Sizilien - Inselmodus aktiviert
Teil 1 - Zwischen Ätna und Meer
Lange hatten wir darauf hingefiebert, nun sollte es endlich soweit sein. Wir wollten mit Felía nach Sizilien übersetzen.
Was wird uns dort erwarten? Bekommen wir einen Inselkoller? Was schauen wir uns überhaupt an?
Fragen über Fragen und wir hatten nur eine Antwort: „Erst mal hin und genießen, was kommt.“
Messina - Das Einfallstor nach Sizilien
Die Überfahrt von Villa San Giovanni nach Messina dauerte kaum eine halbe Stunde. Wir hatten noch nicht einmal Zeit, die wirklich bequemen Sessel zu genießen oder uns das reichhaltige Angebot der Bar genauer anzusehen.
Eigentlich verwunderlich, dass diese Fähre derart gut ausgestattet ist.
Andererseits gab es uns genügend Zeit, um Messina ausgiebig zu erkunden. Da zudem der Hafen direkt bei der Altstadt liegt, mussten wir nach dem Verlassen der Fähre nicht lange nach einem Parkplatz suchen. Und dann tauchten wir in das sizilianische Inselleben ein.
Nur ein paar Straßenecken weiter erreichten wir die Piazza del Duomo - das historische, kulturelle und religiöse Zentrum der Stadt. Hier erhebt sich die Basilica Cattedrale Santa Maria Assunta. Sie stammt ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert. Leider wurde sie wie auch die meisten anderen Gebäude in Messina beim Erdbeben von 1908 stark beschädigt. Zum Glück erfolgte ein originalgetreuer Wiederaufbau. Und ja, die Basilika ist wirklich sehenswert, aber das eigentliche Highlight ist der Glockenturm. Er besitzt die größte mechanische und astronomische Uhr der Welt und täglich um 12 Uhr startet eine 12-minütige mechanische Show mit sich bewegenden Figuren, einem brüllenden Löwen und einem krähenden Hahn.
Da wir jedoch nicht extra mehrere Stunden hier warten wollten, haben wir diese Show verpasst.
Eine weitere Kuriosität auf diesem Platz wollen wir aber auch nicht außer Acht lassen, denn der beeindruckende Brunnen „Fontana di Orione“ aus dem Jahr 1553 wurde von Angelo Montorsoli - einem Schüler Michelangelos - erschaffen. Der Brunnen hat wie durch ein Wunder das große Erdbeben überstanden.
Uns zog es weiter durch die Stadt. Vorbei an prächtigen Fassaden alter Palazzi ging es zur Marina von Messina, wo der Fontana di Nettuno vor dem prachtvollen Palazzo del Governo steht.
Von hier aus bietet sich zudem ein schöner Blick über die Meerenge zum italienischen Festland, vor allem von der schattigen Passeggiata a Mare Messina.
Doch schon bei der Fährüberfahrt hatten wir eine weitere Kirche gesehen und genau da wollten wir jetzt hin. Um die Tempio di Cristo Re zu erreichen ging es wieder ein Stück zurück, bevor wir einige Treppen hinaufsteigen mussten. Endlich oben angekommen, mussten wir enttäuscht feststellen, dass wir die Öffnungszeit nur um Minuten verpasst hatten. So blieb uns nur ein Blick von außen auf das - für eine katholische Kirche - ungewöhnliche Bauwerk. Wir trösteten uns mit dem Blick von der Terrasse über die Stadt hinaus auf die Meerenge sowie hinüber zur Parrocchia Santuario di Santa Maria di Montalto.
Da aber auch diese Kirche bis zum späten Nachmittag geschlossen ist, entschieden wir uns für den Abstieg zurück in die Altstadt. Erschöpft und durstig ließen wir uns in einem kleinen Caffè neben der Universität von Messina nieder und planten den restlichen Tag.
Das Internet empfahl uns dabei unbedingt einen Abstecher in die Galleria Vittorio Emanuele III zu unternehmen. Das prächtige Gebäude erinnert stark an die gleichnamige Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand. Nur leider wirkt die in Messina vollkommen verlassen. Außen gibt es noch einige kleine Geschäfte aber im Innern ist alles geschlossen. Eigentlich sehr schade, da man hier sonst wunderbar im Schatten shoppen könnte.
