Von Civitavecchia nach Neapel
Nach dem ganzen Luxus auf der MSC freuten wir uns auf die kuschelige Gemütlichkeit in unserer Felía. Voller Erwartungen ging es zunächst wieder an Rom vorbei nach Tivoli, um von dort aus Latium zu verlassen und weiter nach Kampanien zu gelangen.
Tivoli und seine Villen
Die Übernahme unseres Genuss-Buses verlief erfreulich einfach und so konnten wir uns direkt auf den Weg nach Tivoli machen. Tivoli ist vor allem für die Villa Adriana bekannt. Wer jetzt an die Villa eines Schauspielers oder so denkt, liegt falsch. Die Villa - oder besser gesagt eine Stadt am Rand der Stadt - wurde von Kaiser Hadrian als Sommerresidenz errichtet. Heute steht die Palast- und Gartenanlage mit Theater und Wasserspielen zusammen mit zwei weiteren Villen auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe.
Um nach Tivoli zu gelangen, mussten wir ein weiteres Mal an Rom vorbei und prompt lernten wir den römischen Berufsverkehr kennen. Aus der zweispurigen Schnellstraße wurden kurzerhand 4 Spuren gemacht und natürlich wurde jede noch so winzige Lücke genutzt, um hemmungslos die Spur zu wechseln. Wenn wir dabei nicht auf der Strecke bleiben wollten, mussten wir uns dem Fahrstil anpassen. Offenbar sehr zum Missfallen eines anderen Römers. Der ließ nämlich plötzlich mitten auf der Schnellstraße sein Fahrzeug stehen und kam wutentbrannt und wild gestikulierend auf uns zu. Wir konnten nur mit den Schultern zucken, da wir von seinem Redeschwall ohnehin nichts verstanden.
Zum Glück konnten wir das Chaos bald hinter uns lassen und fuhren hinaus Richtung Tivoli. Da man jedoch für Tivoli und die Villen mindestens einen ganzen Tag einplanen sollte, ließen wir zunächst den Ort links liegen und wollten direkt zu unserem Schlafplatz fahren. Auf dem Weg dorthin kommt man aber unweigerlich durch Capranica Prenestina. Dieser komplett untouristische Ort lud uns zu einem kleinen Spaziergang und einer Mittagspause ein.
Dabei empfahl uns der Wirt mit Händen und Füßen und drei Brocken Englisch, wir sollten uns unbedingt auch Santuario della Madonna della Mentorella ansehen. Na, wenn man uns das schon empfiehlt, dann müssen wir doch auch dorthin.
Schon die Fahrt zu der Wallfahrtskapelle ist ein Abenteuer. Die Straße windet sich immer weiter in die Berge hinauf und hinter jeder Kurve kann man unverhofft auf eine Gruppe Kühe treffen, die hier völlig frei die Berghänge abgrasen dürfen.
Am Ende hatte der Wirt nicht zu viel versprochen. Auf einer Klippe hoch über dem Tal erbaut, steht die Kapelle am Ende der Straße. Zu der Kapelle gehört ein winziger Friedhof sowie die Grotta di San Benedetto.
Während einer zunächst ruhigen Nacht, die sich dann aber als ruckelig-zuckelig entpuppte, mussten wir schauen, was sich hier ereignete: Plötzlich war unser Auto umringt von Kühen, die sich an unserem Auto schubberten. Auch Pferde, die frei rumlaufen durften, gesellten sich dazu, wobei eines davon den Regen von der Frontscheibe abschleckte. Das war schon etwas skurril, unsanft vom Schaukeln geweckt zu werden und dann in der Dunkelheit dieses Schauspiel anzusehen 😄.
Am nächsten Morgen wollten wir uns eigentlich Tivoli ansehen. Wetterbedingt wurde daraus aber nichts. Wind und Regen, die noch immer herrschten, veranlassten uns, spontan einen Bürotag einzulegen.
