Sizilien - Inselmodus aktiviert

Teil 2 - Zwischen Geschichte und Meer

Etwas früher als erwartet nehmen wir die Südküste Siziliens in Angriff und pendeln zwischen UNESCO-Weltkulturerben und dem Meer.
Spätbarocke Städte wie Ragusa und Modica buhlen ebenso wie archäologische Stätten wie das Valle dei Templi um die Aufmerksamkeit von Touristen, wie uns.

Comiso - Kirchen, Altstadtfest und Arztbesuch

Andrea hatte schon vor einigen Tagen etwas Blut im Stuhl festgestellt. Da sich das nicht gebessert hatte und Andrea Colitis Ulcerosa hat, wurden wir hellhörig. Zur Klärung der Ursache und um ganz sicher zu gehen, wollten wir gerne einen Facharzt aufsuchen.
In Comiso - einem Ort, den wir nicht anfahren wollten - wurden wir fündig und angenehm überrascht. Beim Gastroenterologen Belluardo wurden wir, obwohl gerade geschlossen, freundlich empfangen. Der Arzt hörte sich unser Problem an und entschied, dass wir etwa eine Stunde später wiederkommen sollten, um einen Termin für eine Darmspiegelung zu vereinbaren. Hierzu sollten wir möglichst Unterlagen der letzten Untersuchungen dabeihaben. Dank Franks Mutter lagen uns tatsächlich alle erforderlichen Unterlagen vor, sodass der Gastroenterologe sich ein Bild von Andreas chronischer Erkrankung machen konnte.
Er entschied, dass eine Darmspiegelung zeitnah sinnvoll wäre und durchforstete seinen Terminkalender. Am Ende sollte die Darmspiegelung bereits zwei Tage später stattfinden. Super, keine lange Wartezeit, aber vermutlich auch nur, weil es als akut eingestuft wurde.
Jetzt hieß es eine Unterkunft für die Vorbereitung auf die Darmspiegelung zu finden. Wer schon mal eine mitgemacht hat, weiß wovon wir reden. Über Booking.com wurden wir schnell fündig. Mitten in der Altstadt und gleich gegenüber von der Basilica Maria Santissima Annunziata liegt das Bed & Breakfast Yhomisus. Die Zimmer sind großzügig und im Obergeschoß gibt es einen Gemeinschaftsbereich mit vorgelagerter Terrasse. Der Blick über den Ort und auf die Basilika ist grandios.
Nachdem wir uns häuslich eingerichtet hatten, kauften wir noch rasch großzügig für die nächsten Tage ein. Vor allem aber landeten Zwieback und Wasser mit Geschmack für Andreas Tortur im Einkaufswagen. Und bei einem abendlichen Spaziergang durch die sehenswerte Altstadt mit zahlreichen Kirchen besogten wir noch das Abführmittel.

Die nächsten zwei Tage standen dann ganz im Zeichen der bevorstehenden Darmspiegelung und forderten von Andrea alles. Außer zwischen Bett und Toilette pendeln war nichts zu machen. Die Darmspiegelung selbst am späteren Vormittag des zweiten Tages dauerte dann nur 20 Minuten.
Und dann gab es weitestgehend Entwarnung. Nur eine Entzündung im unteren Enddarmbereich. Zwar nicht harmlos aber auch kein Grund zur Beunruhigung. Ein paar Zäpfchen zur Behandlung sollten das Problem schnell beheben.
Doch dann überraschte uns der Arzt so richtig. Er überreichte uns eine Gewebeprobe mit dem Auftrag, diese in einem Labor zur Untersuchung abzugeben. Wie bitte? Wir sollten selbst die Probe durch die Gegend kutschieren und im Labor abgeben? Schon etwas seltsam. Das einzig Positive daran, das Labor sollte in Ragusa angesiedelt sein, einem Ort, dem wir ohnehin einen Besuch abstatten wollten.
Zum Abschluss wünschte Dr. Belluardo Andrea noch alles Gute und bot ihr an, bei Fragen oder Beschwerden, sich jederzeit melden zu können.

