Sizilien - Inselmodus aktiviert

Teil 3 - Marsala, Salz, Städte und Mafia

Ein Monat auf Sizilien ist rum. Wir hatten ca. 6-8 Wochen geplant und waren erst in Selinunte. Ganz schön viel Strecke noch um die Westküste und entlang der Nordküste zurück.
Und auch die nächsten Tage sollten nicht gerade ereignisarm werden: antike Tempel, ein Rockkonzert, Mafia-Geschichte, Salz und jede Menge sizilianisches Lebensgefühl warteten auf uns.
Wir warem gespannt, wie lange wir tatsächlich auf Sizilien sein werden. Aber angesichts der vielen schönen Erlebnisse bisher freuten wir uns auf das, was noch vor uns lag.

Selinunte - Griechische Tempel und ein Led Zeppelin Konzert

Den Anfang macht Selinunte – oder genauer gesagt Marinella di Selinunte. Der Ort selbst bietet abgesehen von ein paar Bars und Cafés nicht viel und ist dennoch ein Touristenmagnet. Verantwortlich dafür ist der Parco Archeologico di Selinunte.
Selinunte ist eine griechische Siedlung aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. Selinunte soll wohl recht wohlhabend gewesen sein, was auch die große Dichte an Tempeln erklären würde. Rund 300 Jahre später wurde die Stadt 409 v. Chr. von den Karthagern erobert und weitgehend zerstört. Spätere Erdbeben trugen zusätzlich zum Verfall der antiken Stadt bei.
Einer der vielen Tempel wurde 1956 wieder rekonstruiert und zeigt heute die Pracht des Ortes. Im Bereich der Akropolis finden sich besonders viele Ruinen von Wohnhäusern und Geschäften sowie verschiedenen Tempeln.
Wir schlenderten vom Eingang gemütlich zum Tempio E, dem wiedererrichteten Tempio di Hera. Gleich dahinter ging es durch die Trümmerfelder von Tempio di Atena und Tempio di Zeus. Immer wieder waren wir ganz fasziniert von den gewaltigen Ausmaßen der Trümmerteile. Wie hatte man die riesigen Steine in einem Steinbruch gewonnen, an Ort und Stelle gebracht und ohne moderne Technik aufeinandergestapelt?
Das Antiquarium ließen wir zunächst links liegen und statteten dem weniger beachteten Torre Manuzza einen Besuch ab. Von dort aus ging es durch die Porta Nord in die eigentliche Stadt Selinunte. Hier fällt schnell das städteplanerische Geschick der Griechen auf. Der Hauptweg ist 9 m breit, jeder Häuserblock ist exakt 100 Fuß breit und wird durch eine 3,5 m breite Straße getrennt.
Zwar sind von den Wohnhäusern, Geschäften und Arbeitsstätten nur noch die Grundmauern vorhanden. Dennoch konnten wir uns gerade dort besonders gut in das damalige Leben hineinversetzen: wie sich die Bewohner zwischen den Häusern bewegten und die Plätze bevölkerten, wo sie einkauften oder den neuesten Klatsch und Tratsch austauschten.
Wir folgten der Hauptstraße weiter in Richtung Meer und erreichten den ausgedehnten Tempelkomplex. Von den meisten Tempeln sind nur noch die Emporen und Grundmauern sowie die Trümmerfelder zu sehen. Lediglich beim Tempio di Apollo steht eine Reihe der Säulen und lässt dessen Größe erahnen.
Abseits gibt es noch weitere kleine Gebiete mit Ruinen. Da jedoch das Gelände sehr weitläufig ist, entschieden wir uns, den Rückweg anzutreten. Dabei kamen wir erneut am Antiquarium vorbei und schauten dieses Mal hinein. In mehreren Räumen findet man hier Fundstücke aus der Ausgrabungsstätte von winzigen Figuren und Schälchen bis hin zu großen Gefäßen und Überresten von reichverzierten Giebeln. Die Ausstellung rundet den Besuch perfekt ab und man gewinnt einen tieferen Einblick in das damalige Leben.

Damit war unser Besuch in Selinunte allerdings noch nicht vorbei. Schon als wir die archäologische Stätte besichtigen wollten, waren wir auf ein Plakat gestoßen, das ein Led-Zeppelin-Konzert mit Lightshow vor dem Tempio di Hera ankündigte. Neugierig und an Rockmusik interessiert buchten wir kurzerhand Tickets für das Event. Und ja, uns war schon klar, dass nicht Led Zeppelin persönlich auftreten würde. Aber was würde uns denn erwarten? Eine spannende Frage, die unsere Vorfreude verstärkte.
Am Abend der Veranstaltung durften wir schließlich mit den anderen Gästen nach Schließung des Parks über den beleuchteten Weg zum Tempio di Hera. Der Tempel war in warmes Licht getaucht und auf der Bühne davor waren Schlagzeug und Orchesterbestuhlung aufgebaut.
Schließlich wurden bekannte und weniger bekannte Stücke von Led Zeppelin gemeinsam mit dem Orchester neu interpretiert, während der Tempel passend zur Musik immer wieder in neues Licht getaucht wurde.
Nach der etwa zweistündigen Show hatten wir noch Gelegenheit, Fotos von den beleuchteten Trümmerfeldern und dem Tempio di Hera zu machen.
Eine rundum gelungene Show.

Fazit zu Selinunte: Auch wenn Selinunte extrem weitläufig ist und daher durchaus die Nutzung der angebotenen Golfcars sinnvoll sein kann, war es für uns eine der beeindruckendsten archäologischen Stätten auf unserer Reise bis jetzt. Die Trümmerfelder zeugen von der schieren Größe und dem Geschick der Bewohner und die rekonstruierten Teile gestatten es, sich den Prunk und die Pracht besser vorzustellen.

Von Campobello di Mazara bis Mazara del Vallo

Immer wieder hatten wir gehört, dass man sich, wenn man schon Selinunte besichtigt, auch den Steinbruch besuchen sollte, wo das Baumaterial herkam. Also fuhren auch wir zu Cave di Cusa. Vor Ort erwartete uns zunächst ein trostloses Tor ohne Hinweisschilder. Da es offenstand, betraten wir den Bereich und liefen den Pfad entlang. Nirgends ein Hinweis und auch von einer Biletteria keine Spur. Gibt es den Park überhaupt noch? Waren wir hier wirklich richtig? Wir schauten uns noch etwas weiter um und fanden dann tatsächlich etwas versteckt ein kleines Häuschen und hörten Stimmen. Das Häuschen entpuppte sich als die gesuchte Biletteria.
Von dort folgten wir dem einzigen Weg weiter in das Areal hinein. Einige hundert Meter weiter entdeckten wir dann das Highlight des Parks. Vor uns konnten wir gut erkennen, dass hier mehrere gewaltige zylinderförmige Blöcke aus dem Fels geschnitten werden sollten. Bei einem war gerade erst der Anfang geschaffen. Ein weiterer war schon etwas fortgeschrittener, daneben standen zwei bereits vollständig herausgearbeitete Blöcke. Leider fehlte eine Schautafel, die den Prozess erläuterte. Somit mussten wir uns anhand der Spuren die aufwendige Arbeit selbst vorstellen.
Offenbar wurde zunächst mit Hilfe einer Schnur eine Kreislinie in gewünschter Größe eingeritzt. Dann gingen die Arbeiter daran, den Block aus dem Felsen herauszuschlagen. Dabei wurde penibel darauf geachtet, dass der Block kreisrund wird und die Seiten senkrecht sind. Diese Arbeitsweise erforderte aber auch einen erheblichen Materialabtrag, da im Verlauf der Arbeiten die Arbeiter in dem Raum zwischen Block und Fels stehen und arbeiten mussten.
Von dieser Stelle aus liefen wir noch etwas weiter in den Park hinein. Allerdings war alles überwuchert und wegen fehlender Hinweisschilder konnten wir sonst nichts vom ehemaligen Steinbruch erkennen.
Sehr schade, denn aus unserer Sicht könnte man hier deutlich mehr daraus machen. So ist es aus unserer Sicht nur einen Abstecher wert, wenn man die Zeit übrig hat und man mehr über den Bau der Tempel wissen möchte. Aber ohne Schautafeln schon recht schwierig.
Vom Steinbruch aus wollten wir nicht direkt zurück an die Küste, sondern erst einmal einen kleinen Schlenker durch das sizilianische Inland machen.