Capranica Prenestina bietet hierfür die nötigen Voraussetzungen. Ein kleines Café versorgte uns mit Strom, Kaffee und Snacks und das Restaurant auf der anderen Seite vom Platz mit leckerem Essen. Es gibt schlechtere Plätze zum Arbeiten.
Der nächste Morgen begrüßte uns dann vielversprechend und so ging es hinüber nach Tivoli. Da die Villa Adriana etwas außerhalb liegt, wollten wir zunächst mit der Villa Gregoriana beginnen.
Dabei ist die Bezeichnung Villa eigentlich irreführend. Zwar stand dort tatsächlich einst die Villa von Manlius Vopiscus. Diese wurde jedoch im Jahr 106 durch eine Überschwemmung des Aniene zerstört. Die Villa Gregoriana wurde auf Initiative von Papst Gregors XVI. im 19. Jahrhundert errichtet und ist eine Parkanlage im steilen Tal des Aniene. Dabei wurden auch die Überreste der ehemaligen Villa freigelegt und integriert.
Heute kann man auf der einen Seite in das Tal mit Wasserfällen hinabsteigen und auf der anderen Seite wieder zu einem Rundtempel hinaufgelangen.
Von dort ging es mitten durch Tivoli hinüber zur Villa D'Este, die vor allem für ihre Wasserspiele bekannt ist. Wegen Wartungsarbeiten waren diese zwar gerade abgestellt, aber auch die Villa selbst ist überaus sehenswert. So wandelten wir durch die Räume und bestaunten die kunstvollen Wandgemälde und schlenderten gemütlich durch die Gartenanlage.
Dann war es aber Zeit, zu Villa Adriana hinauszufahren. Dabei ist die Villa mehr eine eigene Stadt als eine Villa. Kaiser Hadrian ließ zwischen 118 und 134 diese riesige Palastanlage als Sommerresidenz errichten. Mit insgesamt 125 ha war sie eine der größten und aufwendigsten Palastanlagen römischer Kaiser.
Wir tauchten in diese riesige Gartenanlage ein und bestaunten die Ruinen mit zum Teil sehr gut erhaltenen Bodenmosaiken und bewunderteten die Statuen. Dabei kann man schnell vergessen, dass es nur eine Palastanlage war, wenn man an Theatern, Thermen und Tempeln vorbeikommt.
Palazzo Pontificio und Gaeta
Auf unserer Weiterfahrt wartete südlich von Rom ein weiteres Highlight auf uns: Palazzo Pontificio. Für viele wohl besser bekannt unter Castel Gandolfo, die päpstliche Sommerresidenz. Ein Teil der prunkvollen Anlage ist inzwischen für Touristen zugänglich. Neben der Besichtigung von Arbeits- und Audienzzimmern gibt es hier auch eine Galerie mit Bildnissen der verschiedenen Päpste, aber auch so weltliche Sachen wie Fernseher mit DVD-Player und einem Buch mit deutschen Volksliedern.
Mit einem kleinen Stopp in Ariccia - wo wir die von Bernini entworfenen Collegiata di Santa Maria Assunta besichtigten - ging es für uns weiter nach Gaeta. Gaeta liegt etwa auf halber Strecke zwischen Rom und Neapel und ist vor allem bei Einheimischen als Badeort beliebt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich im August die Einwohnerzahl verdreifacht. Dabei sind aber nur etwa 5% der Touristen nicht Italiener.
Uns reizte an dem Ort vor allem Gaeta Vecchio, die Altstadt auf der Landzunge am Fuße des Castello Angioino-Aragonese. Dort kann man ganz entspannt durch enge Gassen schlendern und - wenn man zur Öffnungszeit vorbeikommt - mehrere Kirchen besichtigen. Ansonsten sollte man der Pizzeria del Porto di Carlo Avallone einen Besuch abstatten. Die Tiella in diversen Geschmacksrichtungen sind super lecker und eignen sich perfekt als kleiner Snack zwischendurch.