Fazit bis jetzt: Auch mit einer chronischen Erkrankung, wie z.B. Colitis Ulcerosa, kann man eine Langzeitreise unternehmen. Einzige Voraussetzung ist, man muss sich gut vorbereiten. Notwendige Unterlagen, wie Arztbriefe, Diagnoseunterlagen und aktuelle Untersuchungsergebnisse sind genauso hilfreich wie auch ein Medikamentenplan.
Weiterhin sollte man unbedingt die Bedingungen der deutschen Krankenkassen sowie der Langzeitauslandskrankenversicherung beachten. Denn hier bestehen die größten Fallstricke.
Wir werden dazu noch unter Tipps & Links einen Artikel einstellen und hier dann verlinken.

Nach der Darmspiegelung ging es Andrea zum Glück hervorragend und sie freute sich sichtlich auf Essen. Das Restaurant Mojo Sushi Experience belohnte Andreas Strapazen mit leckeren und teil unbekannten Variationen aus Sushi und anderem japanischem Essen. Dann ging es zum Ausruhen ins Hotel.
Als die Tagestemperaturen am Abend endlich auf ein erträgliches Maß gefallen waren, konnten wir uns wieder hinauswagen und ein wenig den Ort erkunden. Dabei fiel uns auf, dass es in Comiso zwei Schwesternkirchen gibt, die sich im Baustil sehr ähneln. Die Basilica Maria Santissima Annunziata und die Chiesa Madre di Santa Maria delle Stelle. Diese beiden sowie weitere Kirchen in der Altstadt wollten wir am nächsten Tag besichtigen, bevor es schließlich weitergehen sollte. Die Probe musste ja schließlich ins Labor.
Doch zum Abschluss des Tages gönnten wir uns noch ein Eis auf der Piazza Fonte Diana. Wo es am nächsten Tag noch etwas Livemusik gab.

Ragusa - Proben-Odyssee und Barock pur

Andrea hatte sich erholt, nun stand der Besuch des Labores an. Der Gatroenterologe hatte uns die Klinik benannt, wo wir hin müssten. Die Klinik lag nicht nur in Ragusa, sondern auch nur einen Steinwurf von der barocken Altstand entfernt. Voller Vorfreude fuhren wir auf dem fast leeren Parkplatz und machten uns auf die Suche nach dem Labor.
Durch den vermeintlichen Haupteingang betraten wir die verdächtig stille und leere Klinik. Sämtliche Schalter waren gechlossen und nirgends waren Patienten oder Angestellte zu sehen. Merkwürdige Klinik, dachten wir. Dann zufällig ein Geräusch. Hinter uns war eine Angestellte auf den Flur getreten und schloss gerade die Tür. Wir baten sie mittels unserer Übersetzungs-App um Hilfe.
Offensichtlich war auch sie erstaunt, dass niemand am Empfang saß. Daher versuchte sie uns zumindest in eine Richtung zu weisen, wo wir das Labor finden würden. Wir folgten der angezeigten Richtung hinter das Klinikgebäude und fanden dort eine Art Station, die auch bevölkert war. Allerdings wurden wir zunächst ignoriert, da man offenbar dabei war, zahlreiche Betten in einem Saal neu zu beziehen. Aber auch hier fanden wir eine Angestellte, die wir sofort in Beschlag nahmen. Sie konnte uns endlich nicht nur den Weg zeigen, sondern begleitete uns zum Labor.
Dort eine erste Ernüchterung. Das Labor war geschlossen. Wie bitte, das Labor einer Klinik hat geschlossen? Wer untersucht denn dann die Proben, wenn am Wochenende ein Notfall eingeliefert wird? Okay, nichts zu machen. Wir müssen also bis Montag warten. Zum Glück meinte Dr. Belluardo, es reicht, wenn die Probe innerhalb einer Woche im Labor untersucht wird.
Den restlichen Tag nutzten wir daher, um uns die Altstadt von Ragusa anzuschauen.

