurz hinter der Industrieanlage hört die befestigte Straße
auf und geht in eine sandige und von Schlaglöchern übersäte Piste über. Langsam und mit viel Gefühl umschifften
wir die schlimmsten Bodenwellen und erreichten nach gut 5 km den Strand. Hier musste dann auch noch eine Tiefsandpassage überwunden
werden, bevor wir sicher auf dem Parkplatz standen.
Vor uns lag der Strand und in der Ferne erhoben sich die Dünen. Leider hatte aber auch hier das Unwetter Anfang 2026 mit Hurrikan
Harry gewütet und so war der Zugang zu den Dünen zerstört und eine Überquerung des Flusses - wenn auch nicht tief, so
doch mit ordentlich Strömung - nicht möglich. Ja, wir hätten hindurchwaten können. Allerdings sah man überall
Müll und Scherben. Keine schöne Vorstellung mit blanken Füßen durch das Flussbett zu stapfen.
Wir begnügten uns daher mit einem Spaziergang hinunter zum Strand, dem man auch noch das Unwetter ansehen konnte. Zudem mussten wir
unserem Freund die schlechte Nachricht überbringen, dass die nette Bar am Strand nicht mehr existiert. Nicht einmal ein paar
Überreste konnten wir entdecken.
Wer hinuntergefahren ist, muss auch wieder hinaufgelangen. Felía meisterte die Strecke ohne Probleme und brachte uns noch bis zu
einem UNESCO-Weltkulturerbe, was wir uns aber erst am nächsten Tag ansehen wollten.
Nuraghe Su Nuraxi
Schon 4.000 v. Chr. gab es auf Sardinien eine Hochkultur und diese hinterließ überall auf der Insel ihre Spuren. Eine der
beeindruckendsten Stätte ist sicher die Nuraghe Su Nuraxi. Das Besondere hier ist neben der höchsten Nuraghe auf Sardinien der
Umstand, dass zahlreiche Bauphasen deutlich erkennbar sind. Im Zentrum steht die Nuraghe, ein stattlicher Turm von gut 20 m Höhe mit
drei Etagen. Die Nutzung ist umstritten, da leider keine Artefakte gefunden wurden. Sicher ist nur, dass er nicht der Verteidigung diente,
da er keinerlei Fensteröffnungen aufweist.
Umgeben ist die Nuraghe von einer Mauer mit 4 Türmen, die nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Später wurde eine zweite
Mauer errichtet, die die ursprünglichen Zugänge und Fenster verschloss.
Um diese Art Festung herum hatten sich die Familien angesiedelt. In der ersten Bauphase bestanden die Häuser aus einfachen Rundbauten
mit nur einem Raum. In der späteren Bauphase hatten die Gebäude einen zentralen Raum, von dem weitere Räume abgingen.
Fundstücke belegen, dass man bereits Mehl produzierte und Töpfern konnte.
Die archäologische Stätte kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Auch hier hatten wir - wegen der Nebensaison
- eine Privattour und konnten der Dame Löcher in den Bauch fragen.
Area archeologica di Tharros
Vom Inselinneren ging es wieder hinab ans Meer. Auf der Landzunge vom Capo San Marco liegt eine weitere Ausgrabungsstätte. Dieses Mal
aber aus einer etwas späteren Zeit. Zwar weisen Funde auf eine Besiedlung ab dem 12. Jahrhundert vor Christus hin, allerdings stammen
die meisten Gebäude aus der Zeit ab 800 v. Chr. Zu dieser Zeit siedelten dort Phönizier und anschließend Punier. Ab 215 v.
Chr. bauten die Römer die Gebäude für ihre Zwecke um.
Heute kann man meist nur noch erahnen, wie prächtig der Ort gewesen sein muss, da meist nur die Grundmauern erhalten sind. Ein
Audioguide sowie mehrere Schautafeln - auch in Deutsch - helfen dabei mehr über die Ruinen zu erfahren.
Nach so viel historischen Orten zog es uns mal wieder in die Zivilisation der heutigen Zeit: Bosa. Der 7.000-Seelen-Ort liegt unweit vom
Meer direkt am Fluss Temo. Die Altstadt zieht sich vom Flussufer den Berghang hinauf bis zum Castello Malaspina. Von dort hat man einen
tollen Blick über den Ort und den Fluss bis hinaus zum Meer. Die verwinkelten Gassen luden uns zum Erkunden ein und der steile
Anstieg raubte uns den Atem.
Aber länger hier verweilen? Nein, eher nicht! Wegen der Nebensaison noch sehr verschlafen und fast alles geschlossen. In der
Hauptsaison vermutlich schrecklich überlaufen. Aber die bunten Häuschen am Berghang und oben thront das Castello ist schon
malerisch.