Campobello di Mazara · Castelvetrano · Nuova Gibellina · Salemi

Um auch mal etwas vom Inland Siziliens zu sehen, hatten wir im Internet recherchiert und hatten einige Orte gefunden, die interessant aussahen.
Den Anfang machte Campobello di Mazara, wo die Chiesa Madre di Santa Maria al Presepe wohl das Highlight sei. Leider, wie so oft, kamen wir offenbar zur falschen Zeit an. Die Kirche war verschlossen, sodass uns nur der Blick auf die Fassade blieb. Der Rest des Ortes bot wenig, was uns veranlasste, schon bald wieder aufzubrechen.
So kamen wir nach Castelvetrano. Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt offenbarte uns, dass es auch hier außer einigen netten alten Fassaden nicht viel zu sehen gibt, sodass auch dieser Stopp recht kurz ausfiel.
Der nächste Ort klang da schon vielversprechender. Nuova Gibellina gilt als eines der größten Freilichtmuseen für zeitgenössische Kunst der Welt. Hintergrund ist das verheerende Belice-Beben von 1968, welches Gibellina fast vollständig zerstörte. Statt den ehemaligen Ort wiederaufzubauen, schufen namhafte Künstler und Architekten 11 Kilometer westlich die neue Planstadt Nuova Gibellina. 2026 wurde der Ort schließlich offiziell zur italienischen Hauptstadt der zeitgenössischen Kunst ernannt.
Also entweder sind wir Kulturbanausen oder einfach nur blind. Die riesige sternförmige Skulptur, die am Ortseingang stehen sollte, mussten wir suchen. Ein als „Theater“ bezeichnetes Bauwerk schien eher ein nie fertiggestelltes riesiges Parkhaus zu sein. Und die Sistema delle piazze ist ein schmuckloser, leerer und trostloser Platz.
Trotz der überschwänglichen Bezeichnung und Ernennung zur Hauptstadt zeitgenössischer Kunst wird sich hierhin wohl kaum ein Tourist verirren. Wir zogen es jedenfalls vor, unsere Fahrt nach Salemi fortzusetzen.
In Salemi sollte es neben einem Castello vor allem ein Mafiamuseum geben. Und da Sizilien die Hochburg der Mafia ist, muss man ein solches Museum mal besucht haben. Nachdem uns das Navi mal wieder kreuz und quer durch die Gassen des Ortes geschickt hatte, konnten wir Felía schließlich auf einem Parkplatz am Rande der Altstadt abstellen. Von dort aus ging es zu Fuß durch die Altstadt hinauf bis zum Castello. Bevor man jedoch die Burg erreicht, steht man zunächst vor der ehemaligen Chiesa Madre di Salemi, von der nur noch der Altarbereich und einige Fundamente existieren. Die Ruine wird aber wegen ihrer Atmosphäre gerne für Aufführungen genutzt. Die Burg ist sehenswert und zum Glück kostenfrei, denn abgesehen von drei weitestgehend leeren Räumen kann man lediglich den Burgturm erklimmen und von dort die Aussicht über das Umland bestaunen. Eine Besichtigung ist sie aber allemal wert.
Dann ging es zu unserem persönlichen Highlight des Tages, dem Mafia-Museum. Dieses umfasst nicht nur die Ausstellung zur Mafia, sondern auch gleich zur Stadt- und Kirchengeschichte und erstreckt sich über zwei Etagen. Gerade im Kirchenteil findet man einige herausragende Stücke sakraler Kunst sowie eine opulent ausgestattete Kapelle. Der Bereich zur Mafia ist dagegen düster und erschreckend. Auch wenn es ausschließlich italienische Erklärungen gibt, bekommt man einen guten Einblick in die Machenschaften der Mafia. Besonders bedrückend war der Raum mit Zeitungsausschnitten aus gut 60 Jahren Mafiageschichte. Anders als in Deutschland war man hier nicht zimperlich und so sind in den Zeitungen großformatige Fotos der Opfer inkl. Blutlache abgedruckt. Das ist sicher nichts für Kinder oder schwache Nerven.
Als wir die Ausstellung schließlich verließen, stolperten wir mitten in eine Hochzeitsgesellschaft hinein. Offenbar war gerade die Trauung in der kleinen Chiesa Matrice dei Gesuiti beendet worden. Dies gab uns die Gelegenheit, einen Blick in die Kirche zu werfen. Ein älterer Herr kam sogleich auf uns zu und forderte uns wild gestikulierend auf, ihm zu folgen. Nein, er komplimentierte uns nicht aus der Kirche, sondern führte uns zur Orgel. Offenbar hatte er erkannt, dass wir die Orgel sehr beeindruckend fanden und wollte uns das Schild zeigen, welches die Orgel auf das Jahr 1711 datiert.

Fazit des Tages: Nicht immer halten die Informationen und Empfehlungen aus dem Internet, was sie versprechen. Abgesehen von Salemi und vielleicht noch Nuova Gibellina waren die Orte nicht wirklich einen Stopp wert.
Nuova Gibellina ist vielleicht noch wegen ihres Grundrisses und der namhaften Künstler und Architekten für den einen oder anderen einen Abstecher wert. Und wenn der Ort ohnehin auf dem Weg nach Salemi liegt, kann man auch gerne kurz anhalten.
Salemi hingegen ist recht sehenswert. Der Tourismus hält sich hier noch in Grenzen, sodass alles noch etwas authentischer und entspannter wirkt. Die Burg hat echtes Potential und das Mafiamuseum ist sehenswert.
Salemi hat uns jedenfalls den sonst unnötigen Ausflug ins Landesinnere derart versüßt, dass wir es nicht bereut haben.

Mazara del Vallo

Mazara del Vallo dürfte wohl eine der ungewöhnlichsten Städte auf Sizilien sein. Ursprünglich wollten wir den Ort wegen des Museo del Satiro Danzante besuchen. Die Bronzestatue des tanzenden Satyrs wurde 1997/98 im Kanal von Sizilien entdeckt. Zunächst verfing sich das linke Bein in den Netzen eines Fischerbootes, ein Jahr später wurde schließlich der Körper geborgen. Die gut zwei Meter hohe Statue wird auf das Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. datiert und zeigt einen ekstatisch tanzenden Begleiter des Dionysos. Neben vielen fein ausgearbeiteten Details fallen vor allem die erhaltenen Augen aus Alabasterkalkstein und Glaspaste auf, die dem Blick einen lebendigen, fast hypnotischen Ausdruck verleihen.
Gleich gegenüber vom Museo del Satiro Danzante gibt es eine kostenlose Ausstellung diverser Miniaturen bedeutender Bauwerke der Stadt. Mit etwas Glück kann man dem Maestro sogar bei der Arbeit über die Schulter schauen.
Von der Piazza Plebiscito schlenderten wir weiter zur Piazza della Repubblica mit der Cattedrale del Santissimo Salvatore und sehenswerten Palazzi. Möchte man von hier aus in die Altstadt eintauchen, kommt man in den ungewöhnlichsten Teil der Stadt, die Kasbah. Richtig gelesen. Nachdem die Araber 827 die Stadt erobert hatten, wurde die Innenstadt im islamischen Stil einer Kasbah errichtet. Erst im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Stadtkern durch barocke Gebäude ergänzt. Auch heute noch leben hier viele Nachfahren albanischer und – nach dem Mittelalter auch wieder – tunesischer Einwanderer.
Aber eine orientalische Kasbah stellten wir uns anders vor. Okay… Die Gassen sind etwas verwinkelt und sehr schmal. Damit hören die Ähnlichkeiten aber auch schon auf. Kein quirliges Markttreiben, keine orientalischen Düfte. Alles, was auf die Kasbah hinweist, sind einige Schilder. Ansonsten ist es ein italienisches Viertel. Trotzdem macht es Spaß, sich in den Gassen zu verlieren und irgendwo wieder auf eine Hauptstraße zu gelangen.
Aber auch die Normannen hinterließen mit der Chiesa di San Nicolò Regale ihre Spuren in der Stadt. Leider war es uns nicht vergönnt, auch nur eine der spannenden Kirchen von innen zu besichtigen.