Ragusa überraschte uns gleich mit zwei Altstädten, Ragusa Superiore und Rabusa Ibla. Beide Stadtteile wurden nach dem Erdbeben von 1693 im typisch sizilianischen Barock aufgebaut. Dabei gilt Ibla als eigentliche und malerische Altstadt. Superiore hingegen ist etwas moderner und vor allem schachbrettartig aufgebaut. Beide Stadtteile sind zwar durch eine tiefe Schlucht geteilt, allerdings liegen die Parkplätze strategisch günstig genau dazwischen.
Für den ersten Tag nahmen wir Ibla in Angriff und starteten an der Piazza della Repubblica. Über die Via del Mercato und die Via XI Febbraio tauchten wir in die Altstadtgassen ein und ließen uns treiben. Wir versuchen immer, auf feste Ziele zu verzichten, um uns nicht unnötig stressen zu lassen. Dennoch haben wir natürlich eine Vorstellung davon, was wir gerne sehen wollen würden. Im Fall von Ibla war das der Duomo di San Giorgio. Sein Inneres überraschte uns mit schweren roten Wandbehängen aus Samt, die perfekt im Kontrast zum schlichten Weiß der Wände stehen. Gegen eine keine keine Eintrittsgebühr darf man in einem Nebenraum uralte und original erhalten Holzschränke mit feinsten Schnitzereien sowie Teile des Altars der Kirche, die dem Erdbeben zum Opfer gefallen ist.
Nach diesem beeindruckenden Besuch schlängelteten wir uns weiter durch die Gassen der Altstadt. Dabei merkten wir, dass auch hier der Tourismus immer mehr Einzug hält. Dennoch gibt es noch genug Ecken, wo sich die Touristen eher weniger hin verirren.
Schließlich erreichten wir die Piazza Giovan Battista Hodierna und tauchten dort in die Ruhe des Giardino Ibleo ein. Eine idyllische Parkanlage an der östlichen Spitze des Hochplateaus und damit mit einer grandiosen Aussicht ins Tal.
Während wir noch etwas die Ruhe im Park genossen, holte uns ein bedrohliches Donnern in die Realität zurück. Offensichtlich braute sich da ein ordentliches Gewitter zusammen. Zeit, Ragusa zu verlassen und einen Schlafplatz aufzusuchen. Da wir Am Montag wieder zu Klinik mussten und wir uns natürlich auch nich den zweiten Teil der Altstadt ansehen wollten, musste dieser aber in der Nähe liegen. Am Ende fanden wir nicht nur einen ruhigen Schlafplatz, sondern einen strategisch günstig gelegenen Platz für Ragusa und Modica und auch noch mit allen Annehmlichkeiten, die man sich nur wünschen konnte. Toilette, Dusche, Gemeinschaftsbereich mit Kühlschrank, und Herd sowie Pool und Gemüse aus eigenem Anbau gab es auch noch dazu. Kein Wunder, dass wir wieder einmal länger blieben als gedacht.

Nach einem erholsamen Sonntag inkl. Sprung in den kühlen Pool und ganz viel Espresso fuhren wir am Montag erneut zur Klinik, um die Probe ins Labor zu bringen. Und tatsächlich war heute sehr viel mehr los in der Klinik. Da wir den Weg ja schon kannten, ging es direkt zum Labor. Dort eine erste Überraschung, es standen offenbar auch andere Patienten an. Als wir ander Reihe waren, schilderten wir der Dame kurz, über unsere Übersetzungsapp, unser Anliegen und wurden prompt enttäuscht. Um die Probe abgeben zu dürfen, bräuchten wir eine Art Überweisungsschein. Einen solchen hatte uns der Arzt aber nicht mitgegeben, weil wir wohl Privatpatienten waren. Okay, was ist jetzt zu tun? Wieder nach Comiso uns Zurück, kam nicht in Frage. Die Dame hatte aber eine Idee. Wir sollten doch mit der Probe zu der anderen, neuen Klinik fahren. Dort gäbe es auch ein Labor und dort könnten wir die Probe wohl abgeben.
Alles klar, einmal quer durch die Stadt, ab in die Klinik und Labor suchen. Labor gefunden, aber Schalter geschlossen. Gut offenbar nur eine kurze Pause, also warteten wir. Kaum öffneten die Schalter wieder die nächste Überraschung. Auch hier standen Patienten an. Einige hatten eine Bluprobe dabei, andere holten Unterlagen ab. Offenbar ist es in Italien normal, seine Proben - was auch immer es ist - selbst herumzukutschieren und ins Labor zu bringen. Auch wir brachten wieder unser Anliegen vor und die Ernüchterung folgte sogleich. Hier wären wir falsch. Man nehme nur Blutproben an. Äh, wie bitte? Das Labor in einer großen Klinik inkl. Gatroenterologe nimmt nur Blutproben an? Aber was machen wir jetzt mit der Probe? Der nette Labormitarbeiter meinte, wir müssten es im Labor einer anderen Klinik abgeben und schrieb uns den Namen auf. Wie bitte, Ragusa hat noch eine Klinik? Weit gefehlt. Er wollte uns wieder zu dem Labor schicken, von dem wir kamen.
Jetzt waren wir nicht nur sprachlos, sondern vor allen ratlos. Voller Verzweiflung wendeten wir uns an einen Klinikmitarbeiter am Empfang. Eigentlich wollten wir ihn bitten, bei dem Gastroenterologen anzurufen, ob der uns die notwendige Überweisung irgendwie zukommen lassen könnte. Er hatte aber eine bessere Idee. Er lotste uns kurzerhand zur Notfallstation. Ein dortiger Arzt könne uns wohl den Schrieb ausstellen. Wir mussten kurz zwischen zahllosen Patienten, die teils in Krankenbetten lagen, warten, während er einen Arzt suchte. Leider ohne Erfolg. Daraufhin meinte er, unsere letzte Chance wäre der Bereitschaftsdienst in Ragusa. Okay, dann müssen wir halt dorthin. Wir wollten schon nach der Adresse fragen, als die Ernüchterung kam. Der Bereitschaftsdienst hat natürlich nur geöffnet, wenn die Notfallpraxis der Klinik geschlossen hat. Also von 20 Uhr bis 8 Uhr.
Schade, für abends hatten wir schon etwas anderes vor und am Morgen würden wir das kaum schaffen. Damit endete unsere Proben-Odyssee ohne Ergebnis. Und einmal mehr wurde uns klar, wie froh wir über das Gesundheitssystem in Deutschland sein können. Auch wenn man dort mal länger auf einen Termin warten muss, eine Gewebe- oder Blutprobe wird vom Arzt direkt ans Labor geschickt.