Laut einem guten Freund soll zudem die Eisdiele Il Molo sehr empfehlenswert sein. Da wir gerade gegessen hatten, ließen wir das Eis ausnahmsweise mal weg. Stattdessen schauten wir im Jachthafen vorbei. Hier sollte schließlich inzwischen unsere wassertaugliche Felía liegen. Und tatsächlich fanden wir das schnittige Boot 😆.
Vesuvio und Umgebung
Manzi Hospitality
Sightseeing, Wandern und immer neue Abenteuer erleben, sind ganz unser Ding. Und wenn wir nur im Urlaub wären, würden wir den Freizeitstress auch mit Freuden 3 Wochen lang durchziehen. Allerdings merkt man auch schnell, dass der Kopf die ganzen Eindrücke nicht mehr aufnehmen kann. Dann ist es Zeit, die Füße hochzulegen und schlicht gar nichts zu tun.
Wie lässt sich das aber mit der Gegend rund um den Vesuv vereinbaren? Dort locken doch Orte wie Pompeji, Neapel und der Vulkan selbst. Ganz einfach: Auf dem richtigen Campingplatz. Der Campingplatz Manzi Hospitality um Emilio und seiner Familie ist genau so ein Ort.
Am Fuße des Vesuvs wurden wir von Emilio und einigen Tieren herzlich empfangen. Die Esel sind total verkuschelt. Die Hunde holen sich ebenfalls bei jeder Gelegenheit ihre Streicheleinheit ab und Emilio ist bemüht, seinen Gästen den Aufenthalt so bequem wie möglich zu machen.
Zu dem Stellplatz mit Stromanschluss gehört ein überdachter Sitzbereich, um zusammenzukommen. Zudem gibt es in einem ehemaligen Stall ein Wohnzimmer mit Billardtisch und Küchenzeile sowie zwei Toiletten mit Duschen.
Bei so vielen Annehmlichkeiten lehnten wir uns einfach mal zurück und genossen die Ruhe und Entspannung. Aber gänzlich untätig rumsitzen geht auch nicht. Der Bericht über die Kreuzfahrt musste fertig werden und der neue Bericht schreibt sich leider - auch in Zeiten von KI - nicht allein. Und dann war da noch das große Projekt: Unsere Homepage sollte endlich auch in Englisch erscheinen.
Also Rechner raus, ab in den Schatten und arbeiten. Und wenn man hier so sitzt und arbeitet oder im „Wohnzimmer“ isst, kommt man sich ganz schnell vor wie bei Pippi Langstrumpf, denn plötzlich stehen die Esel neben dem Tisch.
Und so ganz nebenbei erfuhren wir von Emilio, dass gerade ein Fohlen geboren worden ist. Da ließen wir sofort alles stehen und liegen und liefen hinunter zum Stall. Oh, wie niedlich! Im Streu lag das kleine braune Fohlen neben seiner stolzen Mama. Von Emilio erfuhren wir, dass es bei Arabern normal ist, dass die Eltern weiß sind und die Jungtiere braun. Erst später werden diese ebenfalls weiß.
Als er uns sagte, dass auch die andere Stute trächtig ist und demnächst ein Fohlen bekommen würde, baten wir ihn, uns sofort zu holen. Selbst nachts sollte er uns wecken. Emilio war sichtlich überrascht, dass wir ein derartiges Interesse daran zeigten.
Der Vesuvio
Die Tage vergingen wie im Flug und dann war er da, unser großer Tag. Wir waren jetzt schon ein Jahr unterwegs. Und was haben wir schon alles erlebt auf unserer Reise. Es heißt zwar, man soll auch unbedingt mal zurückschauen, aber genau dieser Blick zurück zeigt uns immer wieder, was noch vor uns liegen könnte.