Marsala - Zwischen Wein, Salz und Mamma Colette

Mamma Colette

Gerade einmal 25 Kilometer von Mazara entfernt liegt der westlichste Punkt Siziliens: Marsala. Und wem jetzt der Name bekannt vorkommt, hat sicher schon von dem hiesigen Likörwein gekostet.
Neben leckerem Marsala hat die Gegend aber noch deutlich mehr zu bieten und lud uns daher ein, gleich eine ganze Woche hier zu verbringen. Eine geeignete Basis war auch schnell gefunden. Direkt am Ufer der Laguna dello Stagnone, die perfekt durch die Isola Grande geschützt ist, liegt das B&B von Mamma Colette. Colette bietet mit ihren 82 Jahren dort mehrere kleine Zimmer sowie Stellplätze für Camper an. Das kristallklare und meist weniger als 2 m tiefe Wasser lädt zu einem erfrischenden Bad ein und die abgeschiedene Lage garantiert ruhige Nächte.
Die resolute und lebensfrohe Colette empfing uns freudig und führte uns durch ihr Reich. Neben Zimmern und Bädern gab es eine große Küche, einen Frühstücksbereich und einen großzügigen Gemeinschaftsbereich mit Koch- und Abwaschinsel. Dafür war der Campingbereich umso kleiner gehalten. Aber wozu auch anders? Es gab ja einen wunderschönen Bereich für alle.
Angesichts des nur geringen Preisunterschieds buchten wir uns ausnahmsweise in eines der Zimmer ein. So stand uns Felía jederzeit für einen Ausflug zur Verfügung, während wir den Komfort eines Zimmers mit Klimaanlage nutzen konnten. Die nötigen Sachen waren schnell ins Zimmer geräumt und Felía durften wir trotzdem mit Landstrom versorgen.
Colette und Luka versorgten uns mit reichlich Infos zu Ausflugszielen und Lokalen sowie allerlei Wissenswertem über die Region, sodass wir die nächsten Tage ganz entspannt planen konnten. Außerdem nutzten wir den Gemeinschaftsbereich und die Zeit, um Büroarbeit zu erledigen.
Als wir dann noch erfuhren, dass Colette auch Kochkurse anbietet, waren wir sofort Feuer und Flamme. Ein kurzes Gespräch, um unsere Wünsche und Vorlieben abzuchecken, dann war der Kurs gebucht. Schließlich fand der Kochkurs mit Roberto statt, was recht witzig war, da Roberto weder Deutsch noch Englisch kann. Somit mussten wir ständig per Übersetzungs-App miteinander kommunizieren. Dennoch ließ es sich Roberto nicht nehmen, uns nicht nur die Herstellung von Nudeln und das Filetieren von Fisch zu zeigen, sondern er erläuterte uns auch die Chemie des Kochens. So erfuhren wir, dass glutenreiches Mehl besser für Nudeln ist, da das Gluten als Kleber fungiert und den Teig zusammenhält. Beim Kochen der Soße wiederum erklärte uns Roberto, dass Salz nicht nur als Geschmacksstoff dient, sondern auch die Säure von z. B. Tomaten geschmacklich abmildern könne. Als dann die Nudeln und die Soße fast fertig waren, wurde etwas Nudelwasser zur Soße hinzugefügt. Dies führt zu einer besseren Bindung der Soße und somit zu einer besseren Haftung an den Nudeln durch die enthaltene Stärke. Wahnsinn! Wir haben nicht nur leckere Nudeln mit Fischsauce gekocht, sondern gleich noch einiges an Hintergrundwissen erfahren. Und das trotz Sprachbarriere.

Marsala

Warum hätten wir bei Marsala einen Stopp einlegen sollen, wenn wir uns nicht auch den Ort ansehen wollten? Und in Marsala gibt es einiges zu sehen.
Der Zugang zur Altstadt ist besonders nett durch die Porta Garibaldi mit dem Santuario Maria Ss. Addolorata oder durch die Porta Nuova. Hat man die Altstadt betreten, taucht man auch gleich ins touristische Getümmel ein. Dennoch hatten wir das Gefühl, hier noch ein Stück echtes italienisches Lebensgefühl zu erleben. So holten sich viele Italiener ihren typischen Caffè und setzten sich dann zu einem Plausch auf die Stufen des Palazzo VII Aprile.
Wir hingegen schlenderten gemütlich durch die Gassen, bestaunten die malerischen Fassaden und warfen einen Blick in Kirchen, die zugänglich waren. Letzteres ist gar nicht so einfach. Entweder es findet gerade ein Gottesdienst oder eine Hochzeit statt oder die Kirche hat geschlossen. Dafür überraschte uns die Chiesa del Purgatorio mit bequemer Theaterbestuhlung statt der schlichten Holzbänke. Offenbar finden hier nicht nur Gottesdienste, sondern auch Konzerte oder Aufführungen statt.
Nachdem wir uns ausgiebig in der Altstadt umgesehen hatten, zog es uns zu einer Sehenswürdigkeit gleich außerhalb der Stadtmauer. Der Parco archeologico Lilibeo mit dem Museo Archeologico Baglio Anselmi lockt mit faszinierenden Mosaiken in den Überresten einer Therme sowie einer antiken römischen Straße. Im angeschlossenen Museum konnten wir außerdem neben den üblichen Fundstücken wie Amphoren, Öllämpchen und ähnlichem, vor allem die Überreste mehrerer Kriegsschiffe bewundern, die vor der Küste Siziliens entdeckt wurden. In mehreren Videos wurden die Schiffe wieder zum Leben erweckt und man erhält einen tieferen Einblick in die frühe Seefahrt.

Doch das Klima Siziliens und vor allem an der Westküste eignet sich nicht nur hervorragend für den Weinanbau. Wie wir herausfanden, bietet es auch beste Voraussetzungen für die Gewinnung von Meersalz. Vor allem die flache und gut geschützte Lagune ist bestens geeignet, um Salinen anzulegen. So ist es nicht verwunderlich, dass hier schon recht früh mehrere Salinen angelegt wurden und noch bis heute fast unverändert Salz produziert wird.
Die Saline Genna bietet nicht nur ein hochpreisiges Restaurant mit Barbetrieb an, sondern für Interessierte auch eine geführte Tour durch die Saline. Da wir beide sehr daran interessiert waren, mehr über den aufwendigen Prozess der Meersalzgewinnung zu erfahren, schlossen wir uns einer solchen Führung an. Als die Tour startete, erwartete uns eine erste Überraschung: Wir waren die einzigen Teilnehmer. Und dann überraschte uns die Führerin auch noch mit einigen Brocken Deutsch. Sie führte uns über das Gelände, zwischen den einzelnen Salinenbecken hindurch und erläuterte uns Schritt für Schritt den gesamten Prozess. Dieser beginnt bei den Vor- bzw. Ruhebecken, die gleichzeitig als Schutz für die Saline dienen. Von dort wird das Wasser in die ersten Becken geleitet, wo es sich erwärmt und teilweise verdunstet. Dabei setzt sich am Boden eine Lehmschicht ab, die beim Errichten der dritten Becken als Filterschicht eingesetzt wird und um die Stege zwischen den Becken zu befestigen.
Hat das Wasser den richtigen Salzgehalt erreicht, wird es in die zweite Stufe geleitet. Dort erwärmt es sich weiter und der Salzgehalt erhöht sich erneut. Hier entsteht auch die typische rosa Färbung durch Mikroorganismen. Diese ziehen regelmäßig auch Flamingos an. Dann ist es endlich soweit und das Wasser gelangt in die letzten Becken. Hier verdunstet es endgültig und zurück bleibt das begehrte Meersalz. Dieses muss dann nur noch gelöst, aufgehäuft und abtransportiert werden.
Aber ist das jetzt das Fior di Sale? Nein! Das so produzierte Salz ist ganz normales grobkörniges Meersalz. Aufgrund seiner Herstellung und der natürlichen Inhaltsstoffe ist es aber schon deutlich teurer als Steinsalz. Beim Fior di Sale sieht das anders aus. Fior di Sale entsteht nur unter ganz bestimmten klimatischen Bedingungen. Hier kristalliert das Salz an der Oberfläche des Wassers in hauchdünnen Flocken. Diese werden aufwendig per Hand abgeschöpft. Fior di Sale ist deshalb auch noch mal teurer als Meersalz. Nicht umsonst gilt es als die „Königin der Salze“. Allerdings nutzt man Fior di Sale auch nicht einfach zum Würzen von Speisen, sondern lediglich zur besonderen Verfeinerung.

Bei Colette hatten wir neben Roberto auch noch Luca kennengelernt. Er ist ein guter Freund von Colette und hilft ihr, wo er nur kann. Da wir uns recht gut mit ihm verstanden, lud er uns ein, Marsala am Abend zu erleben. Zusammen mit einem weiteren Pärchen vom Campingplatz fuhren wir nach dem Abendessen in die Stadt. Dort führte uns Luca zu seinen Lieblingsplätzen und zeigte uns das beste Lokal für leckere Granita.
Schon faszinierend zu sehen, wie voll die Gassen am Abend sind. Aber eigentlich kein Wunder. Am Tag ist es bei rund 40°C auch kaum auszuhalten.
Vielen Dank an Luca für diesen gelungenen Abend.