Die Enttäuschung schüttelten wir aber schnell ab und nutzten die Zeit lieber für Ragusa Superiore.
Wieder starteten wir an der Piazza della Repubblica.Doch dieses Mal wendeten wir uns nach Westen und erklommen die Stufen der Via Scale bis wir die kleine Chiesa di Santa Maria delle Scale erreicht hatten und uns ein Ausblick hinüber nach Ibla für den vergossenen Schweiß belohnte.
Vorbei am Palazzo Bertini und der Piazza Matteotti mit dem monumentalen Postamt sowie dem Rathaus ging es zur Cattedrale di San Giovanni Battista. Wie ganz Ragusa wurde auch diese Kathedrale nach dem schweren Erdbeben von 1693 im typisch sizilanischen Spätbarock errichtet. Abgesehen von ihrem großartigen Inneren, weißt die Kirche gleich zwei - aus unserer Sicht witzige - Details auf.
Der Kirchenbau wirkt ungewhont unsymetrisch, ist heute aber das Markenzeichen. Die Planung sah zwei Glockentürme vor. Der linke Turm wurde auch vollendet. Ein Schatzraub im Jahre 1834 führte jedoch dazu, dass der rechte Turm, wegen fehlender Finanzmittel, nicht fertiggestellt werden konnte.
Das zweite Detail kann man am Giebel über dem Haupteingang entdecken. Hier gibt es gleich zwei Sonnenuhren, welche aus dem Jahr 1751 stammen. Allerdings stellen sie unterschiedliche Zeitsysteme dar. Die eine Sonnenuhr zeigt die klassische Sommerzeit. Die andere hingegen die historische „italienische Zeit“. Hierbei werden die Stunden ab Sonnenuntergang gezählt.
Mit so viel neuem Wissen vollgepumpt, war es leider auch schon wieder an der Zeit, Richtung Campingplatz aufzubrechen. Der Proben-Marathon hatte uns mehr Zeit gekostet als gedacht.

Modica - Kirchenhopping und italienische Schokoladenkultur

Schon vor der Anreise in diese Gegend hatten wir erfahren, dass einige Städte hier zum UNESCO-Weltkulturerbe der „Spätbarocke Städte des Val di Noto“ zählen. Dazu gehört neben Ragusa auch der Ort Modica.
Was wir allerdings nicht wussten, dass der Ort sehr leicht von unserem aktuellen Schlafplatz aus erreichbar ist, und das Modica für ihre einzigartige Schokolade berühmt ist. Die Herstellung ist inzwischen weltweit geschützt.
Kurzerhand verlängerteten wir unseren Aufenthalt. Baten nochmals um das Auto und besuchten Modica ganz bequem.