Für heute lag erst einmal der Vesuv vor uns. Wir wollten unbedingt auf diesen berühmten Vulkan. Dafür gibt es gleich mehrere Möglichkeiten. Man kann natürlich zu Fuß hoch. Allerdings gibt es nur einen Zugang und der Weg dorthin führt die Zufahrtsstraße hinauf mit unglaublich viel Verkehr. Also weder landschaftlich schön noch angenehm zu laufen.
Alternativ geht es mit dem Auto bis zu einem Parkplatz und dann weiter mit einem Shuttle bis zum Eingang. Aber dann kann man es sich gleich einfach machen und lässt sich komplett fahren.
Wir nutzten letztere Variante und ließen uns durch den Touranbieter Vesuvio Express die schmale und steile Zufahrt hinauffahren bis zum Eingang. Der Vorteil dabei ist, man hat auch gleich Eintrittskarten, die im Internet nur schwer zu bekommen sind.
Vom Eingang aus führt dann ein staubiger Pfad die letzten 200 Höhenmeter hinauf zum Kraterrand und bietet bereits einen tollen Blick über Neapel. Und ja, durch die Möglichkeit, bis kurz vor den Gipfel fahren zu können - bzw. zu müssen -, ist der Vesuv leider sehr touristisch. Müsste man die gesamte Strecke laufen, wäre sicher deutlich weniger los.
Da der Vesuv keinen Kratersee oder gar einen Lavasee hat, ist der Blick in die Kaldera weniger beeindruckend als bei anderen Vulkanen. Gleichwohl sind die schroffen Felswände und der Blick über Neapel, Pompeji und das Meer spektakulär und einen Besuch wert. Und wer aufmerksam ist, wie wir, kann auch hier und da Rauchschwaden aufsteigen sehen. Der Vesuv ist eben doch ein aktiver Vulkan.
Napoli
Aber auch der nahe gelegenen Stadt Neapel wollten wir einen Besuch abstatten. Im Rahmen der Kreuzfahrt hatten wir nicht alle Sehenswürdigkeiten geschafft. Zudem gibt es in Neapel, aufgrund seiner Geschichte gleich sieben verschiedene Untergrundtouren - so genannte Sotterranea.
Von unserem Campingplatz aus ist es nicht weit bis zur Bahnstation, die eine direkte Anbindung nach Neapel bietet. So ist man ohne viel Aufwand zügig in der Stadt und muss noch nicht einmal einen Parkplatz suchen.
Von den Stationen Garibaldi oder Porta Nolana kann man wunderbar in die Innenstadt schlendern und dabei das echte Leben der Neapolitaner kennenlernen. Unterwegs entdeckten wir dabei auch noch die weniger bekannte Basilica della Santissima Annunziata Maggiore.
Wenige Gehminuten später erreichten wir SpaccaNapoli, die Altstadt von Neapel und das touristische Zentrum. Hier reihen sich Souvenirgeschäfte, Restaurants, Bars und Sehenswürdigkeiten aneinander und buhlen um die Aufmerksamkeit der zahllosen Touristen.
Zwei der Sehenswürdigkeiten wollten wir besondere Aufmerksamkeit schenken. Zum einen La Neapolis Sotterrata - Complesso Monumentale San Lorenzo Maggiore. Die Anlage besteht oberirdisch aus einem ehemaligen Kloster und der Basilica San Lorenzo Maggiore und unterirdisch aus einigen Ausgrabungen antiker Straßenzüge inkl. Geschäften und einem kleinen Markt.
Und zum anderen - quasi gleich gegenüber - Napoli Sotterranea, mit einer Führung durch die antiken Zisternen, welche im 2. Weltkrieg als Bunker umfunktioniert wurden. In der Hauptsaison sollte man beide Touren möglichst vorbuchen.
Als wir uns schließlich wieder auf den Weg zurück machen wollten, erreichte uns die für uns ärgerliche Nachricht: Das zweite Fohlen ist geboren worden. Schade, wir waren nicht dabei. Aber kaum am Campingplatz angekommen, ging es direkt zum Stall, um einen Blick auf den süßen, kleinen Hengst zu werfen.