Da wir uns entschieden hatten, als nächstes den Ätna besuchen zu wollen, zogen wir uns auf einen interessanten Agritourismo bei Letojanni zurück. Vielleicht sollte man den Platz lieber als Community bezeichnen. Betrieben wird er von ein paar „Aussteigern“, die sich hier in mühevoller Handarbeit ein kleines Refugium geschaffen haben. Die Hanglage bietet Platz für vielleicht zwei oder drei kleine Camper. Geboten wird nicht viel. Eine Komposttoilette, Kaltwasserdusche bzw. Heißwasserdusche (Solar) und wenn man Glück hat einen einzigen Stromanschluss. Dafür darf man aber selbst entscheiden, was man pro Nacht bezahlen möchte.
Wir fanden den Platz trotzdem wundervoll und blieben gleich zwei Nächte. So konnten wir die notwendige Büroarbeit erledigen und die nächsten Tage planen.
Erst Meer, dann Magma - Von Taormina zum Ätna
Taormina - Die Perle Sizilens?
Schon während unserer Recherche zum Ätna hatten wir erfahren, dass der Ätna mal wieder gezeigt hat, dass er zurecht zu den aktivsten Vulkanen der Welt zählt. Ende Juni / Anfang Juli ereigneten sich einige Eruptionen in der komplexen Gipfelregion und führten zu einem Lavastrom, strombolianischen Ausbrüchen und Aschewolken.
Zur Sicherheit wurde der Besuch der Krater stark eingeschränkt. Dennoch sollte es möglich sein, geführte Touren am Ätna unternehmen zu können.
Doch bevor es hinauf in die wilde Welt des Vulkans gehen sollte, wollten wir in die „Perle Siziliens“ - Taormina - eintauchen. Taormina ist unbestritten die touristischste und damit auch teuerste Stadt auf Sizilien. Sie lebt von den Kontrasten aus antikem Theater, türkisblauem Wasser und dem Blick auf den rauchenden Ätna.
Auch wenn der Ort nicht ganz zu unserem Budget passt und wir derartige Touristenhochburgen eher meiden, ist Taormina dennoch ein Muss.
Aber von Anfang an. Die Betreiber unseres letzten Schlafplatzes hatten uns empfohlen, außerhalb von Taormina zu parken und mit dem Bus hineinzufahren. Das ist auf jeden Fall eine gute Idee, denn Parkplätze sind rar und Fahrzeuge ab 1,90 m Höhe werden gerne als Bus betrachtet und bei den Parkgebühren abgezockt.
Allerdings sollte man ganz viel Ruhe, Geduld und Akzeptanz mitbringen. Eigentlich fahren ab Letojanni gleich zwei Buslinien nach Taormina und das auch noch recht regelmäßig. Allerdings gelten Abfahrtszeiten in Italien nur als grobe Orientierung und dürfen keinesfalls ernst genommen werden. Zudem kann man gerade hier einen wesentlichen Fehler begehen. Im Café bei der Bushaltestelle kann man jederzeit Bustickets erwerben. Sogar ohne Aufpreis! Wir können das aber nicht empfehlen. Die Tickets gelten ausschließlich für den Interbus, was uns bei der Wahl des Busses etwas eingeschränkt hat. Zudem kann man die Tickets auch direkt beim Fahrer kaufen.
Außerdem sind die Fahrer zwar auskunftsfreudig, aber scheinbar nicht sehr ehrlich. Der eine Fahrer schickte uns weg, weil wir das falsche Ticket hatten, der nächste behauptete, er würde nicht nach Taormina fahren. Als wir den dritten Fahrer befragten, erhielten wir die Auskunft, alle Busse fahren nach Taormina.
Egal, wir sind extra früh aufgestanden, um nicht in der Mittagshitze durch Taormina zu schlendern und waren schon um kurz nach 8 Uhr an der Bushaltestelle. Aber erst um kurz vor 10 Uhr saßen wir endlich im richtigen Bus und fuhren unserem Wunschziel entgegen. Nur gut, dass wir in Rom das Warten gelernt hatten 🤣.
Taormina selbst teilt sich dann in drei wesentliche Teile auf. Beginnend mit dem Strand und der Isola Bella über die am Hang gelegene touristische Altstadt bis hinauf zum antiken Castello di Taormina.
Wir starteten mit der Altstadt und betraten diese durch die Porta Messina. Und natürlich folgten wir der Corso Umberto, der Shoppingmeile von Taormina. Hier reihen sich Souvenirläden, Touristennippes und Luxusläden aneinander.
Da uns gerade nicht nach Shopping und Schaufensterbummel war und die Preise ohnehin nicht zu unserem Budget passten, lenkten wir unsere Schritte lieber hinauf zum Castello di Taormina und Chiesa della Madonna della Rocca.