Kaum in Modica angekommen, machten wir uns an den Aufstieg zum Stadtteil Alta. Dabei erreicht man quasi automatisch das Castello dei Conti. Auch dieses wurde uns empfohlen, weshalb wir gerne bereit waren, den Eintritt von 3 € zu zahlen. Am Ende wurden wir aber schwer enttäuscht. Ob dies nur an den Baumaßnahmen lag, können wir nicht sagen. Die „Grotten“ sind nur Aushöhlungen unterhalb der Burg. Eine davon darf man betreten, benötigt aber dafür eine Taschenlampe und am Ende der Höhle (ca. 20 m) steht man dann auf einer Müllhalde.
Der Aufstieg zur eigentlichen Burg erfolgte aktuell über eine Gittertreppe (Aufzug außer Betrieb) und oben angekommen gibt es nichts außer der Aussicht. Wir konnten zwar durch ein Gebäude laufen, die Räume waren aber alle leer und vom Innenhof ging es nirgends weiter. Der Besuch für 3 € war für uns sehr entäuschend.
Vom Castello aus schlenderten wir weiter durch Modica Alta mit schnuckeligen Gassen uns spätbarocken Fassaden bis wirvor der Treppe zur Chiesa di San Giovanni Evangelista standen. Den Innenraum der Kirche durften wir zwar nicht betreten, aber durch die Fenster in den Türen konnte man dennoch den Altar und die Ausstattung bewundern.
Auf unserem weiteren Rundgang durch Alta entdeckten wir schließlich die Fassade der Klosterkirche Santa Maria di Gesu. Der nette Herr am Tor wollte nicht etwa Eintritt von uns, sondern bedeutete uns auf Italienisch, ihm zu folgen. Durch die ehemalige Klosterkirche führte er uns in den Innenhof des Klosters, wo gerade eine Führung stattfand. Dieser durften wir uns einfach anschließen. Voller Begeisterung wandelten wir durch den Kreuzgang und warfen einen Blick in den Zugang zu einem Turm. An einigen Wänden sind noch alter verblassende Wandmalereien erkennbar.
Die Führung war schon beendet und wir wollten gerade das Kloster verlassen, als uns der Guide noch einmal aufhielt. Er meinte, vom Turm aus hätten wir einen tollen Blick über die Stadt und das wolle er uns zeigen. Ernsthaft, es ist möglich den Turm zu ersteigen? Okay, wir lieben Abenteuer und die Aussicht auf einen tollen Ausblick, also folgten wir ihm. Gleich zu Beginn mussten wir über einige improvisierte Stufen nutzen, um den Rest der Wendeltreppe zu erreichen. Dann, kurz vor dem oberen Ende, fehlen plötzlich einige Stufen. Durch das Loch konnten wird hinunterschauen. Aber auch hier konnten einige fragwürdige Tritte genutzt werden, um die Plattform im Turm zu erreichen. Und hier hatten wir dann wirklich einen super Blick über das Kloster und die Stadt.

Da wir diesen Bericht schreiben konnten, haben wir es natürlich auch wieder heil hinunter geschafft und konnten weiter durch Modica ziehen. Jetzt ging es nach Modica Bassa, wo ir uns unbedingt den Duomo di San Pietro Apostolo anschauen wollten. Statt der 2,50 € Eintritt für eine Kirche konnten wir für 6 € ein Kombiticket für insgesamt 3 Kirchen erwerben und hatten so Gelegenheit noch etwas mehr von Modica zu sehen.
Es lohnt sich definitiv das Kombiticket zu kaufen und die beiden anderen Kirchen - Chiesa Collegiata di Santa Maria di Betlem & Chiesa del Carmine - zu besichtigen. Zudem lohnt auch eine Besichtigung der Chiesa di San Domenico, wo wir dank einer Privatführung sogar in ein Hinterzimmer kamen mit wunderfolen Fresken an der Decke.
Wenn Modica schon für Schokolade berühmt ist, müssen wir uns natürlich genauer darüber informieren. Dazu kann man in Modica einerseits das Schokoladenmuseum besuchen. Es ist klein, hat Erklärungen nur auf Italienisch und zeigt wenig über die eigentliche Herstellung, aber es ist ganz nett gestaltet. Andererseits kann man in einem der vielen Schokoladenläden ein Tasting machen. Das Besondere ist, die Schokolade wird nicht conchiert. Daher schmilzt der Zucker nicht und die Schoki hat eine kristaline Struktur. Wir finden: Unbedingt probieren. Vor allem die leckeren Varianten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Scicli & Donnafugata

