Auf geht es zur Stiefelspitze

Jetzt hatten wir reichlich Zeit im Inland von Italien verbracht und steuerten nun wieder die Küste an. Das Vallo di Diano verließen wir bei Maratea und wendeten uns gen Süden.
Wegen unseres ungeplanten, aber schönen Abstechers in das Tal, mussten wir uns entscheiden. Nehmen wir einen größeren Umweg in Kauf, um einige sehenswerte Orte anzufahren oder eben nicht. Schweren Herzens verzichteten wir auf den Umweg. Wir wollten endlich Sizilien erreichen.
Dennoch gab es noch einiges zu erkunden und Langeweile kam nicht auf.

Kalabriens Westküste - kleine Orte, malerische Strände und klares Wasser

Die nächsten Tage fuhren wir die beeindruckende Westküste Kalabriens entlang. Außerhalb der Orte, die sich hier gleich einer Perlekette die Küste entlangziehen, findet man noch einsame Strände. Ansonsten schießen überall Strandbars aus dem Boden und die Hotels haben ihre Privatstrände. Dort reihen sich dann Schirme und Sonnenliegen feinsäuberlich ausgerichtet aneinander.
Aber der Andrang ist verständlich. Das kristallklare Wasser mit Temperaturen über 25°C wirkte auch auf uns verführerisch.

Als wir endlich wieder das Mittelmeer erreichten, bezogen wir sogleich unseren Schlafplatz auf den Klippen zwischen Maratea und Marina di Maratea. Wir hatten uns den Platz wegen eines schwarzen Strandes ausgesucht.
Und tatsächlich liegt gleich unterhalb der Klippe ein Strand aus schwarzen feinen Kieseln. Leider ist fast der gesamte Strand in privater Hand und der Zugang nur gegen Gebühr und Nutzung von Schirm und Liegen möglich. Nur die hintere Ecke kann von jedermann genutzt werden.
Doch zunächst war uns der Abstieg angesichts der Temperaturen einfach zu anstrengend. Immerhin müssten wir ja die Stufen wieder hinaufsteigen. Aber ein Kaffee und ein Kaltgetränk wären jetzt genau richtig. Allerdings schreckten uns 2,50 € bzw. 5 € dann doch ab. Wer bezahlt denn derartige Preise?
Was soll's, direkt am Parkplatz fanden wir einen Tisch mit Bänken und konnten dort den Tag ausklingen lassen.
Doch als der Sonnenuntergang näherrückte, zog es uns hinab an den Strand. Ganz verwundert stellten wir fest, dass dieser inzwischen komplett verwaist war. So hatten wir den Strand und den Sonnenuntergang ganz für uns allein.
Fast schon filmreif plätscherten die Wellen an den Strand, während die Sonne im Meer versank. Der Sonnenuntergang hätte kitschiger nicht sein können.

Am nächsten Morgen gab es dann eine Premiere. Jetzt sind wir schon einige Zeit die Küste Italiens entlang gefahren und hatten einige der schönsten Strandabschnitte gesehen, aber im Wasser waren wir bisher noch nicht.
Lange bevor die ersten Tagesgäste auftauchten, tauchten wir ab 😁. Schon am frühen Morgen war das Mittelmeer erfreulich erfrischend und am liebsten hätten wir das Wasser gar nicht verlassen.
Pünktlich, als die ersten Autos eintrafen, verließen wir den Ort und fuhren weiteren Abenteuern entgegen.