Der Aufstieg ist zwar anstrengend, aber er lohnt sich schon allein wegen der Aussicht. Der Blick reicht hinüber zum Ätna bzw. hinaus aufs Meer. Und dazu kann man die kleine zum Teil in den Fels hineingehauene pittoreske Kirche besichtigen. Die Ruine des Castello kann man stattdessen gerne links liegen lassen. Der Eintritt ist - aus unserer Sicht - überteuert. Man kann lediglich durch zwei Innenhöfe laufen und die Aussichten genießen. In einem kleinen Raum gibt es noch zwei historische Figuren zu sehen, aber mehr nicht.
Um unser nächstes Ziel zu erreichen, schlängelten wir uns wieder den Berghang hinab und durch die zahlreichen Touristen, bis wir schließlich wieder vor dem Stadttor standen. Doch um zu unserem eigentlich Ziel zu gelangen mussten wir noch viel weiter hinunter. Nämlich bis ans Meer. Hier bietet sich die Seilbahn an. In weniger als 5 Minuten kommt man ganz bequem und mit einer tollen Aussicht vom Zentrum Taorminas hinab an den Strand.
Aber nicht der Strand als solcher war unser Ziel. Nein, wir wollten zur Isola Bella, eine kleine vorgelagerte Felseninsel, die über eine Sandbank mit Sizilien verbunden ist.
Aber auch hier zeigte der Tourismus sein hässliches Gesicht. Schon der Weg hinab zum Strand glich einem Spießrutenlauf. Ständig wurden wir von irgendwelchen Leuten angesprochen, die uns Bootsausflüge anbieten wollten und dazwischen mussten wir uns gegen aufdringliche Händler wehren. Und hat man erst den steinigen Strand erreicht, muss man sich noch zwischen Sonnenanbetern und Barbeteibern hindurchzwängen.
Aber was nimmt man nicht alles auf sich, nur um am Ende enttäuscht zu werden. Ja, Isola Bella sieht nett aus und sie ist auch über eine „Sandbank“ zu Fuß erreichbar. Allerdings ist das Wasser mehr als knietief und die Sandbank besteht auf großen Kieselsteinen. Ohne Badebekleidung und Badelatschen kommt man da nicht hin.
So blieb uns nur ein Foto vom Strand aus, denn darauf waren wir nicht eingerichtet.
Damit endete dann auch unser Ausflug nach Taormina.
Unser Fazit zu Taormina: Wer touristischen Trubel mag und bereit ist, ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen, ist hier am richtigen Ort. Ansonsten sollte man sich auf die historischen Sehenswürdigkeiten beschränken.
Der Strand ist wenig einladend, voll und teuer. Und eigentlich jeder Strandbesucher besichtigt auch die kleine Isola Bella.
Ab zum Ätna
Will man den Ätna erklimmen, muss man sich zwingend einer geführten Tour anschließen. Ohne Tour kommt man bis auf ca. 2.900 m Höhe und kann ein wenig über Lava- und Aschefelder laufen. Zudem muss man sich entscheiden, ob man die Süd- oder Nordseite besuchen möchten.
Da wegen der jüngsten Ausbrüche die Kraterregion gesperrt war, hatten wir uns für die Nordseite entschieden, da diese wohl die interessanteren Alternativen zu bieten hat, wenn ein Aufstieg zum Kraterrand nicht möglich ist. Ansonsten unterscheiden sich die Regionen nur wenig. Die Anreise erfolgt per Auto bis zum Basiscamp auf ca. 1.900 m. Von dort geht es per Seilbahn, zu Fuß oder einem 4x4-Bus weiter. Ab 2.900 m ist dann ohne Guide Schluss.
Da wir ungeachtet der Sperrung dennoch - wegen des Insiderwissens - an einer geführten Tour teilnehmen wollten und diese meist schon zwischen 8 und 9 Uhr starten, hatten wir uns einen Stellplatz ganz in der Nähe des Ätna herausgesucht.
Und hier hatten wir so richtig Glück. Im Obergeschoss des Wohnhauses vom Besitzer hatte sich Linda eingemietet. Linda ist Vulkanologin und Tourguide am Ätna. Als wir sie vor Ort antrafen und auf unseren Wunsch nach einer Tour ansprachen, hatten wir gleich doppeltes Glück. Einerseits konnten wir mit ihr direkt eine Tour buchen und wir konnten mit ihr auch gleich zur Basisstation hinauffahren und zum anderen meinte sie, sie würde bis zum Krater hinaufsteigen. Offenbar war die Sperre aufgehoben worden.