Andreas Vorerkrankung hatte uns früher als erwartet mitten ins Val di Noto geführt. Der Irrsinn mit der Probe und die netten Barockstädte Ragusa und Modica wiederum hatten zu einem längeren Aufenthalt in der Region beigetragen. Jetzt wollten wir endlich weiterziehen und die Südküste erkunden.
Wenn man aber bereits einige spätbarocke Orte besucht hat, sollte man Scicli nicht vergessen. Oder doch?
Außerdem wollten wir dem Tipp userer Gastgeber folgen und Donnafugata anfahren. Aber der Reihe nach.

Scicli - Kirchen, Gassen und viele Offerten

Das in einer tiefen Schlucht mit dramatischen Klippen gelegene Scicli ist bisher weniger von Touristen überlaufen als z.B. Noto. Dadurch wirkt es deutlich entspannter. Dabei hat Scicli aber einiges zu bieten, nicht umsonst trägt der Ort den Beinamen „Stadt der hundert Kirchen“. Hundert sind es zwar nicht, aber allein in der Altstadt sind es 18 Stück.
Die Chiesa Madre di Sant'Ignazio di Loyola konnten wir noch kurz vor der üblichen Mittagspause besuchen und wurden dann quasi freundlich hinausgeschoben. Egal, wir hatten ohnehin noch einige weitere Kirchen anzuschauen. Also ging es weiter zur Chiesa di San Bartolomeo. Direkt am Eingang wurden wir recht freundlich empfangen. Man erklärte uns, dass die Besichtigung kostenlos sei. Zudem wurden wir darauf hingewiesen, dass man gerne eine Offerte für den Erhalt der Kirche geben kann. Allerdings waren Aufbau und Ansprache eindeutig darauf ausgelegt, dass man eine Spende erwartete. Von Freiwilligkeit war hier wenig zu spüren. Okay, wenn man Besucher derart aufdringlich um eine freiwillige Spende bittet, verzichteten wir lieber auf den Besuch. Es gab ja schließlich weitere Kirchen.
Also ging es weiter durch die Gassen zur Chiesa di San Giovanni Evangelista und Chiesa di San Michele Arcangelo. Aber auch dort wurden wir freundlich aber besimmt auf eine freiwillige Spende für die kostenfrei Besichtigung der Kirchen hingewiesen. Das klang eher nach Eintritt als nach freiwilliger Spende. Also weiter!
Chiesa della Madonna del Carmine: Geschlossen. Chiesa di Santa Maria della Consolazione: Offerte. Und dann doch noch ein Wunder, bei der Chiesa di Santa Maria La Nova stand niemand am Eingang und wir konnten die Kirche tatsächlich ungehindert und kostenfrei besichtigen. Das festigte unsere Meinung, dass die anderen Kirchen eigentlich Eintritt verlangen, es aber nicht offen zugeben wollen.
Jetzt gab es für uns noch drei Plätze die interessant klangen: Chiesa e Convento di Santa Maria della Croce, Chiesa del Rosario und Chiesa di San Matteo. Da alle drei etwas abgelegen und jeweils auf unterschiedlichen Klippen lagen, war klar, dass wir nur eines besichtigen würden. Das erste ist ein Kloster, das nur gegen Eintritt besichtigt werden kann und zudem hätten wir einmal komplett durch die Stadt laufen müssen. Der zweite Ort ist eine Kirche, die laut Rezessionen geschlossen ist und der Weg dorthin nur schwer zu finden sei. Der dritte Ort, ebenfalls eine geschlossene Kirche, gilt als Wahrzeichen der Stadt und war uns bereits bei der Anfahrt aufgefallen. Da zudem der Weg dorthin nich weit war, entschieden wir uns für die Chiesa di San Matteo. Der Blick von dort über die Stadt ist fantastisch und den Aufstieg allemal wert.

Fazit zum Val di Noto: Auch wenn wir es nicht geschafft haben alle UNESCO-Weltkulturerbe vom Val di Noto zu besichtigen, so können wir dennoch eine Besuch in Ragusa, Modica und Scicli empfehlen. Die Orte liegen nahe beieinander und können daher gut kombiniert werden.
Für jeden Ort sollte man einen ganzen Tag einplanen, um wirklich in die Altstädte eintauchen zu können.
Uns persönlich hat Modica am besten gefallen.