Paola

Sicher haben all die Orte auf unserer Strecke etwas zu bieten, aber leider waren sie auch stark vom Tourismus überlaufen. Daher legten wir erst in Paola einen Stopp ein. Die Altstadt lockte uns mit kleinen Gassen, mehreren Kirchen und dem Monumentalbrunnen Largo sette canali.
Eine Besichtigung der Kirchen war uns zwar nicht vergönnt, da alle geschlossen waren. Dennoch war es eine nette Abwechslung durch die Gassen zu schlendern. Vor allem, weil hier keine Touristen unterwegs waren. Auf dem Rückweg zur Porta „San Francesco di Paola“ kamen wir auch am Largo sette canali vorbei. Der Brunnen begrenzt einen kleinen Platz und besteht aus einem Brunnen mit dem Bildnis von San Francesco sowie sieben Trinkwasserfontänen die mit kirchlichen Motiven versehen sind.
Nun war es Zeit, den Ort aufzusuchen, den man in Paola auf gar keinen Fall verpassen sollte: Das Santuario di San Francesco da Paola. Die heutige Klosteranlage geht natürlich auf den wohl berühmtesten Sohn der Stadt - Franz von Paola - zurück.
Die Quellen lauten recht unterschiedlich. Fest steht nur, dass Franz - nach einer Wunderheilung als Kind - im Alter von 13 oder 14 Jahren sich in die Berge zurück zog und als Einsiedler in einer Höhle lebte. Von seiner frommen und asketischen Lebensweise angezogen, scharten sich weitere Personen um ihn. Daraufhin wurde eine erste Kapelle errichtet und der Orden der „Mindersten Brüder“ (Paulaner) gegründet.
Aufgrund verschiedener Wunderheilungen durch Franz und der spirituellen Kraft, die von der Gemeinschaft ausging, wurde auch der Papst auf ihn aufmerksam und Papst Paul II. leitete die Anerkennung des Ordens ein. Dies führte zum Bau diverser Klosteranlagen. Bereits 12 Jahre nach seinem Tod wurde Franz von Paola durch Papst Leo X. heilig gesprochen. Heute kann man sich eine reichverzierte Kapelle sowie einen Teil des Klosters inkl. der Höhle des Einsiedlers kostenlos anschauen.
Direkt neben dem Kloster besichtigten wir auch die neue und sehr moderne Basilika. Diese bricht praktisch in allen Bereichen mit dem üblichen Raumkonzept einer Kirche. Es gibt kein Kirchenschiff und keine Seitenschiffe. Der Altar steht nicht am Kopfende sondern seitlich in der Mitte. Nischen mit heiligen Bildern oder Statuen sucht man ebenfalls vergeblich. Dadurch wirkt die Basilika fast schon steril.

Tropea - Tuffsteinfelsen, Zwiebeln und Wallfahrtskirche

Wer - wie wir - Kalabriens Westküste besucht, kommt um Tropea nicht herum. Zwar ist der Ort und damit der gesamte Strandabschnitt stark überlaufen, aber schon die Anfahrt ist beeindruckend.
Entlang endloser Strände mit türkisblauem und kristalklarem Wasser fuhren wir Tropea entgegen und durchquerten dabei ein Gebiet, das für seine süßlichen roten Zwiebeln, die „Cipolla Rossa di Tropea IGP“, bekannt ist. Kurz vor dem Erreichen der Stadt fingen wir dann einen ersten sensationellen Blick auf Tropea ein. Die Altstadt thront hoch oben auf einem Tuffsteinfelsen über dem Tyrrhenischen Meer. Dann holte uns die Realität ein.
Jedes Fleckchen Schatten und jeder freie Parkplatz war belegt von Touristen und Strandgästen. Im Schritttempo ging es die Straße entlang, um Personen und falsch parkenden Autos auszuweichen. Erst direkt unterhalb des Highlights der Stadt, dem Santuario di Santa Maria dell'Isola di Tropea, fanden wir einen Parkplatz.
Der Parkplatz grenzt zwar direkt an die Altstadt, liegt aber bedauerlicherweise am Fuße des Tuffsteinfelsens. Also hieß es für uns, wie auch für viele andere Touristen, Treppen steigen. Bei sommerlichen Temperaturen ist der Aufstieg durchaus schweißtreibend. Somit stellte sich uns unweigerlich die Frage, warum derart viele Touristen ein Hotel in der Altstadt nehmen? Der Weg hinab zum Strand ist okay. Aber anschließend geht es wieder hinauf. Von der Erfrischung im Meer bleibt da sicher wenig übrig.
Egal, wir wollten hier nicht im Hotel einchecken, sondern lediglich durch die Altstadt schlendern. Auf der Via Umberto I ging es vor bis zur Chiesa di San Michele bevor wir es den restlichen Touristen gleichtaten und durch die Corso Vittorio Emanuele flanierten.
Um zumindest kurz der Hitze zu entfliehen, ließen wir uns in einem kleinen Lokal nieder und bestellten - natürlich - ein Insalata Tropeana, dessen Hauptzutat die Cipolla Rossa di Tropea ist. Genau das richtige bei den Temperaturen.
Anschließend zogen wir weiter zur Cattedrale di Maria Santissima di Romania und der Terrazza panoramica cattedrale di Tropea. Von dort aus schlängelten wir uns durch einige Gassen, die von Touristen offenbar nie besucht werden. Hier ging es bedeutend ruhiger zu und wir hatten die Muße, die Gebäude genau zu betrachten.
Wenn man jedoch in Tropea ist, darf ein Foto vom Affaccio del Corso nicht fehlen. Von dort hat man einen fantastischen Blick auf die Strände und das kristallklare Meer. Und der Blick wird wundervoll ergänzt durch das Santuario di Santa Maria dell'Isola di Tropea auf dem Felsen im Meer. Und genau dort wollten wir jetzt hin.