Mozia

Von Marsala aus kann man verschiedene Bootsausflüge unternehmen, da es dort verschiedene Inseln zu erkunden gibt. Allen voran sicher Favignana und die Isola Grande. Aber auch in der Laguna dello Stagnone liegt eine kleine Insel, Mozia. Die ganze Insel ist ein Freilichtmuseum, da hier im 8. Jahrhundert v. Chr. eine Handelskolonie der Phönizier bestand. Auf einem etwa einstündigen Spaziergang umrundet man die Insel und gelangt zu mehreren Ausgrabungsstätten. Darunter auch einige gut erhaltene Mosaike und ein ehemaliges Hafenbecken.
Um 1900 siedelte sich die britische Familie Whitaker auf der Insel an, errichtete einen Landsitz und begann mit den Ausgrabungen. Im ehemaligen Wohnhaus ist heute ein Museum mit Fundstücken von Mozia und der Umgebung eingerichtet. Das Highlight hier ist aber der Jüngling von Mozia. Dabei handelt es sich um eine Marmorstatue aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. mit einem fein gearbeiteten Gewand. Speziell daran ist aber die maskuline Gestalt mit deutlich femininen Zügen.
Eine weitere Besonderheit lässt sich zwar von der Insel aus in ihrer ganzen Länge besser sehen, vom Boot aus dafür wesentlich deutlicher erkennen. Die Insel Mozia war zu phönizianischen Zeiten über eine befestigte Straße mit Sizilien verbunden. Heute liegt die gepflasterte Straße etwa 50 cm unter der Wasseroberfläche. Bucht man nicht nur eine Überfahrt zur Insel, sondern eine kleine Rundtour, fährt man mit dem Boot ein Stück an dieser Straße entlang und kann sie aus der Nähe betrachten.

Fazit zu Mozia: Die Überfahrt mit Tour für 13 € pro Person sollte man mitnehmen (reine Überfahrt 6 €), da man schon einen Blick auf die Insel werfen kann und einige Erläuterungen - auch auf Deutsch - erhält. Zudem hat man vom Wasser aus einen ganz anderen Blick auf die Insel und einige der Ausgrabungen.
Das Museum bzw. die Insel kostet noch einmal 12 € Eintritt. Schade, dass dafür der Rundweg eher schlecht ausgeschildert ist und es zu wenige Infotafeln zu den Ausgrabungen gibt.
Das Museum wiederum ist sehr sehenswert mit den vielen Fundstücken aus verschiedenen Epochen. Und der Jüngling von Mozia allein ist den Besuch wert.
Zur Erfrischung gibt es ein kleines schattiges Café, wo es außergewöhnliche Sorten Granite und inseleigenen Wein gibt.

Tipp zur Besuchszeit
Um der Tageshitze zu entgehen, empfehlen wir einen Besuch von Mozia am zeitigen Vormittag. Alternativ kann man die Insel auch am späteren Nachmittag bzw. frühen Abend besuchen, dann kann man den Tag gleich mit einem Aperitif an der angrenzenden Saline ausklingen lassen.

Trapani & Erice

Nach einigen erholsamen, erlebnisreichen und heißen Tagen bei Marsala und Mamma Colette zogen wir weiter und umrundeten die Laguna dello Stagnone auf dem Weg nach Erice. Erice kann man zwar mit dem Auto anfahren, muss dazu aber einige Serpentinen in Kauf nehmen. Gemütlicher und vermutlich auch schöner ist die Nutzung der Seilbahn. Da dies auch unser Plan war und die Talstation in Trapani liegt, steuerten wir zunächst die Altstadt dieses Küstenortes an.
Vorbei an der ehemaligen Chiesa di S. Agostino tauchten wir in die Gassen der Altstadt ein. Auf dem Weg hinunter zur Marina kamen wir auch an der schönen Cattedrale di San Lorenzo vorbei. Leider konnten wir nur von weitem einen kurzen Blick hinein erhaschen, da gerade ein Heer an Menschen dabei war, die Kathedrale für eine Hochzeit zu schmücken.
Daher setzten wir unsere Erkundungstour fort und erreichten wenig später die Landspitze mit dem Torre di Ligny. Da es ab hier nur noch mit dem Schiff weitergehen würde, machten wir kehrt und schlenderten weiter durch die Altstadt.

Schließlich war es an der Zeit nach Erice zu gelangen. Dies bedeutete zunächst, sich durch das Einbahnstraßengewirr von Trapanis Altstadt zu quälen und dann dem italienischen Stadtverkehr zu trotzen, um den Parkplatz an der Talstation zu erreichen. Zum ersten Mal hatten wir in Italien einen leeren Parkplatz gesehen. Normalerweise waren wir immer auf der Suche nach einem freien Stellplatz. Aber hier… Sehr komisch. Zwei große Parkplätze direkt an der Talstation der Seilbahn nach Erice leer? Irgendetwas konnte hier nicht stimmen. Die Lösung war einfach: Die Seilbahn war außer Betrieb. Vermutlich wurde der Betrieb wegen eines frischen Windes eingestellt. Tja, da half alles nichts, Felía musste uns nach Erice hinaufbringen.
Das mittelalterliche Bergdorf liegt auf etwa 700 Metern über dem Meer und ist komplett von der alten Stadtmauer umgeben. Da der Ort selbst autofrei ist, konnten wir uns herrlich durch die Gassen mit Kopfsteinpflaster treiben lassen. Einziger Wermutstropfen: Erice ist das touristische Highlight an der Westküste Siziliens und damit entsprechend überlaufen. Das wiederum lässt man sich natürlich nicht entgehen und so kosten praktisch alle Kirchen und Sehenswürdigkeiten Eintritt. Es gibt zwar ein Kombiticket für alles, welches bei unserem Besuch bereits 16 € kosten sollte. Hätten wir alle Eintritte einzeln bezahlt, wären wir sogar auf über 50 € gekommen. Schade! Da uns nicht klar war, was wir alles auch von innen besichtigen wollen, verzichteten wir einfach gleich ganz. Das war auch gut so, denn es stellte sich zudem raus, dass viele der Kirchen zu hatten. Aber der Real Duomo mit seinem separaten Glockenturm ist auch von außen schon sehr sehenswert. Zudem ist Erice als Ganzes ohnehin ein Freilichtmuseum. Und wer Lust und Laune hat, kann sich auch noch kostenlos durch die angebotene Kulinarik schlemmen. Denn nicht selten bieten die Läden ihre regionalen Köstlichkeiten gerne zur Verkostung an. Wer außerdem genug Zeit und Geduld mitbringt, sollte sich bei der Pasticceria Maria Grammatico anstellen und eine legendäre Genovese probieren.
Weitere Highlights der Stadt sind die beiden Burgen Castello del Bálio und Castello di Venere sowie die grüne Oase Giardino del Balio, die einen Besuch in Erice wundervoll abrundet.
Das kleine mittelalterliche Örtchen hat uns von Beginn an für sich eingenommen. Auch wenn der Touristentrubel nicht ganz unseres ist, so konnten wir doch hier und da in weniger besuchte Gassen abtauchen. Dazu die vielen kleinen Details wie alte Türklopfer, der Futternapf für die Straßenkatzen und der Blumentopf als Kräutergarten. Und mit etwas Glück kann man auch mal einen Blick in einen privaten Innenhof erhaschen.

Tipps für deinen Besuch in Erice:
Plane mindestens 2-3 Stunden für den Rundgang durch Erice ein, denn es gibt viele verwinkelte Gassen und zahlreiche Kirchen zu sehen.
Zieh festes Schuhwerk an. Das Kopfsteinpflaster sollte man nicht unterschätzen. Hunderte Jahre und tausende Touristen haben ihre Spuren hinterlassen. Es ist stellenweise sehr rutschig. Und wenn es feucht wird, kann es gefährlich glatt werden.
Sei auf alles vorbereitet. Hier oben kann es schnell kühl werden oder eine ordentliche Brise aufkommen. Aber vor allem… rechne mit Nebel. Nebel ist in Erice keine Seltenheit, sondern schon fast ein Markenzeichen. Selbst auf Google Maps hüllen sich die Burgen in dichten Nebel. Wir hatten Glück 😉.
Wenn die Seilbahn fährt, nutze sie. Zum einen sind die Parkplätze bei Erice begrenzt und zum anderen soll der Ausblick fantastisch sein.