Donnafugata

Donnafugata ist eigentlich kein Ort sondern eine Stätte, denn korrekt müsste man sagen Castello di Donnafugata.
Die heutige Palastanlage wurde um 1850 errichtet und umfasst 122 Zimmer uf 2.500 m² Fläche. Die Hauptfassade zeigt deutliche venezianische Einflüsse während es im Inneneren viele gothische Elemente gibt. Und von außen betrachtet bekommt man das Gefühl, vor einer Festung im arabischen Raum zu stehen.
In der Palastanlage kann man mehrere liebevoll restaurierte Zimmer durchstreifen, die einen Eindruck vom Leben im Palast geben. Im Eintritt inbegriffen ist zudem das MuDeCo Museo del Costume, welches der sizilianischen und internationalen Modegeschichte des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gewidmet ist.
Die ausgedehnte Parkanlage des Palastes wirkt zwar weniger gepflegt und vertrocknet, dennoch sollte man sie besichtigen und sich am Labyrinth versuchen.
Der Abstecher hat sich definitiv gelohnt und wir können die Empfehlung guten Gewissens weitergeben.
Um unserem nächsten Ziel entgegenfahren zu können, ging es zunächst wieder hinab ans Meer. Auf einem netten aber spartanischen Campingplatz und einem für unser Vorzelt viel zu kleinen Stellplatz legten wir eine Zwischenstopp ein uns ließen uns von der Herzlichkeit und Gastfreunlichkeit der Betreiber verwöhnen.
Und da der Strand hier perfekt nach Westen ausgerichtet war, konnten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen.

Caltagirone - Keramikhauptstadt und UNESCO-Weltkulturerbe

Einen vorerst letzten Abstecher ins Inland von Sizilien lag noch vor uns, Caltagirone. Der Ort gehört ebenfalls zu den UNESCO-Weltkulturerbestätten des Val di Noto. Zudem ist es die Hauptstadt der sizilianischen Keramik und gilt als Zentrum der historischen Keramikherstellung. Nachweise reichen bis ins Neolithikum zurück.
Neben zahlreicher Geschäfte mit Keramikprodukten und einem kleinen aber feinen Keramikmuseum gibt es hier die Scalinata di Santa Maria del Monte, eine Renaissancetreppe mit Zierfliesen. Die Treppe wurde bereits 1606 angelegt und umfasst 142 Stufen, um die Oberstadt mit der Unterstadt zu verbinden. Zum Lichterfest - Ende Juli - verwandelt sich die Treppe in ein prachtvolles Kunstwerk auf tausenden farbigen Lichtern.
Außerdem sehenswert sind die Basilica di San Giacomo, die Parrocchia Maria SS. del Monte und die Basilica Cattedrale di San Giuliano

Südküste - Zwischen klarem Wasser und archäologischen Stätten

Von Caltagirone aus ging es für uns zurück an die Südküste Siziliens. Von Gela bis hinauf nach Selinunt folgten wir nun der Küste. Unterwegs warteten vor allem jede Menge Strände, kristallklares Wasser und Touristen auf uns. Für Abwechslung sorgen da achäologische Stätten wie das Valle dei Templi oder Antiquarium di Eraclea Minoa.