Ätna - Zwischen Vulkanasche, Lavafeldern und Schwefelschwaden
Pünktlich um 7 Uhr waren wir bereit und fuhren mit Linda und einer weiteren Teilnehmerin die kurvenreiche Strecke zur Basisstation hinauf. Schon auf der Fahrt konnte uns Linda einiges zeigen und erklären, denn wir durchquerten einen der jüngeren Lavaströme von 2002. Uns wunderte, dass der umliegende Wald quasi keine Schäden aufweist. Dies liegt daran, dass die Lava dort nicht mehr heiß genug war, um alles zu verbrennen und die austretenden Dämpfe für die Bäume unschädlich ist. So hat der Lavastrom lediglich alles unter sich begraben, was ihm im Weg war.
Von der Basisstation aus fuhren wir mit einem 4x4-Bus über einen holprigen und staubigen Fahrweg bis auf 2.900 m hinauf. Ab hier hieß es: Helme aufsetzen.
Die letzten 400 Höhenmeter müssen zu Fuß bewältigt werden. Und da der Vulkan unberechenbar ist, ist diese Vorsichtsmaßnahme Pflicht. Über das lockere Vulkangestein, das hier bei Ausbrüchen über die Jahrhunderte abgelagert wurde, geht es stetig bergauf. Zwischendurch erläutert uns Linda interessante Details zu Lavabomben und Vulkanglas.
Schließlich eine letzte Pause. Zeit für einen Snack und einen Schluck zu trinken. Danach ging es an den entscheidenden Aufstieg und plötzlich öffnete sich vor uns die gewaltige Kraterlandschaft des Ätna. Okay, es gibt nicht den einen Ätna. Vielmehr besteht der Ätna aus vier Hauptkratern und inzwischen ca. 400 Nebenkratern, die sich über die Flanken verteilen.
Aber dort oben auf dem Rand des Nord-Ost-Kraters in 3.323 m Höhe zu stehen und den Ätna überblicken zu können ist schon beeindruckend. Und während wir bei stürmischem Wind den Erklärungen von Linda lauschten, zeigte der Ätna mit dicken Rauchschwaden und dumpfem Grollen, dass er zu den aktivsten Vulkanen der Welt zählt.
Der Abstieg erfolgte dann in Richtung des Osservatorio Etneo, von wo wir einen schönen Blick hinauf zum Krater sowie über das Valle del Bove hatten. Letzteres entstand beim Ätna-Tsunami-Ereignis vor ca. 8.300 Jahren. Heute nimmt das Becken die meisten Lavaströme auf.
Um den erlebnisreichen Tag angemessen ausklingen zu lassen, wollten wir eigentlich mit Linda und Angélique noch etwas unternehmen. Linda lehnte zwar ab, bot uns aber ihr Auto an, sodass wir flexibel waren. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal.
Am Ende entschieden wir uns für eine Fahrt von Linguaglossa nach Castiglione di Sicilia. Dieses kleine mittelalterliche Bergdorf zählt zu den schönsten Orten Italiens. Hier konnten wir bei einer kühlen Granita unsere Erlebnisse Revue passieren lassen.
Unser Fazit: Wenn man schon Sizilien besucht, darf der Ätna nicht fehlen. Und da für jedes Fitnesslevel etwas dabei ist, gibt es auch keine Ausrede.
Die Basisstationen sind mit Auto und sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Noch weiter hinauf geht es mit Seilbahn oder 4x4-Bus. Und schon von dort aus hat man einen spektakulären Blick über die Asche- und Lavafelder hinauf zu den Hauptkratern, kann in Vulkanspalten blicken oder Lavatunnel besichtigen.
Für den Aufstieg zum Krater muss man sich aus Sicherheitsgründen einer geführten Tour anschließen und sollte fit, trittsicher und möglichst schwindelfrei sein.
Die Ostküste - Zwischen Catania und Siracusa
Aber Sizilien hat mehr als Strände und den Ätna zu bieten. So gibt es auf der Insel auch einige Orte, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Und genau dort wollten wir jetzt hin.
Catania - Barock trifft Großstadt
Den Anfang macht die zweitgrößte Stadt Siziliens: Catania. Catania wurde durch Ausbrüche des Ätna und Erdbeben mehrfach zerstört. Dennoch blühte die Stadt immer wieder neu auf. Heute ist sie mit ihrer Prachtstraße Via Etnea und die barocken Gebäuden aus schwarzem Lavagestein ein beliebtes Touristenziel.