Strand, Antike, Therme & Mangofest

San Vito Lo Capo - Die Malediven von Italien

Nach einer ruhigen Nacht bei Pizzolungo brachen wir in Richtung der Nordküste von Sizilien auf. Einen ersten Stopp legten wir beim Badeort San Vito Lo Capo ein, in der Hoffnung dort in das türkisfarbene Wasser eintauchen zu können.
Doch der Ort hatte sich inzwischen auf die Touristen eingestellt, die bereit sind für einfach alles Geld zu bezahlen. Die Strandpromenade hat mehr Ähnlichkeit mit Kalifornien als mit Italien. Sogar ein Open-Air-Fitnessstudio gibt es dort. Und der Strand? Ohne Eintritt gibt es quasi keinen Platz mehr.
Wir beließen es dabei, die Strandpromenade entlang zu schlendern und dann früher als gedacht weiterzufahren.
Aber wir wollen den Ort nicht schlechtreden. Der Küstenort wird nicht umsonst auch als „Malediven von Italien“ bezeichnet. Und wer es etwas ruhiger mag, für den bieten sich Wanderungen rund um San Vito Lo Capo an. Z. B. im Riserva Naturale Orientata dello Zingaro oder zum Monte Monaco. Bei fast 40°C war das aber für uns keine lockende Alternative.

Segesta - antike Stätte und heiße Quellen

Da unsere Tagesplanung ohnehin weitere Stopps enthielt, brachen wir von San Vito Lo Capo frühzeitig auf in Richtung Segesta. Wie sich herausstellte, war der Zeitgewinn Gold wert.
In Segesta wollten wir als erstes den Parco Archeologico di Segesta besuchen. Auf zahlreichen Bildern hatten wir bereits Aufnahmen vom Tempio und dem Teatro gesehen. Diese archäologische Stätte wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.
Und vor Ort wurden wir auch nicht enttäuscht. Die weitläufige Anlage kann man gut zu Fuß bewältigen. Für weniger fitte Menschen gibt es aber auch einen Busshuttle zwischen dem Eingang und dem Teatro. Allerdings müssen das kleine Museum und die Ruine eines weiteren Tempels dennoch zu Fuß erreicht werden und auch das Teatro liegt nicht unmittelbar an der Busstation.
Vom Eingang wendeten wir uns zunächst den etwas abseits gelegenen Plätzen zu und marschierten den Fußweg hinauf. Erster Stopp: das Antiquarium. Es besteht nur aus wenigen kleinen Räumen, zeigt aber einige der Fundstücke aus der Anlage. Anschließend ging es den etwas beschwerlicheren Weg hinauf zu den Ruinen des zweiten Tempels. Mehr als ein paar Grundmauern sind zwar nicht mehr vorhanden, dafür ist der Blick hinunter zum Haupttempel umso großartiger. Nun stand nur noch der letzte Anstieg zum Teatro bevor. Der Weg führt durch die Überreste diverser Gebäude und an der Ruine des Castello di Calatabarbaro vorbei. Dann öffnet sich der Blick auf das Teatro di Segesta.
Beim Blick von den oberen Rängen hinab zur Bühne kann man sich gut vorstellen, wie es zur damaligen Zeit gewesen sein muss, einer Aufführung beizuwohnen. Hat man den Blick genossen, kann man die alten Stufen hinabsteigen und die altehrwürdige Bühne betreten. Was für ein Blick auf die Zuschauerränge! Man ist fast automatisch versucht, sich in Pose zu stellen für seinen Auftritt als Schauspieler.
Vom Teatro geht es nur noch zurück und dann weiter zum Tempio Èlimo di Segesta. Dieser antike griechische Tempel wurde bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. errichtet. Wieder einmal fragten wir uns, wie man mit dem damaligen Wissen und der antiken Technik ein solches Bauwerk errichten konnte. Zudem hatten wir hier auf Sizilien schon verschiedene Tempelanlagen besichtigt und dabei auch erfahren, dass man sich schon damals sehr viel mit Ästhetik auseinandergesetzt hatte. So musste unter anderem der dorische Eckkonflikt gelöst werden.

Fazit: Der Parco Archeologico di Segesta ist definitiv einen Abstecher wert. Das gut erhaltene Teatro und der Tempio Èlimo liegen malerisch inmitten der Hügellandschaft von Segesta und sind hervorragend angebunden.
Für den Besuch empfehlen wir aber festes Schuhwerk und genug zu trinken. Es gibt zwar ein Café mit Erfrischungsgetränken, aber die Wege sind lang und es gibt kaum Schatten.
Für den Besuch sollte man gut und gerne 1,5 bis 2 Stunden einplanen.
Wer sich rechtzeitig informiert, kann auch an Aufführungen im Teatro oder dem Tempio teilnehmen.

Wer sich eine solche antike Stätte anschaut, sollte auch mal entspannen. Und wo kann man das besser tun als in einer heißen Quelle. Unweit des archäologischen Parks hatten wir eine solche entdeckt und wollten sie anfahren. Aber Achtung! Die Anfahrt ist alles andere als autofreundlich. Es gibt die kostenpflichtige Terme Segestane und den kostenfreien Thermalpool. Fährt man diesen über die Therme an, gibt es an der Straße keine Parkmöglichkeiten. Man muss also zwingend zum Parkplatz hinunterfahren. Der Weg dorthin ist sehr schmal und in grausamem Zustand. Zum Glück gibt es nach wenigen Metern einen Platz, wo man parken kann. Wer sich traut, kann auch noch das letzte steilere Stück hinabfahren. Allerdings empfiehlt sich dafür genug Bodenfreiheit und Allradantrieb. Inzwischen haben wir herausgefunden, dass es noch einen weiteren Parkplatz gibt. Ob die Zufahrt besser ist, können wir aber nicht sagen.
Nachdem wir Felía sicher abgestellt hatten, schlüpften wir in unsere Wasserschuhe und Badesachen, dann ging es hinab zum Thermalpool. Aber bevor man diesen erreicht, mussten wir uns erst einen Weg durch Schilfdickicht und über einen Bachlauf suchen. Gut versteckt am Fuße einer Felswand liegt der blauschimmernde Thermalpool. Die Lage und der Anblick versprachen Entspannung pur – das über 40°C heiße Wasser ist allerdings nur was für Hartgesottene oder Menschen mit ganz viel Zeit. Aber wenigstens niedersetzen und die Füße ins Wasser strecken geht irgendwie.

Balestrate - Touristen, Flanieren und ein Fest

Zum Abschluss dieses ereignisreichen Tages ging es nach Balestrate. Aber Balestrate ist wegen seines langen Sandstrandes auch schon bei Touristen beliebt und das Stadtzentrum mit Bars, Restaurants und Läden darauf eingestellt.
Auch wir mischten uns unter das Volk und schlenderten die Via Madonna del Ponte entlang und beäugten neugierig die Speisekarten der Lokale. Irgendwie war uns heute nicht nach Vespern im Bulli. Schließlich entschieden wir uns für eine Bar mit Terrasse und Blick über die Flaniermeile. Dies bot uns auch gleich noch die Gelegenheit, Balestrate nach Sonnenuntergang zu erleben, also dem Zeitpunkt, wo offenbar das Leben erst so richtig beginnt.
Dabei kamen wir auch an der Piazza Rettore Filippo Evola vorbei, wo gerade einige Stände aufgebaut waren und offenbar die Erntesaison der sizilianischen Mango gefeiert wurde. Das Festival „Tropicalia - Le vie del mango“ bot Verkostungsstände, Kochshows und mehr rund um die Mango und andere tropische Früchte der Region – und das alles vor der Kulisse der Parrocchia Sant'Anna. Ob man will oder nicht, um eine Kostprobe kommt man hier nicht herum. Egal ob Mangolikör, unbekannte Früchte oder einfach ein Stück frische Mango – sobald man sich auch nur etwas mehr für einen Stand zu interessieren scheint, hat man eine Probe in der Hand. Und an einem milden Sommerabend passen ein paar Stücke köstlicher Mango als Snack in jedem Fall.