Valle dei Templi - griechische Tempel bei Sonnenuntergang

Um der größten Tageshitze zu entgehen, hatten wir uns dazu entschlossen, die griechischen Tempel erst am späten Nachmittag zu besuchen. Zwar brannte uns die Sonner nicht direkt auf den Kopf, aber der Schweiß lief dennoch in Strömen, während wir durch die Anlage streiften.
Die Ausgrabungsstätte zieht sich, anders als der Name vermuten lässt, in Ost-West-Richtung über einen schmalen Bergrücken. Beginnt man wie wir im Westen, kommt man als erstes an ein Trümmerfeld mehrerer Tempel. Mehr als die Ecke des Tempio dei Dioscuri und Grundmauern sind nicht erhalten. Allerdings lassen schon die Trümmer erkennen wie prachtvoll die Tempel einst gewesen waren.
Duch die Grundmauern einiger Wohnhäuser kamen wir zum Trümmerfeld des Tempio di Zeus Olimpio. Die herausragendsten Fundstücke hier sind zwei mächtige Steinstatuen, die einst Tempeldächer trugen. Eine ist nur liegend zu bewundern, die andere wurde aufgerichtet, sodass deren Größe besser zur Geltung kommt.
Über eine Brücke gelangten wir in den östlichen Teil, wo wir als erstes auf eine noch erhaltene Säulenreihe des Tempio di Ercole stießen. Darum verteilt liegen weitere Überrest des Tempels und bilden ein bizzares Labyrinth.
Als wir unseren Weg fortsetzten, kamen wir auf einen breiteren Weg, der uns einen ersten Blick auf das Highlight der Anlage erlaubte. Vor uns erhob sich der Tempio della Concordia. Der am besten erhaltene Tempel der Anlage. Und wegen seiner exponierten Lage auf einer Erhöhung, war er fantastisch von der untergehenden Sonne illuminiert.
Gleich hinter dem Tempel findet man ein weiteres interessantes Fotomotiv: - den gestürzten Ikarus. Die Bronzefigur mit dem Tempel im Hintergrund dürfte wohl eines der meist fotografierten Motive im Valle dei Templi sein.
Wir folgten dem Weg weiter Richtung Osten und kamen am Arcosoli vorbei. Hierbei handelt es sich um frühchristliche Gräberstätte. Von den Felsengräbern (Nekropolen) sind heute nur noch Reste erhalten, dennoch kann man sich gut vorstellen, wie groß die Verehrung der Toten gewesen sein muss. Die Höhlen in den Fels zu treiben muss unglaublich aufwendig gewesen sein.
Dann erreichten wir das östliche Ende und damit den Tempio di Giunone sowie den östlichen Eingang des Parks. Am dortigen Ticketschalter hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet. Offenbar wollen alle die Tempel bei Sonnenuntergang erleben. Auch wir schlenderten gemütlich zurück zum Tempio della Concordia, der inzwischen in warme Orangetöne getaucht war.
Angesichts der zunehmenden Touristenmassen waren ohnehin keine schönen Fotos vom Tempel mehr möglich, sodass wir lieber das schwindende Tageslicht nutzten, um mit den Rädern wieder zum Campingplatz zu fahren.

Eraclea Minoa - griechische Ruinen

Bei der Internetrecherche für die nächsten Tage sind wir auf Eraclea Minoa, eine weitere griechische Ausgrabungsstätte, gestoßen. Doch bevor wir diese erreichten, unternahmen wir noch einen Abstecher zur Scala dei Turchi. Der aus strahlend weißem Mergel bestehende Felsen wurde durch Wind und Wetter terrassenartig geformt und ragt in das glasklare Wasser des Mittelmeeres hinein.
Doch vor Ort mussten wir feststellen, dass die Hauptattraktion hier die Touristen sind. Ein Parkplatz kostet hier bis 4 Stunden 10 €. Wer vom Parkplatz bis zum Strand mit dem Tuktuk fahren will, zahlt nochmals 2 € pro Person und Strecke. Und steht man dann vor der Felsformation und möchte diese gerne betreten, kommen noch einmal 6 € pro Person obendrauf. Auf die Preise der Bars und Restaurants haben wir gar nicht erst geachtet.
Allerdings müssen wir zugeben, dass der feine Sandstrand und das warme Wasser sehr verlockend sind und die Scala dei Turchi überaus fotogen ist. Dennoch waren wir deutlich schneller wieder unterwegs als erwartet.
Wenig später hatten wir unser Ziel Eraclea Minoa erreicht und waren gespannt, was uns erwartet. Gleich am Eingang gibt es ein kleines Antiquarium mit Fundstücken der Ausgrabungsstätte. Darunter waren auch einige recht interessante Stücke, sodass unsere Vorfreude entsprechend hoch war. Leider wurden wir dann etwas enttäuscht. Die Überreste eines Amphitheaters versteckten sich hinter einem Bauzaun und unter einer gewaltigen Dachkonstruktion ansonsten sind nur einige Grundmauern erkennbar.
Nicht immer kann ein vermeintlich netter Ort oder eine interessante Stätte die Erwartungen erfüllen. Anderen gefällt das ja vielleicht sogar. Also nahmen wir es mit Humor und fuhren noch nach Sciacca für einen kleine Stadtbummel. Die Stadt bietet sich auf jeden Fall für eine Besuch. Allerdings ist es bei sommerlich heißen Temperaturen nicht unbedingt empfehlenswert

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