Um zu unserem nächsten Ziel zu gelangen, schlängelten wir uns Kurve für Kurve die Serpentinen hinauf - gefühlt immer
näher Richtung Himmel. Und dann, ganz plötzlich: ein Schatten neben uns. Ein großer Vogel glitt beinahe auf Augenhöhe
mit uns dahin, als würde er uns ein Stück begleiten.
Als sich die Gelegenheit bot, genauer hinzuschauen, war klar: ein Gänsegeier. Vor allem Hals und Kopf waren unverkennbar. Und wir
mittendrin, quasi in der ersten Reihe. Wow - näher kommt man so einem majestätischen Tier wohl kaum.
Als Frank abends noch einmal mit einer Taschenlampe um unseren Genuss-Bus ging, blieb ihm kurz das Herz stehen. Im Gebüsch leuchteten
ein Paar Augen im Schein der Lampe auf. Was war das? Hoffentlich keine Wildschweine? Zum Glück gab es schnell Entwarnung. Ein leises
Winseln deutete auf einen Hund hin. Und tatsächlich kam plötzlich einer aus dem Gebüsch getrottet und wedelte wild mit dem
Schwanz. Er oder besser gesagt sie umrundete den Genuss-Bus und forderte dann auf dem Rücken liegend einige Streicheleinheiten ein.
Hätten wir mehr Platz gehabt… Naja, ihr könnt es euch wahrscheinlich denken.
Necropoli Sant'Andrea Priu
Über Nacht frischte der Wind immer mehr auf und wurde zu einem ausgewachsenen Sturm mit einigen orkanartigen Böen, die uns
ordentlich durchschüttelten. Leider sollte das Wetter auch den ganzen Tag über so bleiben. Aber wie sagt man so schön:
„Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.“ Und so besichtigten wir die Necropoli Sant'Andrea Priu
halt bei Sturm. Die Anlage ist mit drei Gräbern zwar eher überschaubar, allerdings deuten Bauarbeiten darauf hin, dass weitere
Felsengräber erschlossen werden sollen. Zudem sind die drei Felsengräber anders. Es handelt sich um recht große Exemplare
mit mehreren Kammern. Hier hat man die Möglichkeit in diese hineinzusteigen und genauer zu untersuchen. Dabei fällt auf, dass
die Gräber teils Gebäuden nachempfunden sind. So gibt es beispielsweise Säulen im Hauptraum und die Decke hat die Form
eines Daches inkl. Dachbalken. Aber das dritte und letzte Grab ist das absolute Highlight dort. Das Felsengrab wurde im Laufe der Zeit
mehrfach erweitert und später sogar umgenutzt. So wurde aus dem Grab eine Felsenkirche, die bis heute noch genutzt wird. Im Inneren
findet man daher neben den ursprünglichen Gravuren - im ersten Raum die Dachsparren - auch verschiedene alte christliche
Wandmalereien.
Jetzt hatten wir in kurzer Zeit ganz viel gesehen. Jetzt reicht es mal. Wir wollten nur noch zu unserem nächsten Schlafplatz - dieses
Mal ein Agriturismo bei Alghero - fahren. Aber wenn es schon am Weg liegt, dann kann man doch noch bei den Necropoli di Puttu Codinu
anhalten? Können schon, hatte aber geschlossen. Egal! Über Alghero, wo wir auftankten und einkauften, ging es zu unserem
Campingplatz. Hier wurden wir liebevoll von der Besitzerin begrüßt und konnten den Rest des stürmischen Tages in einem
Gemeinschaftsraum verbringen.
Abends probierten wir leckere sardische Küche mit einem passenden Wein und ließen uns noch zu einer Nachspeise, bestehend aus
sardischen Plätzchen, verführen.
Necropoli di Anghelu Ruju & Nuraghe Palmavera
Da man auf Sardinien praktisch an fast jeder Ecke auf Hinweisschildern zu Necropoli oder Nuraghen stößt, kommt man daran
einfach nicht vorbei. Dass wir an diesem Tag gleich zwei davon mitnehmen würden, war allerdings nicht geplant.
Unweit unseres Schlafplatzes gab es die Necropoli di Anghelu Ruju, eine Ausgrabungsstätte mit mehreren größeren und
kleineren Felsengräbern, die hier in den Boden getrieben worden sind. Auch hier durften wir in die Gräber hinabsteigen und diese
auch von innen bewundern. Schon beeindruckend, mit welcher Präzision diese Höhlen damals ohne moderne Werkzeuge in den Fels
gehauen wurden.