Palermo - Siziliens pulsierendes Herz

Viele Wochen hatten wir inzwischen auf Sizilien verbracht und dabei unzählige wundervolle Orte gesehen. Jetzt war es aber an der Zeit, den Hauptort der Insel – Palermo – zu erkunden. Man kann zwar die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an nur einem Tag erkunden, aber empfehlen können wir das nicht. Da zudem mal wieder Büroarbeit anstand und ein Defekt am Rechner fachkundige Hilfe benötigte, quartierten wir uns auf dem Gelände einer Gartenanlage bei der Ortica Green Bar ein. Der Platz liegt strategisch günstig am Stadtrand, ist nachts ruhig und wichtige Infrastruktur ist fußläufig erreichbar. Und gleich um die Ecke liegt eine Bushaltestelle, von wo man direkt in die Innenstadt gelangt.
Unser erster Spaziergang führte uns durch das Viertel Resuttana-San Lorenzo mit seinen in den 70er und 80er errichteten Wohngebäuden. Anders als in den meisten italienischen Städten gibt es hier breite Gehwege und begrünte Alleen, die gesäumt sind von netten Bars, kleinen Restaurants und allen nötigen Geschäften.
Dottor Notebook konnte am Ende zwar den Laptop auch nicht retten, aber zumindest die Daten sichern und uns damit davor bewahren, die Arbeit der letzten Tage und Wochen zu verlieren.

Da wir uns in Palermo haben treiben lassen, waren wir mehrere Tage dort und haben uns immer nur einige Ecken mit ganz viel Genuss angeschaut. Daher wollen wir hier gar nicht erst versuchen, alle Erlebnisse detailliert zu erzählen. Stattdessen möchten wir euch auf einen Spaziergang durch die Stadt mitnehmen und euch dabei die schönsten Ecken zeigen.

Wer nur wenig Zeit hat, aber die Seele Palermos entdecken möchte, dem empfehlen wir einen Spaziergang entlang der Via Vittorio Emanuele. Als älteste Hauptachse der sizilianischen Hauptstadt verbindet sie das Meer mit dem Königspalast. An ihr reihen sich einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Palermos wie Perlen an einer Schnur.
Der Spaziergang startet am Triumphbogen Porta Nuova. Gleich rechter Hand nach der Durchquerung des Tores liegt der sehenswerte Palazzo dei Normanni. Der einstige Sitz der Könige von Sizilien spiegelt den einzigartigen arabisch-normannisch-byzantinischen Stil der Stadt wider. Das absolute Juwel im Inneren ist die Cappella Palatina mit ihren weltberühmten, goldenen Mosaiken, die uns sprachlos machten.
Nur wenige Schritte weiter ragt die majestätische Cattedrale di Maria Santissima Assunta auf. Das Gesamtkunstwerk ist ein steinernes Geschichtsbuch: Arabische Bögen, normannische Türme und eine barocke Kuppel. Nachdem wir noch den Abschluss einer opulenten Hochzeit beiwohnen durften, konnten wir die Kathedrale betreten und den prachtvollen Innenraum erkunden. Für ein paar Euro hätten wir der Kirche auch noch aufs Dach steigen können. Von dort hätte man einen Panoramablick über die Dächer der Altstadt gehabt. Für uns ging es jedoch weiter in die Altstadt hinein.
Dabei kommt man unweigerlich am No Mafia Memorial vorbei. Das kostenlose Projekt ist beeindruckend und erschütternd zugleich. Mit viel Herzblut und Mühe wurden hier Zeitungsartikel, Fotos und andere Fundstücke zur Geschichte der Mafia auf Sizilien zusammengetragen. Ein Teil der Ausstellung widmet sich außerdem der Geschichte des sizilianischen Banditentums und seinen Verflechtungen mit Politik und Mafia.
Gleich nach diesem Museum betritt man die Piazza Villena mit dem Quattro Canti. Die vier konkaven Fassaden repräsentieren die vier Jahreszeiten, vier spanische Könige und die vier Schutzpatroninnen Palermos.
Gleich rechts der Piazza kann man den monumentalen Brunnen Fontana Pretoria mit seinen detailreichen Marmorstatuen bestaunen. Doch dann sollte man einen Abstecher nach links die Via Maqueda hinunter bis zur Piazza Giuseppe Verdi unternehmen. Dort erhebt sich das Teatro Massimo. Auf dem Rückweg kann man gerne einen Blick ins Museo delle Città del Mondo werfen.
Zurück auf der Via Vittorio Emanuele geht es weiter Richtung Meer, wo sie an der Porta Felice endet.

Wer sich für sakrale Bauten begeistert, dem empfehlen wir einen Besuch der Chiesa di Santa Teresa alla Kalsa. Da sie abseits der Touristenpfade liegt, ist sie deutlich weniger überlaufen und bietet noch die Stille einer Kirche. Aber auch die Chiesa di Santa Maria dell'Ammiraglio im Zentrum mit ihren üppigen Fresken (UNESCO-Weltkulturerbe) und die kleine Chiesa di San Cataldo sollte man besichtigen. Eine weitere sehenswerte Kirche ist die Chiesa del Gesù an der Piazza Casa Professa.
Etwas abgelegener, aber unbedingt einen Besuch wert sind die Catacombe dei Cappuccini (absolutes Fotografie-Verbot beachten). Auch wir stiegen in die schaurig-schönen Katakomben hinab. Ein Rundweg führt durch die Ruhestätte zahlreicher Toter, die hier teils kunstvoll an den Wänden aufgestellt und befestigt wurden. Einige der Toten sind derart mumifiziert, dass Haare und Gesicht noch gut erhalten sind. Von vielen anderen sind nur die Skelette in ihrer Kleidung erhalten. Nicht selten hatten wir das Gefühl, die Toten würden uns beobachten, anlächeln und willkommen heißen. Das absolute Highlight dort ist aber die Kinderleiche von Rosalia Lombardo, der „schönsten Mumie der Welt“. Trotz des morbiden Charmes, war für uns der Besuch der Katakomben unfassbar faszinierend und schön.
Wir könnten an dieser Stelle noch zeilenweise hochinteressantes Wissen über die Katakomben schreiben. Aber lieber verweisen wir auf die beiden vorher genannten Links und weitere Verlinkungen bei Wikipedia.

Weitere Sehenswürdigkeiten in und um Palermo:
Der Palazzo della Zisa, eine Sommerresidenz aus dem 12. Jahrhundert im arabo-normannischen Stil. Heute ist es UNESCO-Weltkulturerbe und beherbergt ein Museum für islamische Kunst. Die Highlights hier sind der Brunnen und die Wandbilder in der Eingangshalle.
Die Ponte dell'Ammiraglio wurde ebenfalls im 12. Jahrhundert im Auftrag von Georg von Antiochien, dem Admiral des normannischen Königs Roger II., erbaut und überspannte einst den Oreto. Der Fluss wurde jedoch nach einer verheerenden Überschwemmung 1931 umgeleitet.
Das Santuario di Santa Rosalia außerhalb der Stadt auf dem Monte Pellegrino geht auf die heilige Rosalia zurück. Rosalia war ursprünglich Tochter eines normannischen Grafen und wurde um 1130 geboren. Sie verließ ihr reiches Elternhaus und ging zunächst ins Kloster, bevor sie schließlich als Einsiedlerin in eine einsame Grotte auf dem Monte Pellegrino zog, wo sie 1166 starb. Jahrhunderte später als 1624 eine Pestwelle über Palermo hereinbrach, sollen Rosalias Gebeine nach einer Vision in der Grotte auf dem Monte Pellegrino gefunden worden sein. Im folgenden Jahr erschien Rosalia der Überlieferung nach dem verzweifelten Seifenmacher Vincenzo Bonelli und forderte ihn auf, dem Erzbischof mitzuteilen, ihre Gebeine in einer Prozession durch Palermo tragen zu lassen. Am 9. Juni 1625 fand diese Prozession statt und die Pest ging anschließend zurück. Seither wird Rosalia als Schutzpatronin der Stadt verehrt.

Ein letzter Abschnitt - Städte, Strände und eine tierische Begegnung

Es war so weit: Unsere Tour über Sizilien ging zu Ende. Mit Palermo hatten wir die letzte größere Stadt hinter uns gelassen und fuhren nun wieder Messina entgegen. Von dort sollte es wieder aufs Festland gehen. Aber ein paar Tage blieben uns noch und die wollten wir nutzen.