3 Tage Pompei
Der Vesuv ist nicht umsonst weltweit bekannt. Immerhin hat er einer der heute berühmtesten Orte verschüttet: Pompeji. Nach jahrzehntelangen mühevollen archäologischen Grabungen kann man inzwischen auf einem großen Gebiet viele der Häuser, Straßen und Villen besichtigen.
Genau wie viele andere Touristen, wollten auch wir in diese faszinierende Ausgrabungsstätte eintauchen. Da Pompeji aber aus mehr als dem Hauptbereich besteht, entschieden wir uns gleich für das Grande Pompei Ticket. Dieses beinhaltet neben Pompeji selbst eine nahegelegene Villa, sowie weitere Ausgrabungen in Oplontis, Stabia und Boscoreale.
Das Ticket beinhaltet eigentlich auch einen Shuttleservice zwischen den Arealen. Leider mussten wir jedoch feststellen, dass der Service lückenhaft und nicht besucherfreundlich ist. Lediglich Oplontis und Boscoreale werden von Pompeji angefahren, sind aber auch ohne Weiteres mit dem Zug erreichbar. Die Villen in Stabia hingegen werden von Pompeji aus gar nicht angefahren. Hier muss man zwingend mit dem Zug fahren. Erst vom dortigen Bahnhof aus fährt ein Shuttle die drei Stationen an. Allerdings auch nur viermal am Tag.
Schade eigentlich, denn die Villen und Museen sind ebenfalls sehr sehenswert. Was uns zwar nicht störte, aber dennoch unverständlich erschien: Das Grande Pompei Ticket ist ein 3-Tages-Ticket. Es gilt aber auch nur an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Somit ist man gezwungen, drei Tage in Folge Pompeji zu besichtigen. Ein Pausentag ist einfach nicht drin.
Parco Archeologico di Pompei
Wer mit dem Zug anreist und in Pompei Santuario aussteigt, dem sei eines geraten. Die Touranbieter, denen man kurz vor Pompeji begegnet, kann man getrost ignorieren. Sie versuchen einen mit dem Spruch "This is not the mainentrance." zu verunsichern. Falsch ist die Aussage zwar nicht, aber der nächstgelegene Eingang ist ein „Eingang“ den jeder Besucher nutzen kann und man kann dort Tickets und einen Audioguide erwerben. Und das Beste: Hier ist es weniger voll als am Haupteingang. Dieser liegt ein paar hundert Meter weiter und bietet neben einem Bahnhof auch gleich PKW- und Bus-Parkplätze. Somit ist es dort entsprechend voll.
Wir können den Eingang „Amphitheatre“ wärmstens empfehlen. Hier steht man weniger an und am Bahnhof Pompei Santuario gibt es keine oder zumindest deutlich seltener Taschendiebstähle als am extrem belebten und vollen Pompei Scavi.
Kaum hatte der Park geöffnet, konnten wir an der Tageskasse das 3-Tages-Ticket erwerben und Pompeji betreten. Gleich hinter dem Eingang erhebt sich das namensgebende Amphitheater. Vom Amphitheater aus wendet man sich nach links und gelangt in die Via di Castricio. Gleich am Beginn steht der Palestra Grande, wo die schaurige Seite Pompejis ausgestellt ist. In mehreren Glasvitrinen sind die getöteten Bewohner angeordnet. Diese wurden beim Ausbruch des Vesuvs komplett verschüttet. Anschließend verwesten die Leichen und bildeten Hohlräume in der mächtigen Ascheschicht. Diese Hohlräume wurden bei Ausgrabungen entdeckt und mit Gips gefüllt. So blieben die Körper erhalten und konnten freigelegt werden.