Auch wir wollten uns die Altstadt ansehen und beschlossen, vor Ort zu übernachten. Angesichts Temperaturen von deutlich über 30°C, was zu saunaartigen Temperaturen im Genuss-Bus führte, arbeitete unsere Kühlbox auf Hochtouren. Auch wenn die Solarzellen kräftig Strom lieferten, konnten sie nicht den Gesamtbedarf der Kühlbox abdecken.
Ein oder zwei Nächte ohne Stromanschluss war so zwar möglich, aber es gab weitere Punkte zu berücksichtigen. So wollten wir zur Belüftung die Schiebetüren etwas geöffnet und einen kleinen Ventilator laufen lassen. Alles in allem suchten wir daher vermehrt nach Plätzen mit Schatten und ggf. einem Stromanschluss.
Zwar wäre uns Freistehen deutlich lieber, aber auf Sizilien ist das fast ausschließlich an Stränden möglich. Hier fehlt es vor allem an Schatten und Zugang zu Toiletten. So blieb uns als Option häufig nur ein Campingplatz von ganz unterschiedlicher Ausstattung. So auch bei Catania. Entweder zu weit weg, nicht im Budget oder eher fragwürdig. Lediglich ein Platz schien vielversprechend zu sein, daher steuerten wir ihn an.
Am südlichen Stadtrand gelegen, konnten wir Felía direkt im Schatten eines Baumes abstellen und an den Strom anschließen. Auch wenn es sich offenbar um einen Parkplatz eines Beachclubs handelte, waren Camper hier willkommen.
Den Rest des Tages - es war schon etwas zu spät, um sich noch Catania anzusehen - wollten wir mit arbeiten füllen. Ein Plätzchen in der nahegelegenen Spagetteria war schnell gefunden, sogar mit WLAN. Ein Stromanschluss für die Rechner hingegen nicht. Egal, erstmal was Essen. Das Konzept des Ladens ist einfach. Hier werden Nudeln nach Gewicht verkauft. Es gibt große und kleine Portionen und die Preise klangen fair. Das einzige Problem: Die kleinste Portion besteht aus 500g Nudeln. Am Ende genug für mindestens 4 Personen. Nun gut, dann haben wir gleich noch was zum Abendessen.
Aber was ist jetzt mit Strom? Fehlanzeige! Bei brütender Hitze zogen wir weiter. Café: geschlossen, Bar: kein Stromanschluss, Eisdiele: nur Tische ohne Schatten, Bowling-Center: öffnet erst um 19 Uhr.
Völlig gefrustet gaben wir auf und fällten eine Entscheidung: Catania wollte uns als Touristen nicht haben. Wir packten unsere Sachen wieder zusammen und fuhren noch ein kleines Stückchen weiter bis Agnone. Hier gab es einen gemütlich - wenn auch stickigen Aufenthaltsraum, Strom und WLAN.
Ob wir damit etwas verpasst haben? Wahrscheinlich! Aber für uns fühlte es sich in dem Moment einfach richtig an. Zumal uns auch der anscheinend einzige Schlafplatz in Stadtnähe uns nur bedingt zugesagt hatte. Es gibt eben manchmal solche Bauchentscheidungen, die dann so enden.
Brucoli & Augusta - schlafende Perlen an der Ostküste
Am nächsten Morgen packten wir Felía wieder zusammen, verabschiedeten uns bei der alten Besitzerin des Platzes und machten uns auf den Weg nach Siracusa. Da unser Plan aber vorsah, Siracusa erst später zu besichtigen, hatten wir reichlich Zeit. Kurzerhand bogen wir von der Hauptstraße ab und fuhren in das Dörfchen Brucoli.
Ist Brucoli für irgendetwas bekannt? Eher nein! Die Felsenküste mit einigen Höhlen ist bei Schnorchlern beliebt und eine Festung auf der Klippe kann - sobald die Renovierung abgeschlossen ist - besichtigt werden. Dafür ist der Ort extrem entspannt.
Ein Brunch später fuhren wir hinüber nach Augusta. Augusta hat mit dem Castello Svevo, dem ehemaligen Kursaal und der Parkanlage einiges an Potential. Leider wird es nicht genutzt. Kursaal und Castello wurden dem Verfall überlassen und die Parkanlage wurde zu einem Parkplatz umfunktioniert.
Ein Spaziergang durch die Altstadt lohnt dennoch, sind die Fassaden doch recht sehenswert. Ebenso ist der Duomo di Augusta ein Besuch wert.