Cefalù - UNESCO, Duomo und touristische Altstadt

Auch wenn Cefalù touristisch ziemlich überlaufen ist, kommt man bei einer Reise über Sizilien kaum an der Stadt vorbei. Daher wollten auch wir uns die historische Altstadt ansehen. Aber Achtung! Es gibt zwar einige Parkplätze, die auch nicht überteuert sind. Allerdings macht es das Einbahnstraßensystem einem nicht leicht, diese zu erreichen. Als wir einige Schleifen gedreht hatten, konnten wir Felía unweit der Altstadt abstellen.
Zunächst ging es entlang der Strandpromenade und dem Stadtstrand voller Sonnenanbetern bis zur Piazza Cristoforo Colombo.
Dort beginnt das Gewirr aus schmalen Gassen, die von Restaurants, Cafés und Shops gesäumt sind. Zum Glück ist die Altstadt übersichtlich aufgebaut. Es gibt zwei Hauptachsen in Nord-Süd-Richtung und diverse Quergassen. Somit konnten wir uns treiben lassen und fanden dennoch unweigerlich zum Duomo di Cefalù. Er gehört – wie könnte es anders sein – zum UNESCO-Weltkulturerbe. Einmal mehr war es uns wegen der Öffnungszeiten nicht vergönnt, alle Bereiche des Doms zu besichtigen. Wir mussten uns damit begnügen, nur den Innenraum mit der markanten Holzdecke betreten zu dürfen. Besonders sehenswert sind das Apsismosaik von 1148 und das Taufbecken aus Muschelkalk aus dem Jahr 1588. Doch dann mussten wir schleunigst das Gotteshaus verlassen, da ein Gottesdienst anstand.
Vom Dom aus schlenderten wir noch ein wenig durch die Altstadt, bis uns der Hunger in eines der vielen Lokale lockte. Wir entschieden uns schon extra für eines, welches mehr nach Bistro als Restaurant aussah. Dennoch mussten wir erneut feststellen: In touristischen Orten wird man abgezockt. Da Trinkgelder in Italien unüblich sind, gibt es häufig eine Servicegebühr – Coperto oder Servizio – bei Tischnutzung. Diese kann ganz unterschiedlich ausfallen. Aber es gibt eine Regel: Kaum touristisch = nicht existent; sehr touristisch = sehr hoch. Dazu kommt, dass auch die Preise seltsamerweise sprunghaft ansteigen. In Cefalù mussten wir schließlich 3 € pro Person Coperto bezahlen und der kleine Espresso – korrekt geordert „un caffè, per favore“ – kostete plötzlich 2 € statt der üblichen 1,20 €.
Wir ließen uns weder von den Preisen noch vom touristischen Trubel die Laune verderben, dennoch hatten wir bald genug von der Altstadt gesehen, sodass wir Cefalù den Rücken zukehrten und weiter Richtung Messina fuhren.

Santo Stefano di Camastra - Das entspanntere Caltagirone

Da wir uns schon für einen Schlafplatz entschieden und daher noch genug Zeit hatten, wollten wir die Seele baumeln lassen und ganz im Sinne von „la dolce vita“ den Nachmittag genießen. Dafür eignete sich Cefalù für uns nicht, dafür aber Santo Stefano di Camastra.
Der kleine Ort ist genau das Gegenteil von touristisch und trotzdem gibt es überraschend viele Cafés und Keramikgeschäfte. Gerade die vielen Keramikgeschäfte hätten wir hier nicht erwartet, da die üblichen Touristen fehlten. Also wem die Keramikhauptstadt Caltagirone zu trubelig ist, findet in Santo Stefano di Camastra das entspannte Pendant. Dazu noch einen ungewöhnlichen Grundriss der Stadt und budgetfreundliche Preise.
Im Caffè Belvedere di Pasquale Dragotto ließen wir uns daher gerne Granita, Gebäck und Crema al caffè schmecken und beobachteten die vorbeiziehenden Italiener. Später ging es mitten durch die Altstadt zurück zu unserem Genuss-Bus. Dabei kamen wir an der sehenswerten Chiesa Madre di San Nicola vorbei und warfen einen Blick hinein.

Foxy - eine tierische Begegnung

Eigentlich schreiben wir nicht wie in einem Tagebuch, und über die vielen schönen tierischen Begegnungen haben wir auch selten berichtet. Und jetzt haben wir gleich mit beidem gebrochen. Aber diese Begegnung wollten wir auch ganz bewusst für uns festhalten, hat sie uns doch auch noch Wochen später emotional beschäftigt.
Für die Nacht hatten wir uns einen kostenfreien Platz direkt am Meer herausgesucht. Selbstverständlich haben wir uns an die Regel gehalten, dass man dort kein Campverhalten an den Tag legt – Tische und Stühle sowie die Markise blieben drinnen – und der Müll wird wieder mitgenommen. Dafür standen wir super entspannt im Schatten direkt oberhalb eines Kieselstrandes – und das Wasser lud zum Baden ein.
Aber das emotionale Highlight kam erst am nächsten Morgen. Wir waren gerade dabei, alles für das Frühstück vorzubereiten, als plötzlich ein kleiner Hund angeschossen kam. Ein skeptischer Blick von ihr und eine aufmunternde Geste von uns und schon war Kuscheln angesagt. Als die kleine Hundedame Andrea im Auto bemerkte, sprang sie immer wieder aufgeregt herum. „Wann kommst du endlich raus?“ Schließlich folgte sie uns zu einigen nahe gelegenen Tischen und kam immer wieder für Streicheleinheiten heran.
Nach dem Frühstück ging es zurück zum Parkplatz und sie folgte uns erneut. Dort tollte sie wild ums Auto und schnüffelte neugierig in der Gegend herum. Wegen ihres Aussehens hatten wir ihr inzwischen den Namen Foxy verpasst. Ganz besonders überrascht hatte uns aber, dass Foxy immer wieder zu uns zurückkehrte, fast so, als wolle sie nachschauen, ob wir noch da sind.
Schließlich war der Moment der Wahrheit gekommen. Wir waren fertig zur Abfahrt. Sollten wir uns von Foxy noch einmal verabschieden? Vielleicht besser nicht. Sie war gerade etwas abseits abgelenkt. Also stiegen wir ein und fuhren vom Parkplatz. Klar bemerkte Foxy das und lief uns plötzlich hinterher. Sie folgte uns ein gutes Stück und dann – zum ersten Mal – kläffte sie ganz überrascht: „Hey, wo wollt ihr hin? Ihr habt mich vergessen!“
Wir sind uns beide sicher, wäre Foxy uns nur noch ein paar Meter weiter gefolgt, wir wären jetzt zu dritt unterwegs. Und bis zur Fährüberfahrt waren wir immer wieder ganz kurz davor, umzukehren und Foxy doch noch einzusammeln.
Und während wir gerade diese Worte niederschrieben, kochten die Emotionen wieder über und unsere Augen wurden feucht. Foxy wäre zwar nicht unser Traumhund, aber sie hat sofort unsere Herzen erobert. Das ist uns bisher nicht in der Art passiert.
Wir wünschen Foxy alles Gute und hoffen, dass sie bald jemanden findet, bei dem sie es so richtig gut hat.

Capo d'Orlando

Auch wenn uns die Begegnung mit Foxy noch lange beschäftigte, führte unsere Route weiter entlang der Nordküste in Richtung Messina. Ab jetzt hätten wir an ganz vielen kleinen Orten mit verschiedenen Sehenswürdigkeiten anhalten können. Wir entschieden uns spontan für Capo d'Orlando. Abgesehen von einer netten Strandpromenade war es vor allem der Komplex rund um das Santuario di Maria SS., der uns angelockt hatte.
Der Aufstieg über rund 300 Stufen ist zwar recht anstrengend, dafür ist der Ausblick atemberaubend. Das Santuario konnten wir dann zwar nur von außen besichtigen und durch ein Fenster ins dunkle Innere spähen. Aber das Gitter davor zeugt von der Bedeutung des Ortes. Viele haben dort Bildchen, Rosenkränze und mehr niedergelegt und für sich und die Angehörigen gebetet.
Wieder zurück im Zentrum unternahmen wir noch einen Abstecher zum Faro di Capo d'Orlando und zur Chiesa di Cristo Re, bevor es weiter ging nach Tindari.