Somit sind nicht nur die Skelette erhalten geblieben, sondern quasi der komplette Körper inkl. Kleidung, vereinzelt sogar noch die Zähne. Es wird aber ausdrücklich darum gebeten, den Toten mit Respekt zu begegnen und sich ruhig zu verhalten. Lautere Gespräche werden umgehend unterbunden.
Während wir weiter durch Pompeji liefen, überraschte uns wiederholt der Erhaltungszustand der Ruinen. Hier kann man nicht nur Mauerreste bestaunen, sondern fast vollständig erhaltene Verkaufstheken, Marmortische und Wasserbecken. Zudem finden sich wundervolle und aufwendige Fußbodenmosaike sowie farbenprächtige Wandmalereien.
Wenn man so durch die Gassen mit ihren Brunnen schlendert, geht einem manchmal die Fantasie durch und man kann sich nur zu gut vorstellen, wie das Leben damals gewesen war.
Wir könnten hier noch viele Zeilen verfassen über die einzelnen Abschnitte, Villen und Tempel oder darüber, wie wir uns gefühlt haben, aber das würde bei weitem den Rahmen des Beitrags sprengen. Ebenso könnten wir locker hundert Bilder einfügen, aber lieber möchten wir jedem raten, Pompeji mal selbst zu besuchen. Es ist unglaublich spannend in diese geschichtsträchtige Ausgrabungsstätte einzutauchen.
Und wer nicht gleich 3 Tage investieren möchte, dem empfehlen wir das Pompei Plus Ticket. Dieses enthält die Villa dei Misteri, welche am Rande der Ausgrabungsstätte liegt. Sie ist unabhängig von Pompeji nicht zu besuchen, aber mit ihren Wandbildern ungemein sehenswert.
Oplontis und Stabia
Wer mehr Zeit hat, sollte sich den Pompeji-Marathon antun. Die Villen in Oplontis, Boscoreale und Stabia sowie zwei Museen sind ebenfalls einen Besuch wert.
Für den zweiten Tag hatten wir uns für Oplontis und Stabia entschieden, da uns die Philosophie des Shuttleservices nicht bekannt war.
Vom Haupteingang Pompejis ging es gleich mit dem ersten Shuttlebus hinaus nach Oplontis. Der Fahrer informierte uns noch kurz, dass er uns in 45 Minuten wieder abholen würde. Genug Zeit, um die Villa di Oplontis zu besichtigen. Auch hier gibt es viele gut erhaltene Wandmalereien und sogar einige Statuen zu sehen.
Pünktlich um 10:45 Uhr war der Fahrer zurück. Als wir ihm jedoch mitteilten, dass wir jetzt nach Stabia wollten, verwies er uns auf den nahegelegenen Bahnhof. Offensichtlich fuhr er nicht nach Stabia. Was nun? Uns blieb nichts anderes übrig, als mit dem Zug nach Stabia zu fahren. Aber wie kommt man vom Bahnhof zu den Villen? Quasi gar nicht. Der Shuttle fährt von einem anderen Bahnhof und auch nur um 11, 14, 16 und 18 Uhr. Es blieb uns nichts anderes übrig, als zu laufen.
Ebenso kommt man von der einen Villa zur nächsten am einfachsten zu Fuß, es sei denn, man erwischt gerade den Shuttle. Das Museum wiederum ist schon ein gutes Stück weg. Deshalb wollten wir, wenn schon nicht den Shuttle, wenigstens den Bus nehmen. Haltestellen erkennt man zwar durchaus, allerdings hängen nirgends Fahrpläne aus. Liegt vermutlich daran, dass es sich dabei nur um ungefähre Angaben handeln würde. Zum Glück gibt es aber Apps und Google Maps, die neben der Linie auch die ungefähre Abfahrtszeit angeben.