Bereits beim Ticketkauf hatte man uns angeboten, ein Kombiticket zu nehmen und so noch die Nuraghe Palmavera zu besichtigen. Da es
zeitlich passte und auf unserer weiteren Route lag, sagten wir zu und konnten so noch eine weitere archäologische Stätte
besuchen. Diese Nuraghe war von gleicher Bauart aber nur zwei Stockwerke hoch und auch die umliegende Siedlung entsprach nur der ersten
Bauphase - also Rundhäuser mit nur einem Raum. Wir konnten einmal mehr eigenständig durch die Anlage streifen und auf die
Nuraghe steigen.
Schließlich ging es weiter zu unserem heutigen Ziel: Capo Caccia. Das Kap mit stattlicher Steilküste beherbergt gleich mehrere
sehenswerte Grotten. Die offenbar interessanteste ist die Grotta di Nettuno. Vor Ort wurde uns jedoch erklärt, dass die Grotte wegen
des Sturms derzeit nicht zugänglich ist. Verständlich, denn entweder erreicht man sie per Boot oder über eine Treppe, die
sich spektakulär an einer nahezu senkrechten Felswand entlangzieht und direkt auf Meereshöhe endet. Man stellte uns aber in
Aussicht, die Grotte am nächsten Tag besichtigen zu können, sollte der Wind wie vorhergesagt abflauen. Und nun? Ein Blick auf
den Zeitplan und die Karte zeigten, wir haben noch Reserve. Also suchten und fanden wir schnell einen Platz zum Nächtigen und setzten
alle Hoffnung in den kommenden Tag.
Grotta di Nettuno
Die Nacht war noch recht windig, sonst aber so ruhig, dass wir den Ruf einer Zwergohreule hörten - nicht der schlechteste Soundtrack
für die Nacht.
Am Morgen konnten wir es kaum glauben, es war fast windstill. Ein Besuch der Grotte sollte also möglich sein. Oder doch nicht? Am
Ticketschalter erfuhren wir, dass frühestens um 11 Uhr geöffnet wird - und selbst das war noch nicht sicher. Mist. Aber noch
eine Stunde warten und hoffen, das war drin.
Schließlich kam die ersehnte Nachricht. Yes! Wir konnten in die Grotte. Aber offenbar hatte die Hauptsaison eingesetzt oder
zumindest die Osterreisezeit. Der Platz vor dem Ticketschalter füllte sich rasend schnell. Da aber alle noch ihr Foto von der
Küste machen wollten, waren wir die Ersten, die die insgesamt 654 Stufen zur Grotte hinabsteigen konnten. Mit Höhenangst ein
durchaus beklemmender Abstieg. Auf der einen Seite erhebt sich eine senkrechte Felswand und auf der anderen Seite fällt diese ebenso
senkrecht hinab ins Meer. Aber die Szenerie ist so beeindruckend, dass man sich gut damit ablenken kann. So stand Frank einige Minuten
später sichtlich erleichtert vor dem Höhleneingang und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Der Zugang liegt wirklich auf Meereshöhe und noch dazu scheint es eine Verbindung zwischen dem Meer und der Höhle zu geben, denn
im Takt der Brandung - die immer noch beachtlich war - bewegte sich auch im Höhleneingang das Wasser gurgelnd.
Der für normale Touristen zugängliche Teil ist zwar nicht besonders groß, aber extrem beeindruckend. Der Hauptteil der
Grotte gleicht einer Lagune mit glasklarem Wasser und Sandstrand. Aus dem Wasser erheben sich mehrere Tropfsteine, die wie Säulen die
mächtige Höhle stützen. Die Rückwand der Höhle ziert eine Orgel geformt aus Tropfsteinen und von der Decke
hängen Millionen winzige Tropfsteine. All das ist zart illuminiert und schreit förmlich danach, fotografiert zu werden.
Das Warten hat sich einmal mehr definitiv gelohnt.
Castelsardo & Roccia dell'Elefante
Da jedoch die Fähre wohl kaum extra auf uns warten würde, mussten wir heute noch etwas Strecke machen. Unser Ziel war
Castelsardo. Ein kleiner Ort schmiegt sich - ähnlich wie Bosa - an den Hang unterhalb des Castello dei Doria. Ein Spaziergang durch
die Gassen und endlose Stufen (wir hatten ja gerade erst 1.308 hinter uns) hinauf, brachten uns zum Castello. Hier schlenderten wir ein
wenig herum und genossen den Blick über die Küste und hinaus aufs Meer.