Da inzwischen die Tagestemperaturen wieder an der 40°-Marke kratzten, kam uns das verheißungsvolle Schild auf einer erfrischende Granita gerade recht. Bei den vielen leckeren Sorten kann man sich zwar nur schwer entscheiden, aber eigentlich ist es egal. Schmackhaft und erfrischend sind sie alle und natürlich darf dazu ein Brioche nicht fehlen.
Siracusa - Zwischen Antike und Moderne
An der Ostküste Siziliens fehlte uns nun nur noch ein Highlight: Siracusa, ein Ort der absoluten Gegensätze. Auf der einen Seite der Archäologiepark mit antikem Amphitheater und auf der anderen Seite die monumentale, moderne Silhouette der Wallfahrtskirche, die das Stadtbild dominiert. Und wem das noch nicht reicht, dem bietet Ortigia mit der Altstadt Siracusas enge Gassen und das Castello Maniace als Ausflug an.
Um der Stadt und seinen Sehenswürdigkeiten gerecht zu werden, wollten wir uns zwei Tage Zeit nehmen und zudem ein wenig Büroarbeit einflechten. Schön, dass wir dafür genau die richtige Base gefunden haben. Capo Corso bietet zu einem vernünftigen Preis einfach alles was man benötigt. Zwischen Olivenbäumen fanden wir einen schattigen Platz mit Stromanschluss, mit Anschluss zur Familie der Besitzer und den zahlreichen Katzen und zwei Hunden. Für die Entspannung steht ein Pool zur Verfügung und wenn man möchte, kann man ein leckeres und reichhaltiges Abendessen bekommen. Der größte Vorteil für uns war aber der angebotene Shuttleservice nach Siracusa.
Wir hatten uns entschlossen, Siracusa ganz entspannt anzusehen. So stand für Tag 1 nur Ortigia auf dem Plan. Nachdem wir mit dem Shuttle in die Stadt gefahren wurden, war es nur noch ein kurzer Fußmarsch zum Tempio di Apollo. Hierbei handelt es sich um einen antiken, griechischen Tempel aus dem 6. Jh. v. Chr. Die Anlage selbst kann nicht betreten werden. Das ist aber auch gar nicht nötig, da die Überreste des Tempels gut überschaubar sind.
Wir setzten unsere Erkundungstour fort und folgten der schattigen Via Dione bis zur Piazza Archimede mit dem Fountain of Diana. Wenig später erreichten wir den Dom mit der etwas sperrigen italienischen Bezeichnung Cattedrale Metropolitana della Natività di Maria Santissima. Schon von außen fällt auf, dass die barocke Fassade von Säulen unterbrochen wird, die eher an einen griechischen Tempel erinnern. Dieser Eindruck verstärkt sich im Inneren weiter und kommt nicht von ungefähr. Die Kirche wurde tatsächlich auf den Überresten des Tempio di Atena errichtet und integriert diesen gekonnt.
Auf dem Weg zur Südspitze von Ortigia kamen wir an der Fonte Aretusa vorbei. Die kleine Süßwasserquelle mit Papyrusgras und Enten ist eine nette Abwechslung. Zusammen mit der Legende um Arethusa und Alpheios (Wikipedia & III. Liebe des Alpheus zu der Quelle Arethusa) wird daraus fast schon ein magischer Ort.
Schließlich erreichten wir das Castello Maniace auf der Südspitze Ortigias. Die äußere Form entspricht noch weitestgehend dem Bau aus dem Jahr 878. Heute scheint das Castello aus einer viereckigen Wehrmauer mit Ecktürmen zu bestehen, die einen Innenhof und eine Halle umschließt. Ursprünglich jedoch waren die Wehrmauern gleichzeitig die Außenwände einer gigantischen Halle mit mehreren Säulenreihen und Kreuzgewölben. Eine gewaltige Explosion in der Pulverkammer 1704 zerstörte jedoch große Teile des Inneren.
Leider gibt es in dem Castello nicht viel zu sehen. Ebenso fehlen Schautafeln mit Erklärungen. Dennoch laden die labyrinthartigen Gänge und Kammern zu einer ausgedehnten Erkundungstour ein. Und wer wissen möchte, wie musikalisch das Militär schon damals war, wird über die Akustik in einem kleinen Nebenraum erstaunt sein.
Die verbleibende Zeit nutzten wir für einen ausgiebigen Spaziergang durch die Gassen der Altstadt. Dabei darf eine erfrischende Granita oder ein Canollo nicht fehlen.
Der zweite Tag führte uns zunächst zum Parco Archeologico Neapolis. Der weitläufige Park umfasst ein römisches Amphitheater sowie ein griechisches Theater, das in den Sommermonaten für Konzerte genutzt wird. Ebenso sind einige Nekropolen zu sehen und ein beeindruckender Steinbruch.