Tindari - Naturreservat, Basilika und Archäologie

Bei Tindari hatten wir den Eindruck, dass der Ort vor allem für die Basilica Santuario Maria SS. bekannt ist. Offenbar wird der Parco Archeologico von vielen Touristen verkannt. Wir wollten beides sehen.
Zunächst ging es in den Parco Archeologico, wo wir neben den Überresten der antiken Basilika und dem Teatro Greco einige gut erhaltene Mosaike bestaunen konnten. Aber eines der Mosaike überraschte uns dann doch. Es zeigt bereits die Trinacria, die wir heute als Symbol Siziliens kennen. Das berühmte Motiv mit den drei Beinen reicht also tatsächlich bis in die Antike zurück.
Nach dem Besuch in der Antike ging es zur Basilica Santuario Maria SS. Sie wartet gleich mit zwei Kirchen und faszinierenden Mosaiken auf. Das Innere der Hauptkirche ist aufwendig saniert und wurde dabei mit zahlreichen Mosaikbildern ausgestaltet. Darunter finden sich auch Darstellungen zur Geschichte der Verehrung der Madonnenfigur.
Hat man die Hauptkirche besichtigt, sollte man unbedingt um die Kirche herumgehen. Dort erwartet einen nicht nur eine Terrasse mit wundervollem Blick über die Küste und auf die Landzunge Punta Marinello, sondern auch der Zugang zu einer Kapelle innerhalb des Kirchenkomplexes.
Wir finden, einen Stopp bei Tindari sollte man unbedingt einplanen, wenn man auf Sizilien ist. Die Kombination aus archäologischer Stätte und Basilika ist großartig. Und wer hier noch mehr Zeit einplanen möchte, sollte dem Riserva naturale orientata Laghetti di Marinello einen Besuch abstatten. Das Naturreservat umfasst die Landzunge Punta Marinello, den Sandstrand und mehrere Meerwasserseen.

Milazzo - Allein im Castello

Unser definitiv letzter Ort auf Sizilien war Milazzo. Die Stadt ist hauptsächlich als Ausgangspunkt für den Besuch der Äolischen Inseln bekannt. Uns juckte es zwar gewaltig in den Fingern, auch diese Inseln zu besuchen – zumal der Stromboli dazugehört. Allerdings ist der Besuch mit Auto weniger empfehlenswert. Viele der Inseln sind klein und ein eigenes Fahrzeug wäre für uns dort eher hinderlich gewesen. Wir sahen daher von der zeit- und kostenintensiven Inseltour ab.
Dennoch hat Milazzo noch anderes zu bieten. Und genau da wollten wir hin. Ganz oben auf der Liste stand für uns das Castello di Milazzo bzw. der gesamte Komplex, bestehend aus dem Castello, einem ehem. Benediktinerkloster und einer Kirche. Der Besuch sollte einige Überraschungen für uns bereithalten.
Aus der Stadt kommend überquerten wir die Piazza Roma und kamen am Antiquarium Archeologico di Milazzo vorbei. Erfreulicherweise war das kleine Museum kostenlos und sorgfältig in Epochen gegliedert. Dabei fielen uns vor allem die sehr fein gearbeiteten und verzierten Vasen, Schalen und Kunstwerke aus dem 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. auf.
Gleich nebenan liegt das Santuario di San Francesco da Paola. Es ist das einzige Santuario des Heiligen Francesco von Paola auf Sizilien. Hinter einer schlichten Barockfassade verbirgt sich eine reiche Innenausstattung mit dem Hochaltar von 1751 und wertvollen Fresken.
Von hier aus ging es zunächst zu den beiden Kirchen Chiesa di San Rocco und Santuario dell'Immacolata Concezione und anschließend weiter zum Castello. Alternativ hätten wir der Straße noch etwas folgen und die Salita Castello hinaufsteigen können.
Der etwas unscheinbare Zugang liegt am Fuße eines mächtigen Wehrturms und führt von dort durch die Wehrmauer ins Innere des Komplexes. Gleich zu Beginn gibt es eine informative Ausstellung zur Meeresverschmutzung, das MuMa Museo del Mare. Nun folgten wir dem Weg hinauf zum Castello und erreichten dabei die ehemalige Kirche. Eine offene Tür, keine Verbotsschilder? Klar, dass wir hinein sind. Es ist zwar etwas seltsam, durch einige Räume zu laufen, in denen Stühle und Tische gelagert werden, aber am Ende standen wir plötzlich mitten in einer leeren Kirchenhalle. Auch hier gab es keine Hinweisschilder und so sahen wir uns in aller Ruhe um. Über eine kleine Wendeltreppe gelangten wir sogar noch auf eine Terrasse mit Blick über die Stadt hinaus aufs Meer.
Nach der Kirche inspizierten wir die Festungsmauer, bevor es weiter zum ehemaligen Klostergebäude ging. Das Gebäude ist heute weitestgehend leer und wird augenscheinlich für wechselnde Ausstellungen oder Veranstaltungen genutzt. Bei unserem Besuch fanden wir in einem der Räume eine kleine private Ausstellung eines Maskenmachers. Der etwas skurrile Mann zeigte und erläuterte uns einiges zu den Masken und führte verschiedene Musikinstrumente vor. Dann endlich erreichten wir die Porta della Cittadella und eroberten von dort aus das Castello. Leider ist auch das Castello größtenteils leer, dennoch macht es Spaß, durch die verwinkelten Räume zu streifen. Vor allem, wenn man ganz allein ist.
Gerade als wir uns die letzten Räume im Innenhof ansehen wollten, wurden wir freundlich aufgefordert, den Komplex zu verlassen. Offenbar war die Besuchszeit vorbei. Zum Glück hatten wir alles gesehen.

Von Milazzo ging es nun zurück nach Messina. Da wir Messina bereits bei der Ankunft auf Sizilien besichtigt hatten, fuhren wir auf direktem Weg hinunter zum Fährhafen, kauften ein Ticket und setzten wieder aufs Festland über.
Während der Überfahrt schauten wir nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Gedanken zurück auf Sizilien. Zwei Monate voller Erlebnisse und Erfahrungen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Gleichzeitig war die Vorfreude auf unsere weitere Reise durch Italien groß. Schließlich waren wir neugierig, was uns dort noch erwarten mag.

Unser Fazit zu Sizilien: Sizilien hat etwas Zeit gebraucht, um uns zu überzeugen. Das lag aber wohl eher an uns. Viele schwärmen von den tollen Stränden und dem kristallklaren Meer. Ja, das mag sein. Da wir aber nicht die Sonnenanbeter sind und es für Andrea ein Gräuel ist, überall den Sand vom Strand zu haben, liegt uns diese Seite Siziliens nicht ganz so. Da sind es dann doch eher die Städte, archäologische und historische Orte. Dazu Natur und gelegentlich mal ein bisschen Strand.
Und Sizilien kann diesen Spagat.
Auch wenn zahlreiche Orte durch Vulkanausbrüche und Erdbeben zerstört und teilweise vollständig neu aufgebaut wurden, reichen ihre Wurzeln häufig bis weit in die vorchristliche Zeit zurück. Hinzu kommen die wechselvollen Herrschaften über Sizilien. Egal ob normannisch, byzantinisch, arabisch, griechisch oder römisch, viele große Reiche haben hier ihre Spuren hinterlassen.
Jetzt, wo wir Sizilien im Verlauf von etwa zwei Monaten intensiv kennengelernt haben, sind auch wir von der Insel überzeugt. Sie hat einfach für jeden etwas zu bieten. Und da wir noch einige Ecken haben, die wir nicht gesehen haben, ist es nicht ganz abwegig zu sagen: Wir kommen wieder.

Tipps zur Fährüberfahrt von und nach Sizilien: Wer mit einem kleineren Camper wie z. B. einem VW-Bus oder Vergleichbarem nach Sizilien übersetzen möchte, kann bares Geld sparen.
Für Fahrzeuge gibt es u. a. die Kategorien PKW oder Camper. Dies ist aber augenscheinlich wenig aussagekräftig und wird der Größe der Fahrzeuge nicht gerecht.
Auf der Hinfahrt wurde unsere Felía offenbar als PKW eingestuft. Der Mitarbeiter hatte das Fahrzeug aber auch sehen können. Dadurch kostete uns die Überfahrt seinerzeit 35 €. Bei der Rückfahrt konnte der Mitarbeiter keinen Blick auf unser Fahrzeug werfen und wir gaben ehrlicherweise an, dass es ein kleiner Camper sei. Allein wegen dieser Angabe mussten wir für die Rückfahrt 2026 satte 49 € zahlen.
Offenbar wird als PKW alles bezeichnet, was kein Camper ist und keinen Anhänger hat. Die Länge spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Ein Camper hingegen ist ein Camper, darf aber bis zu 9 m lang sein. Da ein VW-Camper aber unter 6 m misst, ist so mancher moderner Kombi länger, geht aber als PKW durchgeht.
Daher am besten einen PKW angeben, wenn es nicht ein klassisches Wohnmobil mit Stehhöhe, Querbett und deutlich über 6 m Länge ist.

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