Gleich außerhalb der Stadt liegt noch eine weitere etwas ungewöhnliche Sehenswürdigkeit: Roccia dell'Elefante. Wie
der Name nur unschwer erkennen lässt, handelt es sich um einen Felsen in Form eines Elefanten. Aber der fotogene Felsen ist viel
mehr. Er war schon lange vor Christus eine Kultstätte und so weist er mehrere Felsengräber mit den typischen Stierdarstellungen
auf. Und wenn man es geschickt anstellt, kann man einige witzige Fotos mit dem Elefanten machen.
Für die Nacht entschieden wir uns für etwas Spannung und Nervenkitzel. Okay, wir haben es nicht wie andere Camper
übertrieben. Unweit von Castelsardo gibt es eine ehemalige Therme und heiße Quellen. Das Wasser sprudelt auch heute noch mit
bis zu 80°C hervor und ergießt sich in den Coghinas. Um die Quelle herum hat der Fluss dann auch Badewannentemperatur aber wehe man
geht einige Meter weiter, dann wird's doch recht frisch.
Aber was meinen wir jetzt mit Nervenkitzel? Klingt doch alles ganz nett. Das Problem an diesem Ort ist, dass er unterhalb eines Staudammes
liegt. Überall standen Schilder, die vor Flutwellen warnen, die zumeist unangekündigt durch das enge Tal rauschen könnten.
Wir hatten uns deshalb den Parkplatz auf der Südseite herausgesucht, der etliche Meter höher liegt. Andere Camper jedoch sind
auf der Nordseite bis unterhalb der Therme gefahren. Dort steht man kaum einen Meter oberhalb des Flusses.
Und als wir am nächsten Tag dort zumindest für einen kurzen Abstecher hinfuhren, konnten wir deutliche Spuren dieser Flutwellen
erkennen. Und diese zeugen davon, dass das nicht alle paar Jahre mal passiert, sondern doch recht häufig vorkommt.
Santa Teresa Gallura
Nun stand unsere letzte Etappe auf Sardinien an. Von Castelsardo aus ging es weiter Richtung Norden nach Santa Teresa Gallura. Da der Tag
aber noch jung war, wollten wir uns auch etwas ansehen. Dafür bot sich für uns ein Abstecher zum Capo Testa, einer vorgelagerten
Halbinsel, an. Und hier zeigte sich Sardinien nochmal von seiner wilden Seite. Die Halbinsel ist durchzogen von Wanderwegen, die sich
durch bizarre Felsformationen schlängeln und zu versteckten Buchten führen. Der eigentliche Ort? Eher Nebensache.
So kraxelten auch wir über „Stock und Stein“ immer tiefer in das Meisterwerk der Natur hinab. Manchmal wusste man nicht
so recht, wo man zuerst hinschauen soll. Da lag ein witzig geformter Felsen, dort stand einer sehr wackelig auf einem anderen und, ach,
der dort drüben sieht aber auch interessant aus.
Schließlich erreichten wir den Spiaggia Valle della Luna und blickten eine Weile hinaus aufs Meer und sahen den Wellen zu, wie sie
die Felsen umspülten.
Auf dem Rückweg konnten wir schon auf unser nächstes Reiseziel schauen: Korsika. Erstaunt stellten wir fest, dass dort auf einem
Berg noch Schnee liegt. Aber bei einer Höhe von 2.706 m ja auch kein Wunder.
Wieder zurück in Santa Teresa Gallura trieb uns der Hunger in eine kleine Bar, die uns gleich mehrfach überraschte. Mit
Frankreich im Blick gab es leckere italienische Pasta zu spanischer Salsa-Musik. Und dann bekamen wir auch noch eine Zaubershow geboten.
Warten auf die Fährüberfahrt nach Korsika
Für die letzten Nächte auf Sardinien suchten wir uns noch einmal einen Agriturismo - mit WC, Dusche und genug Platz, um Tisch,
Laptop und Kaffeetasse auszubreiten. Arbeiten bei Sonne und frischer Brise - definitiv eine der angenehmeren Varianten.
Dann jedoch die weniger schöne Nachricht. Der Wind hatte über Nacht ordentlich zugelegt und sollte sich weiter zum Sturm
entwickeln. Ergebnis: Fähre gestrichen.
Tja… und nun?
Wir wendeten uns an unseren Anbieter, der offenbar von dem Sturm noch nichts wusste. Aber nach einigen Mails wurde uns unbürokratisch
geholfen und die Buchung auf einen anderen Tag verschoben.
Okay, ein ungeplanter zusätzlicher Tag auf Sardinien. Es gibt wohl Schlimmeres.
Zugabe
Nachfolgend findet ihr zwei Sounddateien. Zum einen die Rufe einer Kolonie Kuhreiher (eigene Tonaufnahme) und zum anderen den Ruf einer
Zwergohreule (Netzfund).
Viel Spaß beim Lauschen.
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