Wer das griechische Theater in seiner natürlichen Gestalt sehen möchte, muss es außerhalb der Konzertsaison besuchen. Für Konzerte werden die Bühne und die Ränge mit Holzkonstruktionen überbaut. So ist vom Teatro Greco leider nur wenig erkennbar.
Nur einen Steinwurf von der antiken Stätte entfernt, erhebt sich die futuristische Basilica Santuario Madonna delle Lacrime. Die Basilika besteht ganz schlicht aus einem riesigen runden Stahlbetonbau. Auch im Inneren sind die Bänke rund um den zentralen Altar angeordnet. Und die insgesamt 16 Kapellen sind jeweils individuell gestaltet.
Den heutigen Abschluss bildete eine Führung in den Ruinen einer der ältesten christlichen Kirchen in Europa. Von der Kirche stehen zwar nur noch die Außenmauern, dafür verbirgt sich unterhalb ein wahrer Schatz.
Zum einen die Krypta San Giovanni mit Fresken aus dem 6. Jh. n. Chr. sowie ein verzweigtes Labyrinth aus Katakomben.
Ursprünglich handelte es sich um eine antike Zisterne, die später zu einem unterirdischen Friedhof umgenutzt wurde. Dazu wurden der Untergrund weiter ausgehöhlt und unzählige Nischen in die Wände geschlagen. Leider sind Foto- und Videoaufnahmen strengstens verboten. Somit bleibt uns nur die Empfehlung, die Catacomba di San Giovanni in Siracusa selbst zu besuchen.
Wer Zeit, Muße und noch mehr Lust auf Archäologie hat, sollte noch dem Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi einen Besuch abstatten.
Fazit zu Siracusa: Wir finden, der Ort an der Ostküste Siziliens mit dem gewaltigen Spagat zwischen Antike und Moderne ist unbedingt sehenswert.
Wer nur einen Tag hat, hat die Qual der Wahl oder muss sich sputen. Wir würden empfehlen, in den kühleren Morgenstunden mit dem Parco Archeologico Neapolis zu beginnen und im Anschluss die Basilica Santuario Madonna delle Lacrime zu besichtigen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause sollte man dann in die kühlen Catacomba di San Giovanni abtauchen.
Abschließend noch ins Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi oder - was wir empfehlen würden - ab zur Isola di Ortigia und dort das Castello Maniace sowie den Duomo besichtigen.
Den Abend kann man dann wunderbar in einer der vielen Bars und Restaurants ausklingen lassen.
Die Südspitze Siziliens
Wir hatten uns für die Umrundung Siziliens im Uhrzeigersinn entschieden und waren bereits ein gutes Stück die Ostküste hinuntergefahren. Um diesen Teil abzuschließen, fehlte jetzt nur noch die Südspitze der Insel.
Den Anfang sollte Noto machen, bevor es entlang der Küste um die Südspitze gehen sollte.
Am Ende kam aber alles etwas anders. Darüber werden wir aber erst im nächsten Beitrag berichten.
Noto - Bischofssitz und spätbarocke Fassaden
Die Ortschaft Noto stand zwar ohnehin auf unserer Liste, da sie unmittelbar an der Route liegt und UNESCO-Weltkulturerbe ist. Zusätzlich wurde uns Noto aber auch von anderen Touristen und Einheimischen empfohlen.
Erwartungsvoll fuhren wir daher in die Stadt und wurden nicht enttäuscht. Der Ort ist zwar recht klein und übersichtlich - zumindest die Altstadt - und die Straßen sind von schmucken Palazzi und mehreren Kirchen gesäumt. Aber Noto ist auch sehr touristisch und die Preise in den Restaurants und Cafés entsprechend höher.
Wir müssen vorab gestehen, wir haben nicht alle Kirchen besichtigt. Zum einen sind das einige zu viel und zum anderen ist es wegen der Öffnungszeiten schlicht nicht an einem Tag möglich.
Gleich nachdem wir die Corso V. Emanuele erreicht hatten, betraten wir die Chiesa di Santa Chiara. Die Kirche aus der Mitte des 18. Jahrhunderts hat einen elliptischen Grundriss nach dem Vorbild römischer Kirchen und besitzt ein wunderschönes Deckengemälde.
Doch unser eigentliches Hauptziel steht nur wenige Meter weiter, die Cattedrale di San Nicolò. Das Bauwerk steht im wahrsten Sinne des Wortes erhaben am oberen Ende einer großen Freitreppe. Von dem Vorplatz hatten wir einen schönen Blick zurück auf den Palazzo Ducezio, ein prächtiges Beispiel für sizilianische Barockarchitektur.