Also sollte es doch gar kein Problem sein. Denkste! Wir lieben die deutsche Genauigkeit. In Italien ist selbst auf die App kein Verlass. Wir warteten auf die Linie 307, welche laut App in ein paar Minuten kommen sollte. Doch plötzlich hieß es, der Bus sei bereits abgefahren. Äh, wie? Welcher Bus? Der einzige Bus, der vorbeikam war die Linie 310. Und nun? Noch einmal eine halbe Stunde warten? Nein, dann lieber zu Fuß. Sind ja nur ca. 2,5 km.
Unterwegs wurde uns dann eines klar. Linie 307 gibt es nicht mehr. Es ist jetzt Linie 310. Steht halt nur nirgends. Aber was soll's, ein Spaziergang bei rund 30°C im Schatten ist doch eine echte Wohltat. Da kommt ein Stand mit Zitronenlimonade genau richtig. Die Limo ist aber eher ein Limonensorbet und unfassbar erfrischend. So schafften wir auch das letzte Stück bis zum Museum.
Nach dem Besuch des Museums hatten wir dann tatsächlich das Glück, den Shuttle zu erwischen. Dieser brachte uns zurück zur Bahnstation, sodass wir glücklich, zufrieden und etwas erschöpft zum Campingplatz zurückkehren konnten.
Boscoreale
Jetzt war nur noch Boscoreale übrig. Statt auf den Shuttle zu setzen, fuhren wir direkt nach Boscoreale und liefen das kurze Stück zu der Villa mit angeschlossenem Museum.
Neben gut erhaltenen Mosaiken und Wandbildern gibt es hier auch Abgüsse von Haustieren wie Schweinen und Hunden sowie Überreste eines aufwendig verzierten Karren.
Nach einem Abstecher zum Supermarkt ging es dann etwas früher zurück, um endlich mal wieder die Füße hochlegen zu können. Immerhin sollte es am nächsten Tag gleich weitergehen.
Ercolano
Nach drei Tagen voller „alter Steine“ sollte man meinen, wir haben genug. Und ja, eigentlich wäre jetzt mal eine Pause wieder ganz schön gewesen. Und warum haben wir keine Pause eingelegt, obwohl wir doch genug Zeit haben? Weil heute der 2. Juni war. Der 2. Juni ist in Italien ein Feiertag und ausgerechnet an diesem Tag kann man Geld sparen. Perfekt für uns. Das Herkulaneum ist an diesem Tag nämlich kostenfrei.
Herkulaneum ist das „kleine Pompeji“. Da Herkulaneum mitten in einem Wohngebiet liegt, musste es unmittelbar aus der Vulkanasche herausgegraben werden. Somit liegt der Eingang heute gut 10 Meter über dem alten Straßenniveau, was einem die Möglichkeit gibt, von oben auf den kleinen Ort zu blicken. Das gab uns noch einmal eine ganz andere Perspektive und einen besseren Überblick über die Szenerie.
Im Grunde gibt es hier nichts anderes zu sehen als in Pompeji, allerdings ist es weniger überlaufen, ist weniger weitläufig und an manchen Stellen sind noch die verkohlten Holzbalken zu sehen.
Herkulaneum war ursprünglich ein Küsten- und Fischerort. Heute liegt es durch den Ausbruch des Vesuvs gut 500 Meter von der Küste entfernt. Seinerzeit waren am flachen Sandstrand gewölbte Lager- und Bootshäuser errichtet. Sie dienten Hunderten Bewohnern im Moment des Ausbruchs als letzter Zufluchtsort. Leider vergebens. Heute ist es ein schauriger Ort, wo man die Skelette der Bewohner besichtigen kann.
Unser Fazit: Auch Herkulaneum ist unbedingt ein Besuch wert.
Napoli
Fortsetzung folgt…
Wenn euch unsere Homepage gefällt und ihr gerne mehr Beiträge lesen wollt, würden wir uns freuen, wenn wir durch eure Unterstützung die Homepage mit weiteren Reiseerlebnissen füllen können.
Trinkgeld geben per PayPalKommentare
Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird selbstverständlich nicht veröffentlicht.