Bedauerlicherweise gibt es aber keine Brücke, die hinüberführt. Also mussten wir als erstes wieder komplett hinabsteigen und im Anschluss wieder einige Stufen hinaufsteigen. Gegen eine kleine Eintrittgebühr von 3 € durften wir dann bis hinauf zur malerischen Wallfahrtskirche und der Aussicht auf die Sandstrände. Bei klarer Sicht kann man von hier auch den Stromboli erspähen.
Die Ursprünge des Santuario di Santa Maria dell'Isola di Tropea gehen bereits auf das Mittelalter zurück, wo der Sandsteinfelsen auch noch eine Insel - dell'Isola - war. Heute ist die Wallfahrtskirche das unbestrittene Wahrzeichen der Region und der „Costa degli Dei“.

Zwischen Vorfreude, Landleben und Fährsuche

Von Tropea ist es nun nicht mehr weit und wir hatten die Stiefelspitze Italiens erreicht. Vor uns lag nun ein längerer Abstecher nach Sizilien. Gerade in den letzten Wochen hatten so viele andere Touristen von der Insel geschwärmt, dass unsere Erwartungen entsprechend hoch waren.
Jetzt mussten wir nur noch hinübergelangen. Unsere erste Anlaufstelle war Reggio Calabria, dem Hauptort an der Stiefelspitze. Im Hafen wurden wir zwar nicht unbedingt fündig, aber zumindest schlauer. Zwar fahren von hier Fähren nach Sizilien. Allerdings handelt es sich nur um eine Personenfähre und einer gewerblichen Fähre, ausschließlich für LKWs. Um mit einem privaten Fahrzeug übersetzen zu können, muss man nach Villa San Giovanni fahren.

Agriturismo Rudì

Ausgestattet mit allen notwendigen Informationen und voller Vorfreude auf Sizilien zogen wir uns aber noch einmal etwas ins Hinterland zurück. Ziel war das Agriturismo Rudì. Die Betreiber haben hier, ca. 250 m über Reggio Calabria am Hang einer Schlucht ein kleines Refugium erschaffen. Zwischen Olivenhainen, Weinreben und anderem Obst und Gemüse wurde ein kleiner gemütlicher Campingplatz eingerichtet und es stehen ein paar Zimmer zur Verfügung.
Auf Wunsch kann man dort auch ein Abendessen reservieren. Dann wird man mit einem mehrgängigen Menü aus lokalen Spezialitäten verwöhnt und darf dazu mit einem leckeren Wein auf den Abend anstoßen. Aber Vorsicht: Es wird Teller um Teller und Leckerei um Leckerei serviert. Und leider ist es auch noch verdammt lecker. Also hungrig geht man sicher nicht zu Bett.

Es geht nach Sizilien

Nach diesem schönen Erlebnis fuhren wir voller Vorfreude nach Villa San Giovanni. Der Hafen war nicht schwer zu finden und um kurz vor 9 Uhr standen wir ganz vorne in der Reihe und hatten unsere Fährtickets nach Sizilien in der Hand. Allerdings sollte die Fähre erst in fast einer Stunde fahren. Genug Zeit für „un Caffè, per favore“. Denkste! Kaum hatten wir es uns etwas gemütlich gemacht, wedelte draußen ein Mitarbeiter wild mit der Hand. Offenbar sollte das Boarding beginnen. Also schnell die Tasse leeren und bitte nicht die Sonnenbrille vergessen und schon fuhren wir auf die Fähre nach Sizilien.

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