Für die Besichtigung der Kathedrale fällt zwar eine kleine Gebühr an, die sich aber definitiv lohnt. Wir entschlossen uns, gleich das Kombiticket zu nehmen, mit dem wir noch drei weitere Kirchen besuchen konnten.
Die Kathedrale zog uns im Anschluss in ihren Bann. Mit ihrer schlichten und hellen Struktur und den hervorragend restaurierten Fresken war sie für uns sehr sehenswert.
Bei einem kleinen Päuschen wollten wir uns die Kirchen vom Kombiticket in unserer Karte markieren und waren schließlich überrascht. Die vier Kirchen bilden ein Kreuz. Zufall oder Absicht - Was meint Ihr? Schreibt es uns gerne in die Kommentare 👇.
Zudem mussten wir den Besuch wohlüberlegt planen. Die eine Kirche schloss in Kürze für den Rest des Tages. Eine weitere zumindest über die Mittagszeit bis gegen 16 Uhr und die letzte im Bunde sollte durchgängig geöffnet sein.
So fiel die Wahl auf die Chiesa di San Domenico. Auch die Kirche - vom genialen Architekten Rosario Gagliardi - ist überraschend schlicht und in strahlendem Weiß gehalten. Dank des Kombitickets durften wir hier zusätzlich in die Gruft hinabsteigen. In den dortigen Nischen wurden einst die Gebeine der kirchlichen Vorsteher aufbewahrt. Neben einigen uralten Fresken gibt es im zweiten Raum einen Steinsarg mit menschlichen Überresten zu sehen.
Unsere Erkundungstour ging weiter zur Chiesa di Montevergine, die sich am oberen Ende der Via Corrado Nicolaci erhebt. Diese malerische Straße verwandelt sich alljährlich im Mai in ein kunstvolles Mosaik aus Blumen - das Infiorata di Noto.
In der Chiesa di Montevergine ging es über eine enge Wendeltreppe hinauf zur Empore mit Blick über den Kirchenraum und weiter in den Glockenturm. Von dort oben bot sich uns ein grandioser Blick über Noto.
Die letzte im Bunde war schließlich die Chiesa di San Carlo al Corso. Das Highlight ist aus unserer Sicht die fantastisch gestaltete und erhaltene Orgel. Von der Terrasse unterhalb der Glocken hatten wir erneut einen Blick über Noto und vor allem die Via Corrado Nicolaci entlang. Mit Sicherheit einer der besten Plätze für die Infiorata di Noto.
Fazit zu Noto: Eine sehr sehenswerte und lebendige Altstadt mit wunderschönen spätbarocken Fassaden, Palazzi und Kirchen. Wen der touristische Trubel nicht stört, wird Noto mögen.
Wir waren von den Kirchen fasziniert und würden mit Sicherheit wiederkommen. Dann aber im Mai zur Infiorata di Noto.
Zum Abschluss des Tages wollten wir zum ersten Mal auf Sizilien ins Meer hüpfen und fuhren einen der sehr seltenen FKK-Strände an. Zu unserer Überraschung mussten wir tatsächlich Eintritt zum Strand zahlen und dann auch noch fast 10 Minuten laufen. Und Inklusivleistungen? Fehlanzeige. Egal, das klare und angenehm warme Wasser war eine wahre Wonne.
Für die nächsten zwei Nächte zogen wir uns auf einen Agritourismo - Flora Iblea - zurück. Wer Ruhe sucht und mit einfachsten Verhältnissen klarkommt, ist hier genau richtig. Wir durften uns einen Platz auf dem großzügigen Grundstück aussuchen. Strom gibt es keinen. Das Wasser soll Trinkwasser sein (funktionierte aber offenbar gerade nicht). Dazu gibt es eine Komposttoilette und eine spartanische Dusche.
Der ehemalige Gemeinschaftsbereich mit Küche wird leider nicht mehr genutzt und verfällt.
San Lorenzo
Jetzt sollte es einmal um die Südspitze Siziliens gehen und so fuhren wir zunächst das kleine Örtchen San Lorenzo an. Hier wollten wir ausspannen, Wasser auffüllen und im Meer baden.
Wir hatten uns auch schon ein paar weitere Plätze zur Übernachtung herausgesucht, doch dann mussten wir dieses Vorhaben vorzeitig abbrechen. Mehr dazu aber erst im nächsten Beitrag.
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